Und Max Bruno Harzer ist es doch!

Das Rätsel um den Begründer des 120 Jahre alten Ringkampfvereins in Gelenau gilt endgültig als gelöst. Die Spuren führen bis zur Augustusburg.

Gelenau.

"Den Überlieferungen zufolge war es ein Fleischergeselle namens Max Harzer, der 1898 von der Wanderschaft zurückkehrte und in Gelenau das Ringen begründete." So steht es in Chroniken und Festreden. Vor 20 Jahren aber wurde der Fakt angezweifelt, weil jener Mann in den Ursprungsdokumenten nirgends zu finden war. Jetzt, 120 Jahre nach der Gründung des Ring- und Stemmklubs, sagt Ortschronist Dr. Olaf Tautenhahn: "Und Max Bruno Harzer ist es doch!"

Tautenhahn hat die verworrene Familiengeschichte auseinandergetriefelt. Und aus ihr wird Folgendes ersichtlich: 1873 hatte eine Amalie Klara Hofmann den Alwin Bruno Harzer geheiratet. Beide zeugten miteinander drei Kinder, darunter Max Bruno Harzer, der am 29. Oktober 1873 in Gelenau geboren wurde. Dieser erlernte später den Beruf eines Fleischers, ging auf Wanderschaft. Anhand von Geburts- und Todesurkunden, Hausnummern, Handelsregistereinträgen und anderen Dokumenten hat der Chronist die Puzzleteile zusammengefügt. Etwa jenes, dass Max Bruno Harzers Vater bereits 1879 verstorben war, dessen Witwe erneut heiratete, und zwar 1881 einen Moritz Wilhelm Richter. Aus dieser Ehe ging Wilhelm Paul Richter hervor, ein späterer Fleischermeister, der als erster Vorsitzender des Ring- und Stemmklubs von 1898 nachgewiesen ist. Dass der eigentliche Begründer fehlt, hat andere Ursachen: "Es liegt an seinem Fortzug nach Weißbach. Dort heiratete jener Max Bruno Harzer am 1. März 1898 Ernestine Alma Reuter, mit der er nach Augustusburg ging. Dort wird er 1904 als Besitzer des Gasthofs zum Erbgericht genannt. In Augustusburg verstarb Max Bruno Harzer am 2. März 1946, hoch geachtet als Fleischer, Gastwirt und Kirchenvorstandsmitglied."

Warum aber nun ist für Tautenhahn klar, dass es dieser Mann ist, der das Ringen nach Gelenau brachte? "Weil es die Wohnungsanmeldung Nr. 93/1895 gibt. Darin wird der Zuzug des Max Bruno Harzer am 04.06.1895 von Hamburg nach Gelenau, in sein Vaterhaus mit der Ortslisten Nr. 44B, dokumentiert. Die erste Ringer-Trainingsstätte befand sich ebenfalls im Haus der ,Richterfleischerei', Ortslisten Nr. 44B, jetzt Straße der Einheit 104. Und da der erste Vorsitzende Wilhelm Paul Richter und Max Bruno Harzer Stiefbrüder sind, bin ich sicher, dass das ,Rätsel' um den Begründer des Ringkampfsportes in Gelenau als gelöst angesehen werden kann", sagt Tautenhahn.

Er fügt dieser Logik als Begründung noch Folgendes an. Es gilt als anzunehmen, dass Max Bruno Harzer den Ringkampfsport ins Erzgebirgsdorf Gelenau brachte, weil er in Hamburg als Wandergeselle gearbeitet hat.

Dort gab es ab 1879 den Wandsbeker Athleten Club. "Er gilt als ältester Ringerclub Europas", sagt Tautenhahn. Zudem wurde der Hamburger Carl Abs 1885 in Amerika Ringer-Weltmeister. In jenem Jahr also, in dem Harzers Umzug von Hamburg nach Gelenau ins Melderegister eingetragen wurde.

Durch Abs' Titel erfuhr diese Sportart einen gewaltigen Aufschwung, der 1896 durch den ersten deutschen Ringkampf-Olympiasieg des Berliners Carl Schumann noch verstärkt wurde. Dies alles führte dazu, dass am 14. Februar 1898 der Gründungsantrag für den Ring- und Stemmklub "Jugendkraft 1898" Gelenau gestellt wurde.

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