Still ruht der See: Baustart am Heideteich verzögert sich weiter

Fünf Jahre ist es her, dass ein Damm bei Geyer durch Hochwasser beschädigt worden ist. 2018 sollte die Sanierung endlich beginnen, die Aufträge sind vergeben. Doch das Landratsamt gibt noch kein grünes Licht. Für die Stadt wird es brenzlig.

Geyer.

Fast drei Monate ist es her, dass der Stadtrat von Geyer die Bauaufträge für die Sanierung des Heideteich-Damms bewilligt hat. Kostenumfang: knapp eine Million Euro. Doch noch immer heißt es dort: Still ruht der See, muss die Stadt auf die endgültige Zustimmung der Unteren Wasserbehörde im Landratsamt warten. Eine Situation, die Geyer in die Bredouille bringt. Das Ganze zieht sich schon lange hin, das Projekt rührt noch von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 her. Damals war die Verwaltung davon ausgegangen, dass sich der Damm mit geringem Aufwand wieder stabilisieren lässt. Ein Irrtum.

Mittlerweile ist der Zeitdruck enorm, sagt Bürgermeister Harald Wendler. Immer wieder seien neue Anforderungen vom Landratsamt gestellt worden. Doch die Stadt muss mit dem aufwendigen Bau beginnen, die Fördermittel Ende Juni 2019 abrechnen. Das sei die letzte Frist. "Wir gehen aber von einer Bauzeit von 25 Wochen aus", sagt Wendler. Finanziert werden soll die Sanierung zu hundert Prozent vom Land Sachsen innerhalb der Hochwasserschadensbeseitigung von 2013.

"Die Schwierigkeit und Komplexität bei dem Vorhaben besteht darin, die vielen unterschiedlichen betroffenen Belange, insbesondere die des Denkmal-, Natur- und Trinkwasserschutzes, mit den wasserbaulichen sowie ingenieurtechnischen Anforderungen in Einklang zubringen", erläutert Katja Peter, Sprecherin des Landratsamts. Zudem sei vom Planungsbüro, das die Stadt Geyer beauftragt hat, eine Sanierungsvariante gewählt worden, bei der Verfahren aus dem Bereich des Spezialtiefbaus anzuwenden sind. Vorgesehen sei etwa die Herstellung einer Schmalwand, mit der die Dichtheit des Dammbauwerks und damit die Standsicherheit gewährleistet werden soll.

Die Untere Wasserbehörde ist seit 2013 in das Projekt involviert. Im Zeitraum 2013/2014 habe es eine Vielzahl von Gesprächen gegeben. Leider sei die Genehmigungsplanung durch die Stadt erst Mitte Juli 2017 eingereicht worden. Im Februar 2018 war auch ein Genehmigungsbescheid erteilt worden. Doch ein Baustart ist trotzdem noch nicht möglich, denn es sei damit nur ein wesentlicher Teil des wasserrechtlichen Verfahrens abgeschlossen. Begonnen werden darf mit der Sanierung erst dann, wenn auch Nebenbestimmungen des Bescheides erfüllt sowie eine Prüfung des Standsicherheitsnachweises des Damms durch einen anerkannten Prüfingenieur abgeschlossen worden sind. Zurzeit müssen laut Landratsamtssprecherin Katja Peter noch bautechnische Nachweise und Ausführungsunterlagen vorgelegt und geprüft werden. Das sei aber keine Besonderheit.

Konkret gefragt nach Schwierigkeiten im Verfahren, verweist der Kreis darauf, dass die Vorbereitung des Projekts in Verantwortung der Stadt Geyer einen sehr großen Zeitraum eingenommen habe. Weiter heißt es: "Die Schwierigkeiten bestanden in der Herangehensweise und Bewältigung der Anforderungen an das Projekt durch den Fachplaner, welcher im Auftrag der Stadt Geyer handelt." Eine Aussage, die dort für Verärgerung sorgt. "Wenn das Landratsamt sich anmaßt, einem beauftragten Fachplaner die Kompetenz abzusprechen, dann ist das arrogant", sagt Bürgermeister Harald Wendler. Die Stadt habe mit dem Planer schon bei anderen Projekten zusammengearbeitet und gute Erfahrungen gemacht, etwa beim Bau der Alten Hormersdorfer Straße. Auch Amtskollege Christoph Neubert aus Tannenberg berichtet von einer guten Zusammenarbeit. Fachplaner Tobias Wolff selbst sagt zur aktuellen Lage: "Bei der Sanierung des Heideteich-Damms handelt es sich wirklich um ein komplexes Projekt, bei dem an einigen Stellen Neuland betreten werden muss. Das Landratsamt hat aber die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten." Es seien verschiedene Probleme aufgetreten. Ein Beispiel: Im Planungszeitraum hätten sich statistische Niederschlagswerte, die Auswirkungen auf die Standsicherheit des Damms haben, zweimal geändert. Das erforderte jeweils neue Berechnungen.


Heideteich: Ausflugsziel und Relikt des Bergbaus

Bereits um 1600 gehörte der heutige Heideteich bei Geyer nach Angaben der Stadt als Wasserreservoir zu einer Vitriol- und Schwefelhütte. Im 18. Jahrhundert sei er dann von der "Hochmutzeche" genutzt worden, die zu den Gruben des Silbergebirges Am Knochen gehörte.

Heute dient der Heideteich als Quellgebiet der Geyerschen Wasserversorgung. Er sei zudem ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel zu jeder Jahreszeit. Er liegt im Geyerschen Wald nahe der Zwönitzer Straße. Vom dortigen Wanderparkplatz aus ist es bis zum Teich gar nicht weit. Im Übrigen wird in dem Gewässer Wasser zurückgehalten, das sonst über das Einsbächel in Richtung Stadt fließen würde. Ganz in der Nähe des Heideteichs führt auch eine Route des Heimatliederwegs des Erzgebirgszweigvereins Geyer entlang. (aho)

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