Der bodenständige Seelsorger geht

Pfarrer Hans-Christian Moosdorf verlässt die Gemeinde Schönheide zu einem Zeitpunkt, da sie vor einer großen strukturellen Veränderung steht. Der 58-Jährige ist sich aber gewiss: Es ist die richtige Zeit zu gehen.

Schönheide.

Die Kirchgemeinde in Schönheide hat aktuell rund 1800 Mitglieder. Ins Verhältnis zur Einwohnerzahl von 4700 gesetzt, ist das viel. Dennoch ist unklar, ob in Zukunft ein Pfarrer in Schönheide ansässig sein wird. Das hat nicht allein mit dem Weggang von Hans-Christian Moosdorf Anfang August zu tun, sondern auch damit, dass Schönheide ab 1. Januar 2020 ein Schwesternkirchverhältnis mit Eibenstock, Stützengrün, Hundshübel, Sosa und Carlsfeld eingehen wird. Für die Region sind vier Pfarrstellen vorgesehen, absehbar ist, dass zwei zunächst unbesetzt bleiben.

Und so wünscht der 58-Jährige bei seinem Abschied der Schönheider Kirchgemeinde vor allem, dass die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden gut funktioniert, dass der Zusammenschluss für alle zum Gewinn wird und dass bald ein oder zwei neue Pfarrer in die Region kommen. Gleichwohl weiß er, dass der Gemeinde eine Vakanz bevorsteht, die bis zu zwei Jahre dauern kann. "Das wird eine Herausforderung für die Gemeinde." Mit dem Blick auf die Pfarrerliste von Schönheide, die ins 17. Jahrhundert zurückreicht, verweist Moosdorf darauf, dass kein Pfarrer länger als zwei Jahre im Ort blieb. Er selbst verrichtete seinen Dienst acht Jahre.


Sein Vorgänger war "im Zorn gegangen". "Der Kirchenvorstand konnte sich nicht mehr vorstellen, mit ihm zu arbeiten", beschreibt Moosdorf die Situation, die er bei seinem Amtsantritt in Schönheide vorfand. "Ich hatte damit zu tun, die Gemeinde wieder arbeitsfähig zu machen." Das ist ihm offenbar gut gelungen. "Es gibt in Schönheide heute eine Gruppe von sehr engagierten Gemeindegliedern, und die Gemeinde ist bereit, innovativ zu arbeiten", sagt der Pfarrer. Zu den engagierten Leuten gehört Kirchenvorstand Christian Leistner. Mit dem 33-Jährigen und weiteren engagierten Leuten hatte sich Moosdorf vor vier Jahren die Sanierung und Wiederbelebung der kleinen Kirche auf dem ehemaligen Schönheider Friedhof zum Ziel gesetzt. "Er wird uns fehlen, schließlich hat er sich mit vielen Dingen ausgekannt, gerade was den Bau und die Zusammenarbeit mit Ämtern angeht", sagt Leistner. "Ich habe ihn als bodenständigen Menschen schätzen gelernt." Weil es für diese entwidmete Kirche keine finanziellen Zuschüsse von der Landeskirche gibt, können die Arbeiten nur mir Spenden und Eigenmitteln der Kirchgemeinde sowie Fördermitteln vom Denkmalschutz bezahlt werden. Deshalb geht die Sanierung nur in kleinen Schritten voran. Ihre Vollendung kann Moosdorf also nur aus der Ferne verfolgen. Er wünscht sich, dass gemeinsam mit der Gemeinde Schönheide ein Nutzungskonzept für das Gebäude gefunden wird.

Für einen Pfarrer sei es üblich, sich nach zehn Jahren eine neue Stelle zu suchen. Länger zu bleiben, tue einer Gemeinde in der Regel nicht gut. Moosdorf entschied sich jetzt für den Weggang, weil es sonst für ihn mit über 60 noch schwieriger geworden wäre. Vom Erzgebirgsdorf wechselt Moosdorf in eine Gemeinde im Leipziger Stadtteil Reudnitz, wo die Integration ausländischer Mitbürger zu seinem Aufgabenspektrum gehört.

In Schönheide hat es laut Moosdorf immer eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, der Feuerwehr oder Vereinen gegeben. "Das werde ich wohl ein wenig vermissen, denn in der Stadt wird das so sicher nicht gegeben sein." Mit dem Weggang von Moosdorf wird das kleine Gebäude hinterm Schönheider Rathaus, das fürs Pfarramt gemietet wurde, von der Kirche aufgegeben. Über seine zukünftige Nutzung ist laut Amtsverweser Eberhard Mädler noch nicht entschieden.

Moosdorf zieht mit seiner Frau Sigrid nach Leipzig um. Ihre drei gemeinsamen Kinder und Moosdorfs Sohn aus erster Ehe sind schon erwachsen und leben in verschiedenen Gegenden Deutschlands. Am 4. August findet der Abschiedsgottesdienst für Moosdorf statt.

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