Bergmanns-Würde in Beton: Der Gigant von Alberoda hat überlebt

Siegfried Woidtke aus Aue kämpfte viele Jahre vergebens für ein Bergmanns-Denkmal in seiner Heimatstadt. Jetzt hatte er mit einem anderen Projekt Erfolg: Die Wismut hat die Hauer-Skulptur von Schacht 366 restauriert.

Aue-Bad Schlema.

Plötzlich fällt es ins Auge: Ein Bergmannsdenkmal aus hellem Beton, das auf dem Gelände des Wismut-Schachts 371 in Hartenstein steht. Es stellt einen Hauer dar, wie er in den 1950er-Jahren ausgesehen hat. Der im Vergleich zu späteren Zeiten etwas schlankere Helm, die Kopflampe mit schwerer Batterie am Gürtel, Gummistiefel, Erzhammer. Neu ist das Denkmal nicht. Es ist so alt wie die Ausstattung des Bergmanns es vermuten lässt, reichlich 60 Jahre. Dass es erst heute auffällt, hat einen Grund: Jahrelang stand die 3,20 Meter hohe Betonfigur halb verborgen hinter Birken. Moos, Flechten und Schmutz wirkten wie eine Tarnung.

Jetzt hat die Wismut den Riesenbergmann wieder ins Blickfeld gerückt, ihn für rund 6000 Euro restauriert. Geschehen ist das auf Initiative des Auer Bergbauforschers Siegfried Woidtke (72) hin. Dem war der wie verschämt versteckte Bergmann bei einem Besuch auf dem Schachtgelände aufgefallen. Er schrieb an die Wismut-Geschäftsführung, telefonierte, drängelte, ließ nicht locker. "Der Siegfried hat uns aus unserer Betriebsblindheit gerissen", sagt Olaf Wallner (56), oberster Markscheider am Wismut-Standort Aue-Alberoda.

Das Denkmal stand ursprünglich am Eingang des Schachtes 366 in Alberoda, der heute unter renaturierten Halden am Auer Autobahnzubringer verschüttet liegt. Bergleute hatten die Figur um 1957 in Eigeninitiative gegossen. "Das Kabel der Kopflampe besteht aus dem Kupfer einer Oberleitung, die E-Loks unter Tage brauchten", hat Woidtke von Zeitzeugen erfahren. "Die Gesichtszüge ähneln denen des damaligen Streckenbrigadiers Ernst Schablack. Deshalb hieß das Denkmal bei den Kumpeln nur ,der Schablack'."

1998, kurz vor dem Abriss von Schacht 366, hat die Wismut die Skulptur abbauen und auf dem Gelände des Hauptschachts 371 aufstellen lassen. Sogar ein neuer Sockel wurde gemauert. Aber dann begann der Zahn der Zeit am Beton zu nagen. Bei der jetzt erfolgten Restaurierung wurden Moos und Flechten entfernt, Risse verspachtelt, Konturen wiederhergestellt.

Für Siegfried Woidtke ist das Denkmal ein Wahrzeichen des Uranbergbaus. "Die Wismut hatte eine große weltpolitische Rolle und war der größte Arbeitgeber in der Region", sagt er. "Und der hier war für all das verantwortlich - der Bergmann stand an vorderster Front."

Jahrelang hat sich Woidtke dafür eingesetzt, dass den Wismut-Bergleuten ein Denkmal in Aue gesetzt wird. Stattdessen hat er jetzt entscheidend zur Rettung des letzten Wismut-Denkmals aus DDR-Zeiten beigetragen. "Auch diese Skulptur gehört zum Welterbe", sagt er.

Bei der Wismut sieht man das ähnlich. "Die Figur gehört zu unserer Kunstsammlung. Sie zu erhalten, ist unsere Pflicht", sagt Unternehmenssprecher Frank Wolf (58). Noch steht der Riese von Alberoda auf einem geschlossenen Betriebsgelände. In absehbarer Zeit soll sich das ändern. "Der Standort des ehemaligen Schachts 371 gehört zum Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge", so Wolf. "Perspektivisch wollen wir das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das dauert noch einige Jahre, aber es kommt."

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