Zirkusträumereien im historischen Zelt

Das Musikfest Erzgebirge setzt sich in diesem Jahr hehre Ziele. Ab heute will es Träume zaubern: mit Nachtmusiken, Schumanniaden, Wechselchören und Artisten.

Annaberg-Buchholz.

Beschwingt hüpft eine junge Dame durch die Manege. Grazil schwingt sie einen roten Fächer. Sie tanzt, sie springt, sie strahlt. Die Musik tut es ihr nach. Leichtigkeit liegt in der Luft, durchdringt das Zelt mit seinen verspiegelten Wänden, seinen Möbeln und Nischen aus dunklem Holz, seinem purpursamtenen Baldachin. Magisch. Aber eine Täuschung. Leicht ist nichts von alledem. Denn hinter dem Zirkuszauber, der ab heute Abend im Zirkuszelt auf dem Annaberger Marktplatz zu erleben ist, verbergen sich künstlerische Hingabe, musikalisches Können und sehr viel Vorbereitung und Arbeit. Die tänzelnde Dame turnt nämlich nicht etwa auf dem Boden, sondern mit gekonnter Waghalsigkeit auf einem Seil über den Köpfen der Zuschauer, die Musiker stehen live auf einer Bühne und spielen Melodien großer barocker Komponisten und all das spielt in einem Zirkuszelt aus den 20er Jahren. Mitten in Annaberg-Buchholz. Warum? Das Musikfest Erzgebirge macht es möglich.

In diesem Jahr findet nämlich nicht nur der gewohnte Konzertreigen in der Region statt, nein, die Organisatoren wollten ihren Gästen diesmal ein Erlebnis für alle Sinne bieten. Mit einem Zirkusprogramm. Dort soll sich barocke Musik, live gespielt vom Ensemble "La Folia" mit Artistik vermählen und ein Gesamtkunstwerk bieten.

Die Regie übernimmt Tim Schneider, Absolvent der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik. Er ist außerdem einer der Initiatoren des Vereins Netzwerk Zirkus und verfügt über ein umfangreiches Netzwerk von Künstlern, die ins Programm passen.

"Er wurde von Oliver Geisler, dem Dramaturgen des Musikfestes, gefragt, ob er nicht einen barocken Zirkus nachempfinden wolle", erzählt Pressesprecher Martin Morgenstern. Und Tim Schneider stellte sich der Herausforderung. Das historische Zelt wurde aus Belgien geordert, von dort aus wird es für derartige Veranstaltungen immer wieder an Veranstalter verliehen. Danach wurden sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, um das Zirkuserlebnis so detailgetreu wie möglich zu gestalten. Schneider holte außerdem ausgewählte Artisten ins Programm. Darunter Seiltänzer, Jongleure, Flaschentänzer und viele mehr. "Ich habe den Eindruck, dass er sich dabei eher für sinnliche und beseelte Acts entschieden hat", sagt Morgenstern. Gewählt wurden vor allem historische Beiträge, solche, die zur Musik und zur Entstehungszeit des modernen Zirkus passen. Die Kunstform entstand nämlich im Jahre 1768, als der britische Offizier Philip Astley in London eine Reitschule eröffnete, in der er neben Dressurstücken schon bald artistische und komödiantische Kunststücke dem neugierigen Publikum zeigte. Und welche Musik das Publikum damals auf die Ohren bekam, ist schwer zu erraten. Gehalten wurde es damals wie heute, nur das Ende des 18 Jahrhunderts andere Stücke bekannt waren als heute.

Und ebendiese "Hits" des Barock spielt das Ensemble "La Folia" unter der musikalischen Leitung von Robin Peter Müller nun erneut während der Vorstellung. Eine Entscheidung, die funktioniert. Denn, wie sich die "Freie Presse" gestern schon während der Proben überzeugen konnte, harmonieren Musiker und Artisten perfekt miteinander und das historische, üppig ausgestattete Zelt gibt dem Geschehen einen würdigen Rahmen. Heute Abend soll es dann um 19.30 Uhr so weit sein: Die "Barocken Circusträume" feiern ihre Premiere. Und Gäste, die seit Tagen Melodien aus dem Inneren des Zeltes dringen hören und Künstler und Handwerker daran arbeiten sehen, können endlich das Gesamtkunstwerk genießen. Danach werden übrigens noch bis Dienstag täglich eine bis zwei Vorstellungen geboten.


Aus dem Programm

Das Musikfest Erzgebirge umfasst in diesem Jahr insgesamt 13 Konzerte an verschiedenen Orten im Erzgebirge. Dazu kommt noch das Sonderprojekt "Barocke Circusträume". "Es ist eine Herausforderung, da sich so unsere Veranstaltungskapazitäten verdoppeln", sagt Martin Morgenstern. Das Musikfest beginnt heute und endet am 16. September.Das Motto in diesem Jahr: "Träume".

Eröffnung: Während sich im Zirkus schon heute erstmals Gäste um die Manege herum versammeln, wird das eigentliche Festival erst morgen eröffnet. Und zwar in der St. Martinskirche in Zschopau. Der Abend widmet sich royalen Träumereien mit Stücken von Johann Sebastian Bach und Johann Adolf Hasse. Das Konzert wird live bei MDR Kultur und MDR Klassik übertragen.

Wechselgesang: Die Lieder aus historischen Annaberger Chorbüchern werden nicht allein gesungen, sondern im Wechsel zwischen Pfarrer und Gemeinde. Am 9. September wird in der St. Annen-Kirche daraus ein Spektakel aus neuer und alter Musik, einem Barockensemble und Lettischen Sängern gestaltet.

Schumanniade: Robert Schumann ist nicht nur der Stadt Zwickau verbunden, sondern auch mit Schneeberg eng verknüpft. "Er hatte dort seinen persönlichen Sehnsuchtsort", erzählt Dramaturg Oliver Geisler. Auch einige von Schumanns Werken, wurden dort verfasst. Daher findet am 14. September in der Schneeberger Hospitalkirche ein Liederabend mit Schumans Werken statt.

www.musikfest-erzgebirge.de

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