Die Tücke mit der Lücke

Mit dem Abriss der alten Papierhülsenfabrik wollte Bad Schlema Platz für neue Häuser schaffen. Doch aus diesem Plan wird erst einmal nichts.

Bad Schlema.

Keine Pleite, aber jede Menge Pech: So lässt sich der Abriss der alten Papierhülsenfabrik in Bad Schlema beschreiben. Nachdem Bagger Anfang des Jahres im Kellergeschoss überraschend auf ein Fass mit Altöl gestoßen waren, zeichnet sich nun die nächste Verzögerung ab. Denn anders als geplant, wird die Gemeinde das inzwischen unbebaute Grundstück am Kohlweg in den nächsten Jahren wohl nicht als Bauland für zwei Mehrfamilienhäuser nutzen können. Das berichtete Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Grund ist eine Klausel im Zuwendungsbescheid für die Fördermittel. Für die gut 80.000 Euro, die die Gemeinde für den Abriss erhielt, gilt demnach eine Zweckbindung über fünf Jahre. Heißt: Die nächsten fünf Jahre darf die Gemeinde die Brache nicht anrühren, andernfalls müsste sie einen Teil der Fördermittel zurückzahlen - es ist die Tücke mit der Baulücke.

Für das Rathaus kommt diese "kleine Hiobsbotschaft", wie Müller sagte, völlig überraschend. Laut Baumamtsmitarbeiterin Elke Raupach war von einer Zweckbindung bisher nämlich nie die Rede gewesen. Bliebe es dabei, muss die Gemeinde das Areal erst einmal als große Grünfläche erhalten.

Für die Gemeinde ist es das zweite Ärgernis innerhalb weniger Wochen. Vor kurzem waren Bauarbeiter beim Abriss des Gebäudes im Untergrund auf einen bislang unbekannten Keller gestoßen, in dem ein Tank mit rund 3000 Litern Altöl lagerte; zudem waren Ölrückstände auf dem Boden gefunden worden. Doppeltes Pech: Weil das Altöl - eigentlich ein wertvoller Rohstoff - stark verunreinigt war, musste die Entsorgung teuer bezahlt werden. Zusammen mit Analysen und Umweltuntersuchungen summierte sich die Rechnung letztlich auf rund 55.000 Euro. Nun wird nach dem Verursacher gefahndet.

Im Falle der Fördermittel-Panne hofft die Gemeinde auf eine Lösung. "Wir wollen versuchen, die Zweckbindung streichen zu lassen", erklärt Raupach. Dazu seien in den nächsten Tagen Gespräche mit der Sächsischen Aufbaubank als Fördermittelgeber geplant. Deren Ausgang - ungewiss.

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