Adventszeit sorgt schon jetzt für Diskussionsstoff

Um Kundenströme zu entzerren, würde der FDP-Kreisvorstand Weihnachtsmärkte gern früher öffnen. Die Veranstalter sind skeptisch.

Aue/Schwarzenberg.

Vom heutigen Johannistag an sind es noch genau sechs Monate bis Weihnachten. Obwohl ein halbes Jahr zunächst als viel Zeit erscheinen mag, rückt das Fest wegen der Corona-Pandemie schon jetzt in den Fokus. Und zwar mit einem Vorschlag des FDP-Kreisverbandes Erzgebirge, der für einen früheren Beginn der Weihnachtsmärkte wirbt.

Die Märkte sollten mit Einverständnis der zuständigen Kommunen in diesem Jahr schon zwei Wochen früher beginnen, sagt die Kreisverbandsvorsitzende Ulrike Harzer. Statt Absagen mit digitalem Ersatz zu kompensieren, halten sie und ihre Parteikollegen ein passendes Hygiene-Konzept unter freiem Himmel für realisierbar. "Dass hier eine verbindliche Zusage fehlt, ist völlig unverständlich, da die Märkte an frischer Luft und somit ungefährlicher sind als eine Fahrt mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln", kritisiert Ulrike Harzer die Landesregierung. Holzkunstherstellern, Gastronomen, Reiseveranstaltern und Künstlern könne so zumindest "ein geringer Ausgleich für entstandene Verluste" geboten werden. Als gut gemeint, aber nicht realisierbar schätzen Veranstalter großer Weihnachtsmärkte den Vorschlag ein. Märkte, die sich schon bisher über alle Adventswochenenden erstrecken, sollten demnach nicht früher beginnen.

"Das entspricht nicht unserer Kultur und der Tradition", sagt Franziska Herzig. Die Annaberger Fachbereichsleiterin für Kultur, Tourismus und Marketing ist für den Weihnachtsmarkt in der Kreishauptstadt zuständig. Eine Verlängerung würde ihren Worten nach mehr Aufwand und höhere Kosten für die Händler bedeuten. Außerdem erwarte sie Touristen erst in der Adventszeit. Wie der FDP-Kreisverband sieht auch Franziska Herzig Dresden am Zug: "Ein Konzept können wir erst erstellen, wenn wir die Rahmenbedingungen kennen."

Auch in Schneeberg soll das Konzept traditionell bleiben. "Mit dreieinhalb Wochen ist unser Weihnachtsmarkt schon relativ lang", sagt Marktmeister Stefan Unger. Vorher sei das Adventsfeeling noch nicht da. Auch der zeitliche Abstand zur großen Einkaufsnacht am 6. November soll gewahrt bleiben. Eine Verlängerung für kleinere Weihnachtsmärkte hält er dagegen für eine Option. Darüber sollte von Fall zu Fall entschieden werden, meint Frederic Günther. Von der Landesregierung verspricht sich der Geschäftsführer des Verbandes der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller indes ein positives Signal. Schließlich ließen sich die Märkte wegen des Freiluftcharakters und der Menschenbewegung nicht pauschal als Großveranstaltung einstufen. Ein Bekenntnis sei für die Kunsthandwerker wichtig, denn die müssen schon jetzt die Waren für die Adventszeit produzieren. Selbst im Fall einer generellen Absage ließe sich so besser planen.

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