Warum ein Erzgebirger den Vögeln hinterher fliegt

Der Ehrenfriedersdorfer Roy Schubert ist Zootierpfleger. Kürzlich verschlug es den 26-Jährigen ins ferne Indonesien. Von dort bringt er auch einen Appell an die Menschen in der Heimat mit.

Ehrenfriedersdorf.

Roy Schubert versteht sich auf gefiederte Prinzessinnen. Doch nicht nur für die aus der Gattung der Prachtfinken stammende Papageiamadine schlägt sein Herz. Auch jenen Federtieren wie der Java-Buschelster oder dem Java-Brillenvogel gehört sein beruflicher Sachverstand. Und der Ehrenfriedersdorfer Zootierpfleger fliegt den Piepmätzen sogar hinterher. Für den 26-jährigen Erzgebirger endete im zurückliegenden Sommer ein 18-monatiges Engagement im fernen Indonesien. "In Ostjava habe ich an einem Artenschutzprojekt teilgenommen. In Nähe der zweitgrößten Stadt des Landes namens Surabaya unterhält eine internationale Initiative eine Basis für Vögel, die sich einheimischer bedrohter, stark bedrohter und in freier Wildbahn ausgestorbener Arten annimmt", so Roy Schubert. Die im nicht öffentlichen Bereich eines Safariparkes angesiedelte Forschungs- und Schutzstation werde wissenschaftlich und wirtschaftlich von Initiativen aus 20 Ländern der Welt, darunter der Bundesrepublik, betreut.

"Unter der Leitung eines auch aus Deutschland stammenden Chefs arbeitete ich dort zusammen mit vier heimischen Mitarbeitern und einer Kollegin aus Leipzig", so Schubert. In der Station war der Erzgebirger für 250 Vögel in 23 Arten verantwortlich. In diesem Engagement sah er seinen Wunsch verwirklicht, einmal etwas Richtiges für den Artenschutz zu bewegen.

Roy Schubert verweist darauf, dass es für Außenstehende erstaunlich sein mag, im fernen Osten eine solche Einrichtung zu betreiben. "Doch um den Artenreichtum ist es vor Ort immer schlechter bestellt", so der Fachmann. "Zum einen gilt der Besitz bestimmter Vögel für die Einheimischen als Statussymbol. Vogelfang ist Hobbysport. Zum zweiten ist es nicht unüblich, ein Federtier statt wie bei uns einen Blumenstrauß zu verschenken. Und: Gesangswettbewerbe genießen große Popularität. Wer gut trällert, sichert dem Besitzer hohe Prämien."

Insofern habe sich ein Wirtschaftszweig etabliert, der professionell mit Vögeln handelt. "Insofern haben wir beispielsweise regelmäßig den Markt studiert, das Internet durchforstet, um bestimmte Modevögel zu erkennen. Erlangten bestimmte Arten auf einmal große Nachfrage, begannen wir, Exemplare jener zu sichern. Denn Ziel ist es, auf Basis spezieller Programme diese Arten zu erhalten, deren Nachzucht zu organisieren und perspektivisch das Auswildern vorzubereiten."

Roy Schubert nennt stellvertretend den Schwarzflügelstar. "In den 1990er-Jahren zählte man in Indonesien etwa 1,2 Milliarden Exemplare, zehn Jahre später war er in freier Wildbahn ausgestorben." Die Denkweise der Einheimischen sei so angelegt: "Der Piepmatz fliegt vor meiner Tür, also ist er doch da, warum also nicht fangen?" Insofern gehöre auch die Aufklärung und Information der Bevölkerung zu den Aufgaben der Naturschutzinteressierten. "Erschreckend ist dabei der Lebensraumverlust der Vögel. Wälder verschwinden in Größenordnungen, um Palmöl, Holz und Braunkohle zu gewinnen. Die fliegenden Leichtgewichte habe da keine Lobby." Dabei appelliert der Experte genauso eindringlich an die deutschen Verbraucher: "Verzichtet auf Palmöl, auch wegen hiesiger Kunden wird der Naturraum der fernen Vogelwelt beschnitten."

Für den unterdessen weit gereisten Sachsen war dieser Aufenthalt die bislang wichtigste und interessante Station seines Berufslebens. "Nach Abschluss der Mittelschule stand für mich fest, keinen Bürojob anzustreben, sondern mit Tieren zu arbeiten." Als gehörige Portion Glück bezeichnet er es, 2010 zu zwei Azubis zu gehören, die sich unter 200 Bewerbern im Waldzoo Gera durchsetzen konnten. Sehr gute Ergebnisse in Mathe und Bio seien genauso gefragt gewesen wie in Englisch. Von der Pike auf erlernt er den Beruf des Facharbeiters für Tierpflege, Fachbereich Zoo.

Im Wechsel zwischen der Lehreinrichtung Gera und dem Praktikumszoo Leipzig wird theoretisches Rüstzeug an der Berliner Berufsschule vermittelt. "Dabei durchlief ich alle Zoo-Bereiche, auch die der Raubkatzen und Fische. Schon bald war klar, dass mich Vögel begeistern." Im Zoo Rostock war er dann vier Jahre im Vogelrevier tätig, betreute im Tropenhaus Singvögel, aber auch Faultiere und Krokodile. "Mir geht es am allerwenigstens ums Streicheln von Modetierarten wie Löwen. Vögel sind nicht piepslich. Da ist eine Menge Knowhow gefragt, um die Zucht zu sichern. Und da muss an mancher Stellschraube, etwa der Temperatur oder dem Futter, gedreht werden", erklärt der Ehrenfriedersdorfer. Diese Herausforderung sucht er jetzt im Leipziger Zoo, wo Roy Schubert seine nächste Berufsstation einlegt.

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