Von Abenteuerlust zur Aufbauhilfe

Vier Erzgebirger helfen seit 2013 in Afrika. Der Verein, den sie gegründet haben, nennt sich "Miriquidi goes Africa". Dahinter stecken eine Handvoll Personen, ein beeindruckendes Netzwerk und ein Abenteuer auf vier Rädern.

Bärenstein.

Rico Malz und seine Frau wohnen in Leipzig. Mario und Stephanie Wolf sind Bärensteiner. Gemeinsam haben sie dieser Tage in einer Informationsveranstaltung ihre Arbeit in der Bärensteiner Kirche vorgestellt. "Wir bringen nicht den Fisch nach Gambia, sondern die Angel", sagen sie. Dahinter steckt der Gedanke, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. "Wir möchten mit dazu beitragen, dass die Menschen in Gambia, ihrer Heimat, bleiben und wir wollen dort nachhaltige Entwicklungshilfe anbieten", sagt Rico Malz.

Deshalb machen sie sich unter anderem für schulische und berufliche Bildung in dem kleinen westafrikanischen Land stark. "Wir unterstützen beispielsweise Lehrer in ihrem Studium, sorgen für Schulmaterial und Möbel und auch für Schulbauten", sagt Malz. In der Kobisala Nursery School in Sanyang habe man beispielsweise initiiert, dass Kindern Bildung bis zur siebenten und achten Klassenstufe mit naturwissenschaftlichen Fächern bekommen können. Außerdem sei man derzeit dabei, die Schule zu vergrößern.

"Das Material kaufen wir vor Ort", informiert Mario Wolf. Längst habe man erkannt, dass Geld allein nicht viel bringe. "Die Leute brauchen Ausbildung, Jobs und die Freude, etwas zu schaffen." Deshalb investieren die Erzgebirger auch in die berufliche Bildung der Afrikaner. Sie unterstützen ein Gartenprojekt für Frauen, nachhaltige landwirtschaftliche Lösungen und eine Wasserleitung. Auch ein Krankenhaus und eine Entbindungsstation haben die Erzgebirger im Visier.

Aus diesem Grund sind auch schon zwei Notstromaggregate nach Banjul gekommen. Geräte und Sachspenden werden in Containern nach Afrika verschifft. "Geldspenden überbringen wir selbst", sagt Mario Wolf. Einmal jährlich reist die Gruppe in den kleinen afrikanischen Küstenstaat.

Dreimal haben Malz und Wolf mit ihren Frauen an der Rallye Dresden-Dakar-Banjul teilgenommen. "Das war 2013 zunächst reine Abenteuerlust", erinnern sich die Erzgebirger. 100 bis 120 Leute fahren gemeinsam etwa 50 gebrauchte Autos nach Afrika. Auf der 7200 Kilometer langen Strecke rollen sie über Frankreich, Spanien und die Meerenge von Gibraltar nach Afrika. Teils über die alte Postroute entlang der Atlantikküste in direkter Ufernähe kommen die Helfer über Marokko, Westsahara und Senegal nach Gambia. "Die 14-tägige Fahrt ist atemberaubend", bestätigen die beiden jungen Ehepaare.

Alle Autos hätten 15 bis 20 Jahre auf dem Buckel, sollten aber nach Ankunft im Zielland noch 3000 Kilometer fahrbereit sein. Das klappt nicht immer. Doch die Fahrt von "reich nach arm" lohne immer. Nach einer Versteigerung der Fahrzeuge könne mit dem Geld Sozialhilfe geleistet werden. Partner vor Ort, die Leute der Dresden-Banjul-Organisation (DBO), einer nicht der Regierung unterstellten Organisation, und Heinz Bormann, persönlicher Ansprechpartner im Land, haben die Schwerpunkte im Blick. "Hier geht kein Geld verloren", sind sich die Akteure einig.

Motiviert werden die jungen Leute von der Dankbarkeit und Freude, die ihnen jedes Mal entgegenschlage, wenn sie Gambia besuchen. "Und wir glauben auch, dass wir Familien vor Ort bereits dafür sensibilisiert haben, dass Deutschland und die europäischen Staaten nicht das gelobte Land der Menschheit sind", sagt Rico Malz. Über soziale Netzwerke informiert der Verein zu aktuellen Hilfsprojekten und das, was gerade gebraucht wird. Die Hilfsbereitschaft zu Sach- und Geldspenden sei groß, berichtet Malz. "Manchmal geht es nur um Zahnbürsten."

Tatsächlich habe man vor Ort schon allerhand bewegen können. "Wir hören nicht auf, wenn wir müde sind, sondern wenn wir fertig sind", meinen die Macher optimistisch nach sechs Jahren Einsatz auf dem afrikanischen Kontinent. www.www.miriquidi-goes-africa.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...