Talsperre fehlt fast Hälfte des Wassers

Der geringe Füllstand des Wasserspeichers fällt auf. Statt 2,85 Millionen Kubikmeter sind derzeit nur etwa 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser vorrätig. Ist die Trinkwasserversorgung gefährdet?

Cranzahl.

Der geringe Füllstand der Talsperre in Cranzahl fällt vor allem den Wanderern auf, die dort regelmäßig unterwegs sind. So haben sich gleich mehrere Leser mit der Frage nach der Ursache an die "Freien Presse" gewandt. Diese liegt in der lang anhaltenden Trockenheit, erläutert Katrin Schöne, Pressesprecherin der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. "Dazu kam, dass sich die Bodenwasserspeicher aus dem Trockenjahr 2018 noch nicht wieder aufgefüllt haben. Aufgrund der hohen Temperaturen gab es außerdem eine hohe Verdunstung und einen hohen Wasserbedarf der Vegetation. All dies führte zu entsprechend geringen Zuflüssen in die Talsperre. Gleichzeitig wurde die Wasserabgabe für die Trinkwasserversorgung konstant gehalten."

Aktuell liege der Füllstand bei 1,56 Millionen Kubikmeter Wasser. Das entspricht etwa 55 Prozent des normalen Stauziels - also dem Volumen, das eigentlich in der Talsperre sein sollte. Ähnlich niedrige Werte waren auch schon Mitte Dezember 2018 gemessen worden, weil sich die Niederschlagswerte in jenem Jahr in ähnlichen Dimensionen bewegt hatten. Sie beliefen sich auf 648 Millimeter. Ende Dezember 2018 und im Januar 2019 habe es dann im Einzugsgebiet der Talsperre zwar hohe Niederschläge gegeben, sodass sich die Talsperre zwischen Januar und Ende März 2019 wieder bis zum Stauziel füllen konnte. Seit April des Vorjahres herrsche im Zufluss zur Talsperre aber wieder Trockenheit.

Hat das alles Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung in der Region? Ist doch die Talsperre Cranzahl im Raum Annaberg-Buchholz ein wichtiger Rohwasserspeicher für die Trinkwasseraufbereitung. "Das hängt davon ab, wie viele Niederschläge und Zuflüsse in die Talsperre es künftig tatsächlich gibt", sagt Katrin Schöne. Die Möglichkeit, Wasser aus einer anderen Talsperre oder einem anderen Gewässer zusätzlich nach Cranzahl zu leiten, gebe es derzeit nicht. Denn die Situation sehe in allen Talsperren von der Tendenz her ähnlich aus.

Auch deshalb gibt es in der Landestalsperrenverwaltung strategische Überlegungen zur Anpassung des sächsischen Talsperrensystems an den Klimawandel. Fragen zur Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung werden in der "Grundsatzkonzeption öffentliche Wasserversorgung Sachsen 2030" zusammengeführt. Die Federführung dafür hat das Sächsische Ministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.

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