DKW-Fans weihen Rasmussen-Büste ein

Im Schloss Wildeck steht das Original aus Bronze. An der Kappler Drehe in Chemnitz eine Kopie aus Gips. Nun wird in Dänemark auch noch ein Nachguss eingeweiht - von einem Fan mit Schneeberger Wurzeln.

Nakskov/Zschopau.

Wer bei der Reise nach Skandinavien die Route über Fehmarn wählt und mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby übersetzt, der kommt beim Durchqueren der Insel Lolland fast an ihm vorbei: an Nakskov - dem Geburtsort von Jørgen Skafte Rasmussen (1878-1964). Heute ist großer Bahnhof in der knapp 13.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Süden Dänemarks. Der Dansk DKW Club enthüllt im Feuerwehrmuseum eine Büste des DKW-Gründers. Damit pflegen die Dänen nicht nur das große Erbe des Ingenieur-Genies, sondern zugleich auch einen bedeutenden Abschnitt erzgebirgischer und sächsischer Industriegeschichte.

Rasmussen hatte Ende der 1920er-Jahre die von ihm gegründeten Zschopauer Motorenwerke mit ihren DKW-Motorrädern zum größten Hersteller weltweit gemacht. In Erla erwarb er 1928 die Eisengießerei. Als Automobilfabrikant war er zudem eine Schlüsselfigur bei der Fusion von Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union, der er zwischen 1932 und 1934 als Vorstandsmitglied angehörte.

Anlass für das Aufstellen der Büste ist der Geburtstag Rasmussens. Der Vater der RT 125 ("Reichsfahrtmodell"), meistkopiertes Motorrad der Welt, wäre am 30. Juli 140 Jahre alt geworden. Einer der Initiatoren der Aktion: Arno H. Weber. Die Idee kam dem Mitglied des dänischen DKW-Vereins im Schloss Wildeck. "Als ich dort die Büste Rasmussens sah, dachte ich, so eine müsste auch in seiner Geburtsstadt stehen", erinnert sich Weber an den Museumsbesuch im vorigen Jahr. Der DKW-Fan hat selbst Wurzeln im Erzgebirge. "Mein Vater stammt aus Schneeberg. Seit 1964 lebe ich in Dänemark." Mit einer 50-köpfigen Reisegruppe war er im Sommer 2017 in Chemnitz und Zschopau auf der Suche nach Spuren des visionären Unternehmers. "In Dänemark interessieren sich viele nicht nur für die historischen Fahrzeuge, sondern auch für das Leben und Wirken Rasmussens", sagt der 72-Jährige, der in Ringsted, rund 60 Kilometer südwestlich von Kopenhagen, wohnt.

Joachim Junge, Museumsmitarbeiter im Schloss Wildeck, habe ihn dann an die Bildhauerin Jeanette Nagel-Schmidt vermittelt, berichtet Weber weiter. Die Zschopauer Rasmussen-Skulptur ist ein Werk der Künstlerin aus Riedering in Oberbayern. So entstand für die Auftraggeber aus Dänemark ein Nachguss des Originals, ebenfalls aus Bronze. Eine Gips-Version ist übrigens in der Rasmussen-Halle des Industriemuseums an der Kappler Drehe in Chemnitz zu sehen.

Zusammen mit der Büste wird morgen in der größten Stadt der Gemeinde Lolland in den Räumen des örtlichen Feuerwehrmuseums auch eine kleine DKW-Ausstellung eröffnet. "Zuvor findet eine Oldtimer-Rundfahrt statt, zu der wir Teilnehmer aus Dänemark, Deutschland, Schweden und Norwegen erwarten", sagt Weber, der selbst einen DKW F 91 besitzt. Zudem wird ein Film über Rasmussen in der dänischen Originalfassung gezeigt.

Mitglieder des Dansk DKW Club treffen sich einmal im Monat zu Benzingesprächen. "Meist in einer Werkstatt", berichtet Weber, der als gelernter Landmaschinenschlosser selbst Hand anlegen kann an den rollenden Raritäten. Zusammen mit DKW-Freunden aus Schweden und Deutschland steht jedes Jahr zum Mittsommer-Fest eine Ausfahrt an.

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