Gastronomie-Ausbildung in Schneeberg bedroht

Das Kultusministerium will die Auszubildenden in gastronomischen Berufen aus dem Landkreis Zwickau nach Falkenstein schicken. Die Schneeberger Schulleiterin fordert eine faire Lösung - auch im Sinne ihrer Schüler.

Schneeberg/Schwarzenberg.

Droht der Gastronomie-Ausbildung nach 60 Jahren in Schneeberg das Ende? Über Jahrzehnte prägte sie den Charakter des Berufsschulzentrums (BSZ) Schneeberg/Schwarzenberg für Ernährung, Sozialwesen und Wirtschaft des Erzgebirgskreises. 1992 wurden durch das Kultusministerium für die Schule als Einzugsbereich die Stadt Zwickau, der Landkreis Zwickau, der Landkreis Werdau sowie die Kreise Aue und Schwarzenberg festgelegt. Doch damit soll mit dem Schuljahr 2019/20 Schluss sein. Denn das Kultusministerium will alle Auszubildenden des Gastgewerbes, die im Kreis Zwickau wohnen, nach Falkenstein in die dortige Außenstelle des BSZ "Anne Frank" Plauen schicken. Dort war in den vergangenen Jahren die Schülerzahl stark zurückgegangen. Lernten 2014 in Falkenstein noch 132 den Beruf des Kochs, des Restaurantfachmann, des Hotelfachmanns oder der Fachkraft im Gastgewerbe, so waren es 2017 nur noch 67 Auszubildende. Derzeit lernen dort in diesem Bereich 82 Schüler.

Doch die Schulleiterin des BSZ Schneeberg/Schwarzenberg, Dorothea Wild, will sich nicht einfach so einen Teil ihrer Schüler wegnehmen lassen und ist mit dieser neuen Regelung nicht einverstanden: "Die Stärkung des Falkensteiner Standortes darf nicht auf unsere Kosten gehen. Es ist eine faire Lösung notwendig, sonst wird Schneeberg zu stark geschwächt." Deshalb müssten die Auszubildenden aus dem Landkreis Zwickau ihre Berufsschule frei wählen dürfen. Auf jeden Fall sollten die Ausbildungsbetriebe für ihre Lehrlinge eine Ausnahmegenehmigung beantragen, damit sie nach Schneeberg gehen können. "Wir haben bei uns beste Bedingungen und arbeiten mit den Ausbildungsbetrieben seit Jahren sehr gut zusammen", erklärt Dorothea Wild.

Wie schwierig die Situation in der Gastronomieausbildung in Schneeberg künftig werden könnte, wird deutlich, wenn man die Anmeldezahl aus dem vergangenen Jahr als Beispiel nimmt. Von 64 Auszubildenden kamen 32 aus dem Landkreis Zwickau. Statt drei Klassen hätte es in Schneeberg nur eine Klasse im ersten Ausbildungsjahr gegeben. Und ab dem zweiten Ausbildungsjahr wäre die Bildung von Fachklassen mit einer Kochklasse von 16 Auszubildenden gar nicht mehr möglich gewesen. Folge: Die 28 Schüler hätten im zweiten und dritten Lehrjahr an andere Standorte verlegt werden müssen.

Die Entscheidung des Kultusministeriums ist deshalb auch für Markus Gnadt vom Köcheverein Zwickau nicht nachvollziehbar. "Über viele Jahre wurde in Schneeberg eine hervorragende Arbeit geleistet. Damit sind wir sehr zufrieden", lobt der Koch vom "Landhotel Gutshof" in Zschocken. Zudem sei das BSZ für die Lehrlinge aus dem Landkreis Zwickau sehr gut erreichbar. "Es gibt dort sogar ein Wohnheim. Das fehlt jedoch in Falkenstein", erklärt Gnadt. Wer kein eigenes Fahrzeug habe und auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen sei, für den könnte es künftig schwerer werden, rechtzeitig zum Unterricht zu erscheinen. "Die Entscheidung des Kultusministeriums ist für mich der falsche Weg. Es ist ohnehin nicht einfach, junge Leute für einen Beruf in der Gastronomie zu begeistern, da sollte man es ihnen nicht unnötig schwer machen."

So sieht es auch der Schneeberger Bürgermeister Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika). Und er kennt noch einen weiteren Grund, der für Schneeberg spricht: "Die Ausbildungsbetriebe arbeiten mit dem BSZ sehr gut zusammen. Und für viele Azubis aus dem Landkreis Zwickau ist Schneeberg besser erreichbar." Die Gefahr bestehe, dass sich weniger Jugendliche für eine Ausbildung in der Gastronomie entscheiden oder Betriebe ihre Ausbildung einstellen würden. Die Neuregelung durch das Kultusministerium sei eine reine Verwaltungsentscheidung gewesen. "Es ist aber keine Lösung, einem Standort die Azubis zu entziehen und ihn so zu schwächen", erklärt Seifert. Seit Jahren kämpfe das Berufsschulzentrum Schneeberg/Schwarzenberg um die Auszubildenden. Nun werde man zusätzlich benachteiligt.

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