Beier zeigt in Leipzig Fundstücke seines Lebens

Eingesperrt zu sein, das ist eine prägende Erfahrung. Sie verändert nicht nur die aktuelle Sichtweise, sondern auch die Erinnerung.

Schwarzenberg.

"Worthaft - Bildhaft" lautet der Titel einer Ausstellung, die am heutigen Donnerstag in der "Galerie Sued" in Leipzig eröffnet wird. Drei Künstler, darunter der Schwarzenberger Holzgestalter Jörg Beier, zeigen "Kunst politischer Gefangener". Denn alle drei Aussteller - Jörg Beier, Andreas Reimann und Gabriele Stötzer - eint die Erfahrung, inhaftiert gewesen zu sein. Doch ihre Worte, ihre Bilder ließen sich nicht in Haft nehmen. Reimann saß - ebenso wie Beier wegen "staatsfeindlicher Hetze" - in Cottbus ein, und Stötzer - wegen der Unterstützung von Aktionen gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns - im Frauengefängnis Hoheneck.

"Worthaft - Bildhaft" sollen die Einträge in ein Poesiealbum der Erinnerungen sein, die sie ausstellen. Der Schwarzenberger Holzgestalter hat dafür Fundstücke aus seinem Leben in Holzkisten gepackt. Denn wer hat sie nicht, jene kleinen Schachteln oder Kästchen, in denen man Bruchstücke oder liebenswerte Details der Vergangenheit aufbewahrt. Sachen, die Erinnerungswert haben. Dinge, die, wenn man sie wieder in Händen hält, Geschichte und Geschichten lebendig werden lassen. Bei den meisten Menschen werden das Kleinigkeiten sein, die an wundervolle Momente im Leben erinnern.

Nun ist Jörg Beier aber ein Mann der großen Kunst. Seine markanten Engel passen nicht in kleine Kisten. Dennoch musste sich der Schwarzenberger für diese Ausstellung etwas Kleineres einfallen lassen, wie er sagt. "Die Galerie ist nicht groß", sagt Beier. Ganz im Gegensatz zum Schatz seiner Erinnerungen.

"Mich haben schon immer alte Buckelbergwerke fasziniert", sagt Beier und begründet so die Idee der Umsetzung. Kleine, dunkle Kisten, in denen viel passiert. Genau das inspirierte ihn für seine Fundstücke des Lebens. In ihnen ist zwar keine Mechanik verbaut, um die Dinge beweglich zu machen. Bewegen sollen die Inhalte den Geist des Betrachters. Die Deutung des Inhalts bleibt demnach Ansichtssache. So finden sich auch Briefe in den Kisten. Briefe seiner Eltern, die ihn die Zeit im Gefängnis überstehen ließen. Oder Bücher - schließlich laufe im Zeitraum der Ausstellung gerade auch die Buchmesse in Leipzig.

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