Auer Postplatz soll grüne Oase werden

Nachdem Drogendealer und Trinker das Areal bei einigen Bürgern in Verruf gebracht haben, will die Stadtverwaltung nun Geld für eine Schönheitskur ausgeben. Das halten nicht alle für eine gute Idee.

Aue-Bad Schlema.

Drogengeschäfte und Alkoholmissbrauch auf dem Auer Postplatz haben die Polizei in der Vergangenheit immer wieder beschäftigt. Manche Bürger hielten es deshalb zuletzt sogar für ratsam, die Bushaltestellen dort in den Abendstunden besser komplett zu meiden. Nun plant die Stadtverwaltung, den Platz deutlich aufzuwerten - mit einer Schönheitskur. Neue Pflanzen sollen ihn schon bald in eine grüne Oase verwandeln.

Nach Angaben der Stadtverwaltung ist das Grün auf dem Platz, das bei einem Umbau Mitte der 1990er-Jahre angelegt worden war, unansehnlich geworden. Neue Dachplatanen, saftig grüne Wiesen und geschwungene Staudenbeete sollen neuen Pep reinbringen. Auch die Heckenbereiche würden umgestaltet, heißt es. Zugleich bekommen die Buswartehäuschen einen neuen Farbanstrich. Mit den jüngsten Debatten um die Sicherheit auf dem Platz habe die Investition jedoch nichts zu tun, sagt Stadtsprecherin Jana Hecker.


Der Stadtrat stimmte dem Bauprojekt in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich zu - allerdings erst nach einer langen Debatte über Sinn und Unsinn der geplanten Maßnahme. Denn durchgeführt werden sollen die Arbeiten in diesem Jahr. Zum Tag der Sachsen im September 2020, warnte der Bauamtsleiter Immo Rother, sehe der Postplatz deshalb vermutlich deutlich schlechter aus als heute. Denn die neuen Pflanzen und Bäume müssten erst anwachsen; das dauere ein bis zwei Jahre. Er erklärte dazu: "Es wird karg aussehen." Zudem sei zunächst eine Art Behelfszaun um die Beete nötig, damit keiner "reintapst."

Stadtrat Mario Heydel (Freie Wähler) sprach deshalb von einer drohenden "Verschlimmbesserung" und mahnte, keinen Schnellschuss zu machen. "Wir sollten die Bepflanzung nach dem Tag der Sachsen angehen", forderte er.

Das Abwarten hätte aus Sicht der Stadtverwaltung aber unangenehme Konsequenzen: Die Kommune müsste mehr Geld aus eigener Tasche bezahlen. Geplant ist nämlich bislang, die Schönheitskur - für die gut 45.000 Euro anfallen - zu einem großen Teil aus Fördermitteln des Freistaats für den Tag der Sachsen zu bezahlen. Dafür muss das Bauprojekt jedoch vor dem Fest abgeschlossen sein - so lautet eine der Bedingungen. Heißt umgekehrt: Wird das neue Grün erst 2021 gepflanzt, kann die Stadt nicht auf die Fördermittel zurückgreifen.

Beatrice Meichßner (Freie Wähler) warb deshalb dafür, mit dem Geld lieber gleich ganz andere Bauprojekte zu finanzieren, so die Stadt insgesamt grüner zu gestalten. Denn die Bepflanzung des Postplatzes sei "nicht so, dass man nicht hingucken kann." Ähnlich äußerte sich Tobias Andrä (Aldu): "Das Problem des Postplatzes ist nicht die Bepflanzung, sondern das Klientel." Er forderte, das Geld stattdessen in Bad Schlema einzusetzen und damit den alten Bahnhof auf Vordermann zu bringen. "Dann müssen wir das Gebäude vielleicht nicht verhüllen."

Andräs Idee lehnte der Amtsverweser und Übergangsstadtchef Steffen Möckel allerdings ab: Ein Umbau des Bahnhofs sei in der Kürze der Zeit nicht machbar. Und für Bad Schlema gebe es außerdem eine eigene Liste mit Bauprojekten, die aus den Fördermitteln für den Sachsentag finanziert werden sollen. Darauf stehen etwa der Musikbrunnen und der Platz vor dem Haupteingang zum Kurpark, die die Kommune auf Vordermann bringen will.

Für die Neugestaltung des Grüns auf dem Postplatz sprach sich schließlich Hans Beck (CDU) aus: "Es muss etwas gemacht werden. Keiner hat gesagt, dass der Postplatz toll ist." In Richtung der Kritiker erklärte er, über die geplante Bepflanzung zu meckern, sei "schäbig". Fachleute hätten sich schließlich darüber Gedanken gemacht.

Am Ende stimmte eine große Mehrheit der Räte für den Umbau. Sie folgten damit einem Votum des Stadtentwicklungsausschusses.


Kommentar: Sinn fraglich

Das Land gibt Aue-Bad Schlema eine Finanzspritze für den Tag der Sachsen. Und was macht die Stadt? Nutzt das Geld, um die Beete auf dem Postplatz umzugraben, damit das Areal zum Volksfest noch "schlimmer" als heute aussieht. Der Sinn: fraglich. Zumal das Grün nicht wirklich unansehnlich scheint. Spielgeräte für Kinder, Veranstaltungen auf dem Platz, vielleicht sogar Überwachungskameras - das wären wirklich sinnvolle Investitionen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...