Tote Kälber: Waren doch Wölfe im Spiel?

Im Sommer sind auf einer Weide in Neudorf drei tote Tiere innerhalb weniger Tage gefunden worden. In allen drei Fällen wird von verantwortlichen Stellen ein Wolfsriss als Todesursache ausgeschlossen. Doch jetzt gibt es ein weiteres Gutachten, das zu einem ganz anderen Schluss kommt.

Neudorf.

Ist das Wolfsrudel im tschechischen Vysluni das einzige im Erzgebirge? Suchen sich dessen Nachfahren möglicherweise schon ihre eigenen Reviere in der Region? Wie viele dieser leisen Jäger streifen überhaupt durch die heimischen Wälder? Fragen, die vor allem die Landwirte in der Region bewegen und auf die sie im Moment keine klaren Antworten erhalten. Und ein neues Gutachten könnte all jene bestärken, die Zweifel anmelden an Verlautbarungen der zuständigen staatlichen Stellen.

Ende Juni/Anfang Juli waren auf einer Weide in Neudorf drei tote Kälber gefunden worden - im Abstand von nur wenigen Tagen. In den ersten beiden Fällen war von der Landesuntersuchungsanstalt in Dresden "ein Wolfsriss als Grund für den Tod ausgeschlossen" worden. Und auch für den dritten Verdachtsfall liegt nun ein ähnliches Ergebnis vor: Laut Untersuchungsbericht konnten auch bei dem dritten toten Tier "keine Spuren gefunden werden, die auf eine Todesursache durch Fremdeinwirkung schließen lassen. Es handelt sich wahrscheinlich um ein lebensschwach geborenes Kalb, welches nach der Geburt verstarb", heißt es dazu von der zuständigen Fachstelle Wolf, die in Nossen erst in diesem Jahr eingerichtet worden ist. Weiter ist zu lesen: "Die von der Landesuntersuchungsanstalt am Kadaver gefundenen Fraßspuren deuten auf die Nutzung durch Vögel hin." Direkt noch einmal auf dem vorangegangenen Vorfall angesprochen, erläutert Behördensprecherin Karin Bernhardt: In diesem Fall "kommen die Veterinäre zu dem Ergebnis, dass das Rinderkalb an einer Sepsis infolge einer Infektion mit Kolibakterien mit eitriger Hirnhautentzündung verstarb". Nach den vorliegenden Informationen könne das Vorhandensein von Spuren von Wölfen oder Wolfshybriden nicht bestätigt werden.

Diese hat man aber bei einer zweiten, unabhängigen DNA-Analyse gefunden - in der Abteilung Forensische Genetik und Rechtsmedizin am Institut für Hämatopathologie GmbH in Hamburg. Einer Einrichtung, auf deren Arbeit unter anderem auch Polizei und Gerichte zurückgreifen. Dorthin war einmal mehr auf Privatinitiative befreundeter Tierhalter hin DNA-Material geschickt worden. "Es wurden Signale gefunden, die typisch für Vertreter der Familie der Hunde sind und von mindestens zwei Tieren stammen und nicht vollständig zu normalen Haushunden passen", erläutert Dr. Nicole von Wurmb-Schwark als geprüfte Fachabstammungsgutachterin. Vielmehr sei beim Abgleich der insgesamt 17 verschiedenen genetischen Marker ein Merkmal festgestellt worden, das bisher bei mehr als 60 Prozent des bisher untersuchten Wolfsmaterials festgestellt worden sei - ansonsten aber weder bei einem Hund, noch bei anderen Tiergruppen wie Fuchs oder Schakal. Die Gutachterin spricht von einem "gerichtspräsentablen und plausiblem Ergebnis". Immerhin würden mit der forensischen Genetik auch Kinderschänder, Vergewaltiger und Mörder überführt.

Bisher sind solche aufwendigen DNA-Analysen im Erzgebirge nur in einzelnen Fällen und immer auf Privatinitiativen hin ausgelöst worden, nicht von den staatlich beauftragten Gutachtern.

Wie soll aber ohne derartiges Material überhaupt ein aussagefähiges Wolfsmonitoring gewährleistet werden - also die wissenschaftliche Datenerfassung über die Wölfe, die der Überwachung des Erhaltungszustandes der Population und somit der Größe und Entwicklung des Vorkommens dienen soll? Eine aussagekräftige Antwort darauf bleibt die Fachstelle schuldig. Sie teilt mit: "Für die Entscheidung über die Todesursache dienen grundsätzlich diejenigen Informationen, welche durch die Begutachtung des Kadavers des betroffenen Nutztieres gewonnen wurden." Protokollierung und Dokumentation flössen in das Monitoring ein. So konnte im Monitoringjahr 2017/18 auf tschechischer Seite immerhin das Vysluni-Rudel erstmals nachgewiesen werden. Und seitens der Fachstelle wird mittlerweile davon ausgegangen, dass sich dessen Jungtiere auch im sächsischen Erzgebirge niederlassen werden. Denn mittels DNA-Untersuchungen konnten Risse bereits den Nachkommen des Rudels nachgewiesen werden.

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    2
    Interessierte
    09.09.2019

    Sehr mysteriös ...

  • 2
    4
    Hirtensang
    08.09.2019

    Waren die getöteten Kälber Jungtiere von Mutterkühen, so haben 3 Kühe innerhalb eines Wirtschaftsjahres nur Kosten für Fütterung, Haltung und Pflege verursacht, also keinen Deckungsbeitrag für die fixen Kosten des Unternehmens oder für den Gewinn des Unternehmers gebracht.

  • 9
    2
    Pixelghost
    08.09.2019

    Es kann nicht sein, was nicht sein darf, oder was?

  • 10
    1
    FromtheWastelands
    08.09.2019

    Na was wohl, im Kreis rennen und schlimm, schlimm, schlimm schreien.

  • 10
    4
    BlackSheep
    08.09.2019

    Klingt als will man nur eine bestimmte Meinung zulassen, geht so Demokratie?

  • 8
    3
    Tauchsieder
    08.09.2019

    Ja und wenn, was dann ?



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