Vom alten Schulgarten zum Idyll für alle: Projekt sucht Mitstreiter

Ein Grundstück in der Kreisstadt, das mancher noch aus Kindertagen kennt, soll zu einem Ort der Begegnung und des Lernens werden. Im Gemeinschaftsgarten "Bunte Beete Annaberg-Buchholz" ist noch viel zu tun. Doch es winkt nicht weniger als ein kleines Paradies.

Annaberg-Buchholz.

Das Paradies liegt am Rande von Kleinrückerswalde. Es ist grün, bietet einen schönen Blick auf den Pöhlberg - und sieht noch ein wenig wild aus. Auf dem Grundstück wuchern unterschiedlichste Pflanzen, der Zaun ist teils löchrig und auch die lang gestreckte Laube hat auch schon bessere Tage gesehen. Doch nichts, was sich nicht beheben ließe. Wenn man so will, ist dies der Sehnsuchtsort von Stefan Bolanz.

"Hier soll ein Platz entstehen, an dem Menschen gemeinsam sein, gärtnern, essen, lernen können", sagt der Annaberg-Buchholzer. Bolanz, 39, brennt schon lange für die Idee eines bisher einzigartigen, interkulturellen Gemeinschaftsgartens in der Kreisstadt, der Gleichgesinnte, aber auch ganz unterschiedliche Gruppen zusammenbringen soll. Durch einen Artikel in der "Freien Presse" im vorigen Jahr wurden weitere Annaberger auf die Idee aufmerksam. Gemeinsam suchten sie nach einem geeigneten Grundstück. Jetzt sind sie fündig geworden: im alten Schulgarten in Kleinrückerswalde. Aus diesem sollen die "Bunten Beete Annaberg-Buchholz" werden. Und die Naturfreunde haben von klassischem Anbau bis zum Wildgarten auf den 1700 Quadratmetern am Flößgraben eine Menge vor.

Nur blumige Utopien? Keineswegs. Der Verein Procovita aus Raschau-Markersbach, unter dessen Dach das Vorhaben läuft, hat ein Konzept in Auftrag gegeben. Auf mehr als einem Dutzend Seiten hat Christian Skiba, Diplom-Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz, einen detaillierten Plan erstellt, was unter Beachtung der örtlichen Gegebenheiten alles möglich ist.

Im Wesentlichen soll der Garten aus drei Teilen bestehen, so der Plan. Im nördlichen Drittel wird die bestehende renovierungsbedürftige Laube zum Aufenthaltsraum für Regentage und Lager umgebaut, draußen entsteht eine offene Sommerküche. Eine Terrasse mit Feuerstelle lädt zum Verweilen ein, nebenan können Kinder im Krabbeltunnel, Sandkasten oder Indianertipi spielen. Teil zwei des Gartens bietet Raum für Anbau auf verschiedenen Beetformen, gärtnerische Experimente nicht ausgeschlossen. Um Wildnis und Spiel für Kinder und Erwachsene geht es schließlich im dritten Teil des Gartens. Formen mit Lehm, flechten mit Weiden, Pfeil und Bogen anfertigen, Insektenhotels und Nistkästen bauen, einen Bienenstock beobachten, Workshops abhalten: All das ist denkbar, genauso wie das Errichten einer Schwitzhütte.

Alles soll unter dem Schlagwort der Permakultur angelegt werden, die naturnahe und nachhaltige Kreisläufe zum Ziel hat. So soll es beispielsweise statt eines herkömmlichen WCs eine Komposttoilette geben.

In kleinem Kreis wollen die Gemeinschaftsgärtner nicht bleiben. So steht Bolanz unter anderem mit dem Montessori-Verein Annaberg in Kontakt, der sich vorstellen könne, dort eine Natur-AG durchzuführen. Auch mit dem Unterstützerkreis Asyl und mit einem Behindertenverein habe er schon gesprochen. Insbesondere Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, Umgang mit der Natur und selbst erzeugten Lebensmitteln zu erleben und begreifen. Gesucht werden noch viele Leute, die Spaß am Gärtnern haben, sich einbringen wollen - ob privat oder von Einrichtungen - oder die Gartengeräte und Werkzeuge abzugeben haben, die sie nicht mehr brauchen. "Hier soll alles auf Augenhöhe laufen, ich will nicht der Chef sein. Alles ist frei und ungezwungen", sagt Bolanz.

Zuerst soll der Zaun repariert und die Laube saniert werden. "Doch zunächst brauchen wir noch Manpower und Geld", sagt Bolanz. Rund 2000 Euro sind für die notwendigen Materialien veranschlagt, geplant ist demnächst eine Crowdfunding-Kampagne, um über das Internet Geld zu sammeln.

Doch so lange wollten die Gemeinschaftsgärtner vom Stadtrand nicht warten: Inmitten des Gartens gab es schon mal ein Picknick, relaxen in der Hängematte inklusive. Stefan Bolanz will für das Projekt sogar seinen eigenen Garten aufgeben, um sich voll einbringen zu können. "Es ist die ideale Spielwiese - da habe ich richtig Bock drauf."

Wer bei dem Projekt "Bunte Beete Annaberg-Buchholz" mitmachen und sich einbringen will oder Werkzeug und Gartengerätehat, die er nicht mehr braucht, kann sich bei Stefan Bolanz melden. Kontakt ist per Facebook möglich, per Mail an stefan@vital- navigation.de oder unter Ruf 015151957910.

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