Das Bad, das nie den Stöpsel zieht

Das Gesundheitsbad Actinon in Bad Schlema hat heute einen besonderen Jahrestag: Seit 7777 Tagen ist es ununterbrochen geöffnet.

Bad Schlema.

7777 Tage: Ein richtiges Jubiläum ist das nicht, dafür müsste die Zahl durch 100, 50, 25, 10 oder 5 teilbar sein. Vielleicht nennt man es besser ein Schnapsileum. Auf jeden Fall haben die Mitarbeiter des Gesundheitsbades Actinon in Bad Schlema heute einen Grund, gemeinsam anzustoßen. Seit dem 25. Oktober 1998 ist ihre Einrichtung ununterbrochen geöffnet. Kein Feiertag, keine Havarie, keine Grippewelle konnte das verhindern.

"Andere Bäder machen für einen oder zwei Tage zu, wenn eine Wartung ansteht. Unsere Techniker haben dafür gesorgt, dass es immer weiterging. Dafür sagen wir Danke", sagt Jens Müller, der langjährige Bürgermeister von Bad Schlema. In der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema ist er für Tourismus und damit auch wieder für das Actinon zuständig. Noch eine andere Konstante hält Müller für erwähnenswert: "Das Bad hat von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben. Das tut es bis heute, wenn auch die Besucherzahlen im Vergleich zu früher rückläufig sind."

Im vergangenen Jahr kamen 252.510 Badegäste nach Schlema. Die erste Steigerung seit Jahren. Um noch mehr Badegäste anzulocken, will die Kurgesellschaft 14 Millionen Euro ins Actinon pumpen. Im Frühjahr 2021, so der Plan, soll es losgehen. Neben der Erneuerung der Badewassertechnik werden vor allem frische Attraktionen gebaut, etwa ein Stark-Solebecken, ein Radontherapiebecken und ein Schwimmerbecken mit kühlerer Wassertemperatur. Die Bauarbeiten sollen weitere Rekorde wie 8888 oder 10.000 ununterbrochene Öffnungs-Tage nicht verhindern.

"Alle unsere Angebote bleiben in der Umbauphase erhalten, das Bad wird nie geschlossen", sagt Kurchefin Kathrin Bösecke-Spapens. Das gilt auch für den Tag der Sachsen Anfang September. Während des dreitägigen Volksfests in Aue war eine Pause im Actinon angedacht. Die ist inzwischen vom Tisch.

Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU), heute Aufsichtsratsvorsitzender der Kurgesellschaft, misst dem durch die Fusion mit Bad Schlema hinzugewonnenen Kurbetrieb einen hohen Stellenwert bei. "Mit 150 Arbeitsplätzen gehört die Kurgesellschaft zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Region", sagt er. "Allein das Bad hat weit mehr als sieben Millionen Gäste angezogen, im Kurmittelhaus wurden mehr als 1,2 Millionen therapeutische Anwendungen durchgeführt."

Die Sieben gilt als magische Zahl, märchenhaft ist sie obendrein: sieben Zwerge, sieben Schwaben, sieben Raben. Manchem gelingen Sieben auf einen Streich. In der Zahlenmystik gilt die 7777 als Zeichen, einen begonnenen Weg fortzusetzen. Klingt doch gut fürs Actinon.


Das Actinon in Zahlen

Das Gesundheitsbad Actinon hat eine Grundfläche von 3782 Quadratmetern und eine Wasserfläche von 650 Quadratmetern. Zur Badelandschaft gehören auch neun Saunen, darunter eine Kältesauna.

Das Wasser in den Becken ist zwischen 33 und 36 Grad warm. Die Wassertiefe liegt bei 1,35 Metern.

Rund acht Kilometer Rohrleitung sind allein für die Badewassertechnik verlegt worden. Hinzu kommen 9,5 Kilometer Rohre für die Sanitäranlagen. Zur Elektrik gehören 90 Schaltschränke, 90 Kilometer Strom- und 50 Kilometer Steuerungskabel.

Den Luftaustausch im Bad übernehmen 19 Lüftungsanlagen und 5 Kilometer Lüftungskanäle. Für den Betrieb von Whirlpools und Massage- düsen sowie für die Hygiene sorgen 95 Pumpen und zehn Gebläse.

Der jährliche Energieverbrauch des Bades lag zuletzt bei 11 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie sowie bei 2,8 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie.

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