Entscheidung erst nach lautstarkem Disput in der Jury

35 Exponate, so wenige wie noch nie, haben es in diesem Jahr in die Ausstellung der Artfigura geschafft. Das sollte für mehr Qualität sorgen.

Schwarzenberg.

Matthias Lindner, Leiter der neuen sächsischen Galerie in Chemnitz, schaut sich im großen Sonderausstellungsraum des Schwarzenberger Schlosses um. "Pause", ein Werk von Julia Himmelmann aus Halle, weckt sofort sein Interesse. Die Arbeit aus Ton fasziniert ihn. Er hockt sich hin, streicht über den Transportwagen, auf dem sich das Kunstwerk befindet.

Der helle Kegel erinnert im weitesten Sinne an ein Räucherkerzchen. Unter diesem befindet sich ein Keil, der ebenfalls aus Ton ist und trotzdem einen funktionellen Eindruck erweckt. Überhaupt ist an dieser Arbeit alles aus Ton. Selbst der Transportwagen ist Teil des Kunstwerks - eine Idee, über deren Aussage man trefflich diskutieren kann. Matthias Lindner findet Gefallen an der Arbeit, das ist ihm anzusehen.


Ein zweites Werk aus demselben Raum lehnt er ab: "Schon hundertmal gesehen - nichts Neues", murmelt Lindner, der zur Jury des Schwarzenberger Kunstpreises Artfigura gehört. Es ist der erste gemeinsame Rundgang, den die Juroren am Freitag unternehmen. "Stacheldraht" heißt das geschnitzte Werk von Rainer Jacob aus Leipzig, mit dem sich Lindner so gar nicht richtig anfreunden kann. Es wurde aus einem Weihnachtsbaum geschnitzt. Während die nadellose Spitze auf die einstige Bestimmung hindeutet, geht der Stamm schließlich in einen geschnitzten Stacheldraht über. Die Wirkung ist verblüffend. Jacob nutzte die Äste des Baumes und formte sie zu Stacheln. Handwerklich geschickt, lässt er zwei hölzerne Drähte, wie bei einem Stacheldraht üblich, sich ineinander verdrehen.

Lilly Vicedom, die 1. Vorsitzende der Kunstfreunde Schwarzenberg, und Ralph Teumer, kaufmännischer Leiter bei Porsche Werkzeugbau GmbH, sehen das ganz anders. Sie halten das Werk des Leipziger Künstlers für eine interessante und faszinierende Arbeit. Viel Raum für Interpretation lässt sie allemal. Ist es eine Anspielung auf Tradition und eine daraus resultierende Gefangenschaft? Oder nur Effekthascherei?

Am Abend zur Preisverleihung steht fest, dass "Stacheldraht" den ersten Preis holt. Matthias Lindner: "Ich war der Einzige, der es anders gesehen hat." Die Jury arbeite nach demokratischen Grundsätzen, und somit gehe die Entscheidung in Ordnung. Doch auch "Pause" von Julia Himmelmann geht nicht leer aus - Sie ist die zweite Preisträgerin.

Der dritte Platz geht an Paul Hirschs "Verformbar". Es ist eine Skulptur aus Holz. Vier Vierecke sind miteinander verknüpft. Der Darmstädter Künstler betont, dass die Teile nicht nachträglich zusammengesetzt worden sind und dass die Skulptur auf verschiedene Weise aufgebaut werden kann.

Obwohl es in diesem Jahr nur 35 Arbeiten von 281 Bewerbern in die Ausstellung schafften, verlangte die Entscheidungsfindung den Juroren viel ab. Das zeigte sich in einer lautstarken Diskussion, wie es Lilly Vicedom zur Preisverleihung nannte, und in der Tatsache, dass die Entscheidung erst 18 Uhr gefallen war.

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