Schock im Tierheim: Sanierung kostet fast eine Million Euro

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

An dem ehemaligen Schweinestall am Rand der Kreisstadt hat der Zahn der Zeit gewaltig genagt. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Doch wo soll dafür das Geld herkommen?

Annaberg-Buchholz.

Es ist feucht, es ist kalt und eigentlich auch zu eng. Das im September 1999 eröffnete Tierheim "Neu-Amerika" am Rande von Annaberg-Buchholz ist - auf den Punkt gebracht - abgewirtschaftet. Eine umfassende Sanierung ist dringend erforderlich, sagt Leiterin Peggy Kreher. Das sieht auch der Tierschutzbund Annaberg und Umgebung als Betreiber nicht anders. Eine inzwischen vorliegende Kostenschätzung war dann aber doch eher ein Schock. "Laut dem Walthersdorfer Planungsbüro Planwerk 13, das uns bei dem Vorhaben bislang unterstützt hat, müssen wir mit insgesamt 942.000 Euro rechnen", so Kreher. Für sie ein Unding - schlichtweg nicht leistbar. So wie es jetzt ist, kann es aber auch nicht bleiben, ein Dilemma.

In diesen Kosten zusammengefasst sind unter anderem folgende Arbeiten: Demontage und Wiederaufbau der am Gebäude befindlichen Freigehege und Pflasterflächen, Freilegen und Abdichten der Sockelbereiche sowie Sockeldämmung, Verbreiterung der Dachüberstände, hinterlüftete Holzverkleidung mit Wärmedämmung, Erneuerung der Außenfenster und -türen, Erneuerung von schadhaftem Innenputz, Dämmung im Dachbereich, komplette malermäßige Instandsetzung innen. Eine Liste, die so im Prinzip nicht abgearbeitet werden könne, weil sie nicht finanzierbar sei. Hinzu kommt laut Kreher noch ein anderes Problem. Ihren bisherigen Recherchen zufolge passt das Vorhaben in kein Förderprogramm so richtig rein. Das mache das ganze Ansinnen um einiges schwieriger.

"Wir brauchen Hilfe", so Kreher. Dabei hofft sie natürlich auf ansässige Baufirmen, wobei sie auch weiß, dass das jetzt gerade "eine ganz blöde Zeit ist" und die Betriebe zum Teil sicher selbst wegen der Corona-Pandemie Probleme haben. Auf der anderen Seite würde sich Kreher wünschen, und das nicht nur wegen der anstehenden Sanierung, dass die Kommunen im Altkreis Annaberg die Tierheimumlage etwas aufstocken. "Vielleicht wenigstens auf einen Euro pro Einwohner", sagt sie. Momentan sind es 70 Cent, die jede Kommune pro Einwohner und Jahr an das Tierheim überweist. Dafür, das ist die Gegenleistung, nimmt der Tierschutzverein den Orten mit der Versorgung von Fundtieren eine Pflichtaufgabe ab. In anderen Regionen liege diese Pauschale längst viel höher, weiß die Tierheimleiterin. Und da muss sie gar nicht weit schauen. Die Kommunen im Altkreis Stollberg beispielsweise zahlen einen Euro je Einwohner. Neben der Pauschale könne der Tierschutzbund eigentlich nur noch durch die Beiträge der Mitglieder sowie den Vermittlungsgebühren für die Tiere Einnahmen generieren. Reich werden geht damit allerdings nicht.

Egal, der Tierschutzbund Annaberg und Umgebung muss mit dem auskommen, was er hat. Und das reicht nicht aus, um die eigentlich nötige Gesamtsanierung vorzunehmen. "Wir müssen uns deshalb erst einmal auf das unbedingt Notwendige konzentrieren, um die Bausubstanz zu erhalten. Das ist die Trockenlegung des Objektes sowie die Dämmung", sagt Kreher. Schon das werde, finanziell betrachtet, eine Herausforderung, wenn es tatsächlich nicht gelinge, ein Förderprogramm dafür aufzutun.

Doch woher könnte es Geld geben? "Ein paar tausend Euro können wir sicher beisteuern", sagt Patrick Kluge, Tierheimberater vom Deutschen Tierschutzbund. Doch das ist angesichts der benötigten Gesamtsumme am Ende auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, schränkt er ein. Auch eine Bezuschussung über die Landesdirektion ist prinzipiell denkbar, sagt Sprecher Holm Felber. In der Richtlinie zur Gewährung von Zuwendungen im Bereich des Tierschutzes heißt es: "Die Zuwendungen werden als Projektförderung im Wege der Anteilsfinanzierung gewährt. Der Eigenanteil der Zuwendungsempfänger beträgt in der Regel zehn Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Erwartet wird eine Kostenbeteiligung der Kommunen." Es wird also noch etwas dauern, ehe mit der Sanierung begonnen werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

33 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    KerstinBudde
    17.02.2021

    Ich denke, dieses Vorhaben ist nur zu stemmen, wenn Unterstützung aus der Bevölkerung und von Firmen kommt. Ich könnte mir dazu eine Spendenaktion vorstellen.

  • 5
    0
    summerfeeling
    17.02.2021

    Traurig, hoffentlich kann den Tieren bald zu einem schöneren Zuhause verholfen werden.
    Es ist bedauerlich, dass den staatlichen Stellen das Tierwohl nicht so sehr am Herzen liegt, sondern die Gelder lieber in große Unternehmen gesteckt werden.

  • 5
    0
    summerfeeling
    17.02.2021

    Ist schon traurig, hoffentlich findet sich eine Lösung und den Tieren kann bald geholfen werden.
    Das Wohl der Tiere müsste eigentlich dem Staat am Herzen liegen, aber da wird das Geld lieber in großen Mengen in Konzerne gepumpt.