Genossenschaftler bestehen im Kampf gegen Markt-Goliaths

In Bad Schlema wurde 2006 Sachsens erster Bürgerkonsum eröffnet. Unkenrufen zum Trotz klingelt die Kasse nach wie vor. Gut 200 Anteilseigner hoffen, dass es so bleibt.

Bad Schlema.

Es sind Details, die den Frischemarkt in Bad Schlema zu etwas Besonderem machen. Manches zeigt sich auf den ersten Blick - wie die Vielzahl regionaler Produkte in den Regalen. Anderes erschließt sich auf Nachfrage - zum Beispiel die Betriebsform der Genossenschaft mit derzeit gut 200 Mitgliedern, die alle Anteile am Laden halten. "Wir sind damals von vielen belächelt worden", sagt Marion Thomas aus dem Vorstand. Damals, das war 2006, als 60 Enthusiasten Sachsens ersten Bürgerkonsum eröffneten. Zehn Jahre ist das her. "Und wir sind gewachsen", so Thomas.

Sie können weiter wachsen. "Jeder kann Anteile erwerben. Ein Anteil kostet 200 Euro." Wer die auf den Tisch legt, ist Mit-Eigentümer des Geschäfts in der Marktpassage des Kurorts. Kurz nach der umfangreichen Sanierung bekommen Steffi Otto und ihre vier Mitarbeiterinnen in Voll- und Teilzeit viel Lob. "Den Leuten gefällt es", sagt Otto, die seit Jahresbeginn als Leiterin im Frischemarkt das Zepter schwingt, aber nicht über allen anderen thront, wie sie betont. "Es geht nur miteinander. Denn so geht es am besten", ist sie sicher. Jeder leistet alles - ob Kassendienst oder Einsatz an der Back- und Fleischertheke, das Einräumen der Regale, das Bedienen der Gäste in der neuen Café-Ecke oder das Reinemachen nach Ladenschluss. "Das muss alles klappen. Jeder handelt in großer Eigenverantwortung - sonst würde es gar nicht funktionieren", so Otto. Immerhin hat der Frischemarkt wochentags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 7 bis 12 Uhr geöffnet. "Die frühen Zeiten sind für viele Stammkunden wichtig."

Apropos Stammkunden: Auch Uta Schmidt-Walzer huscht fast jeden Tag durch den Frischemarkt. "Ich arbeite in der Nähe in einem Kosmetikstudio. Und weil der Laden alles bietet, was ich brauche, und ich ihn rasch zu Fuß erreiche, ist das die perfekte Lösung für mich." Zudem sei das Personal freundlich. "Man kennt sich, plauscht kurz - das macht den Tag gleich viel schöner", findet sie. Und wünscht sich mehr Leute, die dieses Angebot - auch über den Inhalt des Einkaufswagens hinaus - nutzen. "Ich empfehle es jedem."

Die Konkurrenz ist stark, das wissen auch die Bad Schlemaer Genossenschaftler - und wuchern umso mehr mit ihren Pfunden. Etwa mit dem großen Parkplatz direkt vorm Laden, mit kleinen Abpackungen von Produkten - beliebt bei Senioren, Kurgästen und Singles -, mit regionalen Produkten wie den Salaten der Firma Schwarzbach aus Schneeberg und den Einweck-Hits nach Omas Art vom Landhof aus Hartmannsdorf. Ganz neu: ein regelmäßig wechselndes Werbeblatt mit Sonderangeboten. "Das kennt man von großen Märkten", sagt Thomas. Für den Frischemarkt waren das Erstellen, Drucken und die Verteilung durchaus ein finanzielles Risiko. "Wir wagten es - und es lohnt sich: Viele Kunden kommen, um die Angebote zu nutzen." Etwa 300-mal klingelt die Kasse täglich. Nicht nur Kleinigkeiten gehen dabei übers Band. Thomas: "Wir merken mehr und mehr, dass auch größere Einkäufe zu uns locken - und setzen alles daran, diesen Trend zu halten."

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