Von der Adler-Drogerie zur Parfümerie

Die Hickmanns bringen mit ihrem Geschäft die Welt der Düfte nach Annaberg. Den Grundstein legte bereits der Vater des heutigen Inhabers.

Annaberg-Buchholz.

Die ehemalige Adler-Drogerie, Markt 5, gehörte bereits in der Vorkriegszeit zum Stadtbild von Annaberg. Mit Gründung der HO wurde sie in Volkseigentum überführt. Als Ende der 1960er-der aus Thum stammende gelernte Drogist Joachim Hickmann Verkaufsstellenleiter wurde, war nicht zu erahnen, welchen Werdegang das Geschäft 30 Jahre später nehmen sollte.

Als sich nach der Wende alles neu orientierte, übernahm Joachim Hickmann die Drogerie von der HO als Privatperson. Zunächst wurde diese ohne große Investitionen betrieben, denn über allen Neuerwerbungen von Immobilien schwebte immer das Schwert der Restitutionsansprüche, was bedeutete, dass ehemalige Voreigentümer ihr Eigentum zurückfordern konnten. Natürlich waren im Sortiment schon damals die westlichen Produkte enthalten. Wenige Jahre später kam es schließlich zum Kauf des Hauses und das Geschäft wurde von 1993 bis 1994 umgebaut. Danach kamen nach den üblichen Drogerieartikeln auch die ersten Parfümerieerzeugnisse auf den Plan. Für Joachim Hickmann gab es dafür einen speziellen Ausdruck: "Indi", was individuelle Bedienung bedeutet. In einem Teil des Ladens waren die Drogerieprodukte und hinter der Ladentheke in einem speziellen Regal die feinen Kosmetiksachen zu finden. Auch der Name des Geschäftes änderte sich in Adler Drogerie & Parfümerie.

Torsten Kleditzsch

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Leider war die Idee des Geschäftsmannes Hickmann bereits Anfang der 1990er von der Kenntnis einer schweren Krankheit überschattet. Aufgrund dieser Hiobsbotschaft änderten sich auch die Zukunftspläne des Sohnes Marcus. Der damalige Teenager wollte Abitur machen und danach BWL studieren. Doch nun freundete er sich mit dem Vorhaben seines Vaters an und erlernte ebenfalls den Beruf des Drogisten. So war er von Anfang an im Geschäft. Noch während der kurz andauernden Abiturzeit lernte Marcus seine Wegbegleiterin und spätere Ehefrau Carmen kennen und lieben. Diese fand sehr bald Gefallen am Sortiment und besonders den kosmetischen Artikeln. Sie legte ihr Abitur ab und begann ein Jurastudium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Überall im regionalen Umkreis schossen große Supermärkte und Drogerieketten wie Pilze aus dem Boden. Die herkömmliche Drogerie hatte schon aufgrund des Preisniveaus und des Sortimentes keine Chance mehr. Hickmanns mussten umdenken. Durch das Fortschreiten der Krankheit des Vaters war Marcus bereits als sehr junger Mann gezwungen, die Fäden hinter den Kulissen zu ziehen. Auch Carmen Hickmann hatte eine tiefgreifende Entscheidung zu treffen. Sie gab schließlich das Jurastudium auf und trat 1996 in das Familienunternehmen ein. Das junge Paar wog verschiedene Alternativen für das neue Gesicht des Ladens ab. Marcus spielte mit dem Gedanken, ein Foto-Geschäft zu eröffnen, verwarf diesen aber wieder, weil er nicht mit dem entsprechenden Kundenzuspruch rechnete. So entschied man sich für die Parfümerie. Joachim Hickmann hatte die notwendigen Kontakte und stand mit seinem Fachwissen zur Seite. Carmen Hickmann begann 1996 eine Ausbildung zur Kosmetikerin bei der Star-Kosmetikerin Anita Nüske in Berlin. Wenn sie in Berlin weilte, suchte sie nach Ideen und Inspirationen für das eigene Geschäft. "Ich wollte die große Welt nach Annaberg bringen." Schließlich eröffnete 1999 die Parfümerie Hickmann mit Marcus Hickmann als Inhaber. Ein Schritt, den das Ehepaar bis heute nicht bereut hat. Das ganze Sortiment wie auch der Verkaufsraum wurden umgestaltet, was ein ständig fortwährender Prozess ist. Carmen Hickmann ist in diesen Dingen nicht zu bremsen. Lächelnd stellt Ehemann Marcus fest: "Wenn meine Frau fünf gute Ideen hat, kommen wir manchmal nur zur Umsetzung von einer. Aber diese wird ein Erfolg."

Joachim Hickmann verstarb 2001. Ihm war es vergönnt, wenn auch sehr eingeschränkt, die Erfüllung seines Lebenstraumes zu verfolgen. Seit 2006 gibt es eine Beauty Lounge, in der Carmen Hickmann ihre Kundinnen, die aus vielen Teilen der Republik kommen, unter dem Motto "Was braucht die Haut? - Was braucht der Mensch?" verwöhnt.

Das Ehepaar ist ständig daran interessiert, am Ball zu bleiben, was in der Branche auch überlebensnotwendig ist. Hickmanns besuchen Schulungen und Seminare, reisen oft nach Paris, um mit den entsprechenden Kosmetikherstellern persönlich in Kontakt zu bleiben und sich dabei auch Anregungen für die eigene Arbeit zu holen, denn bei den Düften ist es wie bei der Musik. Es sind Kompositionen, die man verstehen muss, um sie anbieten zu können. Und genau das ist das Geschäftsempfinden der Hickmanns.

Durch viele hauseigene Events in der Parfümerie strahlt diese Leben aus. So war im August ein Schmink-Experte der Firma Chanel zu Gast. Diese Veranstaltung war bis zum letzten Platz ausgebucht. Marcus Hickmann berichtet von einem Kunden aus Kiew, dessen Mutter in der Region wohnt. Mehrmals im Jahr besucht er sie. Dann kommt er immer mit einer langen Liste mit Kosmetikwünschen ins Geschäft. Einmal sagte er: "So einen Laden gibt es nur einmal auf der Welt und der ist in Annaberg." Auch Stammkunden, die das Erzgebirge verlassen haben, bitten um die Informations-Broschüren der Parfümerie und bestellen ihre Favoriten per Telefon oder E-Mail.

2019 kann die Parfümerie auf 20 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Für dieses Jubiläum gibt es schon einige Ideen, die noch nicht verraten werden. Doch was ist das Besondere an einem Duft? Carmen Hickmann: "Was du bist, was du sein willst, spiegelt dein Parfüm wieder ..."

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