Schüler schnuppern Werkstattluft in Bärenstein

Um Fachkräftenachwuchs ins Unternehmen zu locken, öffneten in der vergangenen Woche im Erzgebirge Firmen und Institutionen ihre Pforten. Eine Schraubenfabrik weihte in die Magie der Maschinen ein.

Bärenstein.

Lockere Schrauben sucht man in den Bärensteiner Hallen der Firma Eska-Automotive vergebens. Dort legt man nach eigener Aussage nämlich Wert auf Präzision. Davon konnten sich am Donnerstag interessierte Schüler aus der Region selbst ein Bild machen.

Ihnen bot die Firma im Rahmen der Woche der offenen Unternehmen nämlich eine Führung durch die Werkshallen. Die teilnehmenden Jugendlichen besuchen achte, beziehungsweise neunte Klassen in Schulen im Umfeld und suchten Hilfe bei der Berufswahl. Als Wolfgang Schmiedel, der Fertigungsleiter der Schraubenfabrik, die Schüler zu Beginn nach ihren groben Interessen und Wünschen fragte, antworteten diese noch ganz lapidar, dass sie sich zwar für Werkzeug interessieren, aber insgesamt noch auf der Suche seien. Ein Grund mehr für die Fabrik, alle Register zu ziehen, um das eigene Fach so spannend wie möglich zu präsentieren.

Denn der Bedarf an jungen Fachkräften ist groß. "Alle Auszubildenden, die kürzlich bei uns auslernten, haben wir auch übernommen. Sie haben frisches Wissen aus der Berufsschule und kennen unsere Firma - es sind die besten Fachkräfte", sagt Eska-Personalreferentin Vicky Richter. Aktuell hat die Firma nicht alle freien Ausbildungsplätze besetzt und hofft auf viele Bewerber für die kommende Saison in den Bereichen Mechatroniker, Industrie- und Werkzeugmechaniker.

Daher schauten sich die Firmenvertreter ihre drei Besucher auch ganz genau an und freuten sich über deren Interesse. Auch ein Bewusstsein für die Facetten der Arbeit versuchten sie zu schaffen. "Für ein fertiges Teil braucht es bis zu 120 Werkzeugelemente, die miteinander abgestimmt werden müssen", erklärt Fertigungsleiter Wolfgang Schmiedel. Dabei ist Präzisionsarbeit gefordert, schon die kleinste Abweichung verändert das Produkt und macht es wertlos. Und dennoch müssen die künftigen Mitarbeiter auch die Grundlagen ihres Fachs von der Pike auf lernen. "Drehen, Fräsen und Schleifen sind ebenso auf der Tagesordnung, wie das Einstellen hochtechnischer Maschinen", so Schmiedel. Er stellte den Schülern gemeinsam mit einigen Fachbereichsleitern die Firma mit all ihren Abteilungen vor. Die Jugendlichen zeigten sich schnell fasziniert von den riesigen Rollen mit dickem Stahldraht, den vielfältigen Werkzeugen und komplexen Maschinen, die letztendlich nicht nur Schrauben, sondern auch Maschinenteile im Sekundentakt ausspucken.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, auch nicht in der Woche der offenen Unternehmen. Viele Schüler besuchen nämlich nicht nur eine einzelne Firma, sondern füllen die ganze Woche mit Veranstaltungen. Und auch die Eltern mischen kräftig mit. Für den Annaberger Innenarchitekten Ricardo Janett, war der Besuch der Schraubenfabrik nur eine Etappe von vielen.

"Die ganze Woche besuchen wir Unternehmen", sagt der Vater. Sein Sohn Reto ergänzt: " Ich war schon im Autohaus und bei der RVE, morgen geht es noch zur Polizei." Eine Entscheidung möchte er noch nicht treffen, in Bärenstein hätte er jedoch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

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