Forstwirt: "Rotwild ist eine arme Sau"

In Schneeberg wurde über die Zukunft der Artenvielfalt im Erzgebirge diskutiert. Referent Wilhelm Bode ließ keinen Zweifel daran, wie wichtig das sei.

Schneeberg.

"Das Rotwild ist eine arme Sau. ", hat es Wilhelm Bode im Kulturzentrum "Goldne Sonne" auf den Punkt gebracht. Der Forstwirt sprach am Dienstagabend bei der Veranstaltung "Der Rothirsch im Erzgebirge - Naturschützer oder Waldschädling? Der Naturschutzbund (Nabu) Kreisverband Aue-Schwarzenberg hatte eingeladen, um die Möglichkeiten zu einem besseren Miteinander von Wald und Wild aufgezeigt werden.

"Es kann so nicht weitergehen", sagte Matthias Scheffler. Und der Chef des Nabu-Kreisverbandes erklärte: "Die Fronten zwischen Forst, Jagd und Naturschutz sind verhärtet." Dabei säßen alle zusammen in einem Boot. So könne man nicht weitermachen, es sei Zeit für eine Veränderung, forderte Scheffler.


Deshalb hatte der Nabu auch den bekannten Forstwissenschaftler, Naturschützer und Autor Wilhelm Bode eingeladen. "Wald vor Wild ist genauso Quatsch wie Wild vor Wald", machte Bode die aus seiner Sicht unsinnigen Grabenkämpfe der verschiedenen Interessenvertreter deutlich. Aus seiner Sicht werde das Thema nicht von der richtigen Seite angegangen. "Der Wald ist nicht der ursprüngliche Lebensraum des Rotwildes. Vielmehr braucht es offene und halb offene Räume." Das Rotwild sei ein Gefangener im Wald. Dort lebe es aufgrund der intensiven Bejagung in ständiger Todesangst.

"Ich bin seit meinem achten Lebensjahr auf die Jagd gegangen, und ich halte sie für unverzichtbar. Aber so wie sie heute häufig gemacht wird, ist sie unverantwortlich", erklärte Bode. Trotzdem glaube er, dass die meisten Jäger aus Naturliebe auf die Jagd gehen würden.

Die Lösung für einen artgerechten Lebensraum sieht der Forstwissenschaftler in der Schaffung von Ruhezonen, in denen das Rotwild nicht gejagt werden dürfe. "Dies sollten 20 Prozent der Fläche sein." Zudem brauche es mehr Wiesen, wo die Tiere außerhalb des Waldes äsen könnten. "Doch derzeit haben wir keine Kultur-, sondern eine Unkulturlandschaft, in der immer mehr kleine Bauernhöfe sterben."

Dies zu ändern, sei Aufgabe der zuständigen Minister auf Landes- und Bundesebene. Doch diese Politiker fühlten sich mehr ihrem Wahlklientel verpflichtet, als eine Kehrtwende einzuleiten.

Dass seit vielen Jahren nur diskutiert, aber nichts getan werde, kritisierte auch Professor Sven Herzog. Der Wildbiologe von der TU Dresden forderte, dass das Rotwild nicht auf Wiesen bejagt werde: "Dann habe ich im Wald ein Problem."

Auch der Wolf sei eine weitere Herausforderung der Zukunft. "Wir wissen noch nicht, wie sich das Rotwild verhält, wenn der Wolf bei uns heimisch wird."

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