Ausstellung erinnert an letzte Kriegsjahre

Im Museum Schönheide sollte am 11. April eine Sonderschau eröffnet werden, die des Endes des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren gedenkt. Nun ist die Eröffnung an einem noch passenderen Datum geplant - am 8. Mai.

Schönheide.

In einer exakten Marschlinie laufen Wehrmachtssoldaten auf einer Straße irgendwo im Erzgebirge, wahrscheinlich zum Ende des 2. Weltkrieges. Dass es in Richtung Aufgabe und Gefangenschaft geht, kann man nur vermuten und vielleicht auch daraus schließen, dass die beiden Männer an der Spitze - einer ist offenbar höheren Dienstgrades und geht auf nur noch einem Bein an Krücken - unbewaffnet sind. Andreas Schubert vom Heimat- und Geschichtsverein Schönheide glaubt, das Foto wurde auf dem Weg von Carlsfeld nach Wilzschhaus aufgenommen. Die Gegend gehört zu jenem etwa 2000 Quadratkilometer großen Gebiet, das nach dem Zweiten Weltkrieg für 42 Tage unbesetzt blieb. "Es bot sich ein idealer Korridor für die Einheiten, die sich in amerikanische Kriegsgefangenschaft begeben wollten - in russische wollte niemand", so Schubert.

An die Tage zwischen 1944 und 1946 erinnert eine Sonderausstellung im Bürsten- und Heimatmuseum Schönheide. Eigentlich sollte sie schon am 11. April eröffnet werden. Jetzt hofft man darauf, dass nächstes Wochenende die Eröffnung erfolgen kann. "Ich bin da optimistisch", sagt Schubert. Für ihn wäre es keine große Sache, die hygienischen Bestimmungen und Sicherheitsforderungen im Museum durchzusetzen. Was in den Vitrinen zu sehen ist, hat hauptsächlich Bezug auf Schönheide, geht aber auch über den Ort hinaus, weil die Bestimmungen, zum Beispiel zum Luftschutz, ja für alle in Deutschland ums Kriegsende herum Gültigkeit hatten. Oder die Notproduktion nach dem Krieg, als beispielsweise aus dem Material Igelit Schuhe gefertigt wurden.

Schönheide steht aber auch für besondere Geschichten aus jener Zeit. So hatten sich in das unbesetzte Gebiet einige kleinere Wehrmachtsverbände zurückgezogen. "Mit Volkssturm und Hitlerjugend haben die versucht, hier noch den Krieg zu gewinnen", berichtet Schubert. Die Deutschen lieferten sich Scharmützel mit Amerikanern, die auf ihren Erkundungsfahrten aus den von ihnen besetzten Gebieten auch nach Schönheide kamen. Am 5. Mai 1945 soll es noch eine Offensive Richtung Vogtland gegeben haben, auf die die Amerikaner am 6. Mai mit einer Artillerie-Offensive antworteten. Eine Granate habe vier Schönheider Jungs getötet.

Eine andere dramatische Geschichte ist mit den Todesmärschen von KZ-Häftlingen verbunden, die auch durch Schönheide führten. Überliefert ist, dass eine Gruppe auf dem Sportplatz im Ort kampierte und da entkräftete Menschen erschossen worden sind. Die Toten wurden später auf den Friedhof Schönheide gebracht. Am dortigen Denkmal wollen Andreas Schubert und Amtsverweser Eberhard Mädler am 8. Mai einen Kranz niederlegen. "Keine öffentliche Veranstaltung", betont Mädler. In dem Grab hatte auch ein amerikanischer Soldat seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er bei einer Streifenfahrt durch Schönheide erschossen worden war. Später sind die sterblichen Überreste in einer groß angelegten Rückholaktion der US-Armee in die Heimat überführt worden.

Viele Fotos gibt es aus jener Zeit nicht. "Die Zivilbevölkerung hat sich nicht getraut zu fotografieren, allerdings gibt es Bilddokumente von den Amerikanern", so Schubert. In der Sonderausstellung überwiegen aber die Texte und Dokumente. "Darauf muss man sich einlassen und einfach etwas mehr Zeit als sonst mitbringen."

Anliegen der Sonderschau ist es laut Schubert, die Ereignisse von vor 75 Jahren ins Gedächtnis zu rufen. "Die Informationen darüber sind wie ein Flickenteppich, vieles ist Jahre von den Einheimischen unter den Teppich gekehrt worden. 1500 bis 1600 Häftlinge müssen auf dem Sportplatz in Schönheide auf ihrem Todesmarsch angekommen sein. Klar, dass die Leute das mitbekommen haben. Geredet wurde darüber aber nie." Es gibt heute Menschen, die sich mit den Recherchen dazu beschäftigen, wie Christine Schmidt aus Breitenbrunn. Ihre Ergebnisse bereichern die Ausstellung.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.