Weihnachtliche Tauschaktion

Jeder Räuchermann hat seine eigene Geschichte - auch wenn sie nicht mehr geliebt werden. In Cranzahl haben sie sogar ihr eigenes Museum.

Cranzahl.

Irgendwie kennt das ja wohl jeder: Irgendwo auf dem Boden oder im Keller befindet sich ein Räuchermann, der nie aufgestellt wird. Er passt nicht zur Farbe der sonstigen Weihnachtsdekoration, hat einen kaputten Arm oder hat einfach noch nie gefallen. Doch zum Wegwerfen ist er viel zu schade. Wenn es doch jemanden gäbe, der den alten Räuchermann zu schätzen weiß. In Cranzahl bei der Firma Kunstgewerbe Lenk & Sohn liebt man diese alten "Nasen", denn das Familienunternehmen hat das 1. Räuchermann-Museum und mit mehr als 2500 Stück vielleicht die größte Räuchermannsammlung der Welt. Damit immer neue Modelle dazukommen, hatten die Lenks am vergangenen Samstag zum Räuchermännchentausch eingeladen. Wer einen alten brachte, durfte ein neues Holzmännchen aus eigener Produktion mitnehmen. "Natürlich nehmen wir auch die aus den Heimwerkstätten", sagte Bernd Lenk, der im vergangenen Jahr die Firma an die nächste Generation übergeben hat. Und schon wurde ihm ein solcher Räuchermann über den Tisch geschoben. Ihren Namen wollte die Frau nicht verraten, weil der Räuchermann ein Geschenk einer lieben Kollegin war. "Aber er passt doch nicht in meine Sammlung", sagte sie schon fast entschuldigend.

Einen Türken der Firma Expertic aus Seiffen, was ein Schildchen unter dem Sockel noch verriet, brachte Monika Herold aus Cunersdorf. "Ich freue mich das ganze Jahr darauf, das Flair ist hier so wunderschön." Schon zum zweiten Mal habe sie einen alten Räuchermann gebracht und dafür einen neuen erhalten. "Ich trenne mich schweren Herzens davon." Als Eva-Maria Lenk, die Frau von Bernd Lenk, den Türken sah, blitzte es in ihren Augen. "Ich sammle Türken, Ägypter - habe schon früher gern Märchen aus 1000 und einer Nacht gelesen", erzählte sie. Etwa 20 Räuchermänner zu dieser Thematik habe sie mittlerweile in ihrer privaten Sammlung.

Zu den Gästen des Tauschtages gehörte auch Rolf Holland-Moritz aus Hannover. Er ist bekennender Erzgebirgsfan, hat sogar eine Zweitwohnung in Seiffen. Einen Schäfer, den er nach eigener Aussage recht günstig auf dem Flohmarkt entdeckt hat, brachte er nach Cranzahl. Einen Lehrer Lämpel gleich noch mit dazu. Da er zu Hause Jäger und Nachtwächter sammelt, nahm er sich dafür einen Jäger mit.

Die Geschichte von Marion Grummets räuchernden Clown verblüffte. "Früher gab es ja nichts, also musste man sich anstellen und das habe ich gemacht. Da bekam ich einen Karton, ohne zu wissen, was drin ist und mit dem bin ich nach Hause." Der Clown, der ihr zu Hause schließlich aus dem Kunstgewerbekarton entgegen lächelte, war aber eigentlich sogar nicht nach ihrem Geschmack - zu schade aber, ihn wegzutun. Nun fand er seinen Weg nach Cranzahl und wurde gegen eine Wackelfigur ausgetauscht. Ihr Enkelsohn Eric Wienhold aus Crottendorf brachte einen gedrechselten und holzfarbenen Türken und nahm sich einen farbigen Schaffner dafür mit nach Hause. "Ich sammle für meine eigene Wohnung", sagte der Zwölfjährige lächelnd.

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