Es ist gar nicht schwer, der Kunst zu begegnen

Mit der Aktion offener Stuben und Höfe in der Schwarzenberger Altstadt haben die Kunstfreunde erneut jede Menge Kultur geboten. Der Zuspruch ist groß.

Schwarzenberg.

Die offenen Höfe und Stuben in der Altstadt sind ein Angebot der Schwarzenberger Kunstfreunde, der Kunst zu begegnen. Doch wie geht das? Eine Fragen, die sich sicher zunächst so mancher Besucher gestellt hat, der durch die Stadt bummelte.

Am Freitag und Samstag bestand dazu reichlich Gelegenheit. Im Atelier Brockhage trafen die Besucher da beispielsweise auf eine besonders überraschende Form der Kunst: auf die Arbeiten von Christel Hochhaus. Die 69-Jährige, die in Hessen zuhause ist, stellt Gemüsepapyrus her. Möhren, Sellerie, Lauch und Erdbeeren lässt sie zu kunstvollen Strukturbildern und Windspielen werden. Hinter Glas und im Licht werden dabei Pflanzen zur Kunst. Beim Pressen verbinden sich die Zellstrukturen zu einem neuen, faszinierenden Ganzen. "Das hätte ich nie für möglich gehalten, dass so etwas geht", sagte eine junge Frau und strich vorsichtig mit dem Finger über die Trockenbilder. Zu sehen waren auch winzige Schuhe, aus Hornveilchen und getrockneten Erdbeeren, geformt auf kleinen, alten Leisten als Hommage an ihren Vater, der ein Schuster war. Kunst, die verblüfft.

Ebenso überraschend waren die Bilder, Grafiken und Skulpturen von Peter Zaumseil, der in Vielgestalt die Darstellung des weiblichen Körpers zum Mittelpunkt seiner Kunst macht. Diese Ausstellung im Markt 13 ist noch bis zum 3. Oktober zu bestaunen. Keramikerin Sabine Barth, die gemeinsam mit Christel Hochhaus der Einladung von Künstlerkollege Paul Brockhage ins Erzgebirge gefolgt war, stellte ihre Porzellanarbeiten vor. "Porzellan ist zum Teil ein zickiges Material", sagte die Künstlerin. Es ließe sich keineswegs so geschmeidig verarbeiten wie Ton. Apropos Ton - oder vielmehr Töne. Aus vielen der insgesamt 23 offenen Stuben und Höfe tönte auch Musik. Denn zahlreiche Sänger und Musiker, darunter auch die Talente von Art on Stage, nahmen mit großer Freude das Angebot der Kunstfreunde wahr, endlich mal wieder öffentlich zu musizieren.

Kulturinteressierte Schwarzenberger, aber auch auswärtige Gäste, die speziell für die Konzerte des Musikfests ins Erzgebirge gekommen waren, nutzten die beiden Tage für ungewöhnliche Begegnungen mit Kunst. Allein in der Türmerstube bei Gerd Schlesinger und Jörg Eller wurden an beiden Tagen gut 900 Gäste gezählt. Gute Gespräche gab es auch in der Galerie von Rico Weißflog oder in der Apotheke von Sabine Nöhring, die Arbeiten von drei ihrer Mitarbeiterinnen in Szene setzte und zeigen wollte: Kunst ist ganz nah und unmittelbar. Das belegen die Arbeiten von Nadine Winterstein, Juliane Baier und Kornelia Wolf - man muss sich nur trauen, der Kunst zu begegnen, sie für sich zu entdecken. Und zu entdecken gab es davon in der Altstadt wieder eine ganze Menge.

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