Geschulte Begleiter wollen Kindern durch harte Zeit helfen

Unter dem Dach der Johanniter soll eine Gruppe entstehen, in der Mädchen und Jungen trauern können. Denn das tun sie ganz anders als Erwachsene.

Aue/Schwarzenberg/Lugau.

Das Abschiednehmen gehört für viele zu den schwersten Lektionen - vor allem, wenn es ein Abschied für immer ist. Tod und Trauer sind Tabuthemen. Umso wichtiger ist es, Menschen zu helfen, mit ihrer Trauer klarzukommen. Während Selbsthilfegruppen und Angebote für Erwachsene im Erzgebirge durchaus vorhanden sind, lassen sich Angebote für Kinder nur schwer finden. Die Johanniter-Unfallhilfe will nun eine Kindertrauergruppe gründen. Ihren Sitz soll sie in Lugau haben, bei entsprechender Nachfrage aber auch einen "Ableger" in Zwönitz bekommen.

Grundvoraussetzung: geschulte Trauerbegleiterinnen, die auf den Nachwuchs spezialisiert sind. "Im Hospiz werden trauernde Erwachsene begleitet, und da haben wir gemerkt, dass es ein solches Angebot auch für Kinder geben muss", sagt Projektkoordinatorin Dana Herrmann. Denn eines stehe außer Zweifel: Kinder trauern anders. "Kinder reden nicht. Sie beobachten die Erwachsenen. Viele sind gehemmt und trauen sich nicht, die Eltern anzusprechen", umreißt Herrmann die Ausgangssituation und freut sich, dass sich bereits neun Frauen gefunden haben, die sich auf ehrenamtlicher Basis zur Begleiterin ausbilden lassen.


Die Kindertrauergruppe soll den Mädchen und Jungen zunächst einmal einen geschützten Raum bieten. "Oft sind die Erwachsenen ja in ihrer eigenen Trauer gefangen", sagt Rahel Runkenmöller. Der Nachwuchs bleibe deshalb häufig außen vor, erklärt die Frau, die sich derzeit zur Trauerbegleiterin für Kinder ausbilden lässt. Dabei können selbst Babys trauern - zumindest dann, wenn eine nahe Bezugsperson, etwa Mutter oder Vater, von heute auf morgen nicht mehr da ist. Runkenmöller ist selbst dreifache Mutter und spürt deshalb die Unsicherheit, die es bei diesem Thema gibt, obwohl ihre Kinder damit noch keine Erfahrungen gemacht haben. Daher freut sie sich über das sehr kompetente Schulungsangebot. "Im März gab es das erste Ausbildungswochenende." Zunächst sei um das eigene Erleben gegangen. "Ich war zwölf Jahre alt, als meine Uroma gestorben ist und habe es sehr gut verarbeitet", berichtet Runkenmöller.

Dana Herrmann hält diesen Einstieg in das Thema für absolut sinnvoll: "Eigene Gefühle sind wichtig, damit wir sie später bei der Trauerbegleitung mit einbringen können." Geplant ist, dass die Kindertrauergruppe maximal acht bis zehn Betroffene betreut. In den Räumen einer Lugauer Kindertagesstätte können sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. "Sie werden dabei durch die Trauerbegleiter gut behütet", sind sich Herrmann und Runkenmöller einig. Dass diese nicht aus dem direkten familiären Umfeld kommen, sei ganz wichtig.

Genauso wichtig: sich dem Thema spielerisch zu nähern. Bei Erwachsenen und auch bei Kindern gehe es immer um Individualität. "Wie lang beispielsweise die Trauerphase ist, lässt sich schwer sagen. Dazu muss man viel beobachten", so Herrmann. Der offizielle Start für die Kindertrauergruppe unter dem Dach der Johanniter soll im September sein. Sie sei offen für jedes Mädchen und jeden Jungen nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Wer die Trauerbegleiterinnen bei ihrer Arbeit unterstützen und mit dafür sorgen will, dass die Kinder gestärkt aus der harten Zeit herausgehen, der kann spenden.

Spenden sind auf folgendes Konto möglich: IBAN: DE 8537 0205 0000 0433 1301, BIC:BFSWDE33XXX. Stichwort: Kindertrauergruppe.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Distelblüte
    14.05.2019

    "Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen."
    Ich weiß nicht, von wem dieses Zitat stammt, aber es ist wahr.
    Die Johanniter-Unfallhilfe hat hier ein unterstützenswertes Projekt begonnen.

  • 0
    3
    Interessierte
    14.05.2019

    Das war früher nicht so , da wurde geschwiegen , auch vieles andere wurde tot geschwiegen , vielleicht hatte man damals auch noch viele andere Wunden zu bewältigen wie die vielen Söhne , die im Krieg geblieben sind , sicherlich auch im Westen
    Diese gesamten Selbsthilfegruppen und Psychologen gab es vor Jahren noch nicht ....

  • 0
    4
    Interessierte
    14.05.2019

    Das war früher nicht so , da wurde geschwiegen , auch vieles andere wurde tot geschwiegen , vielleicht hatte man damals auch noch viele andere Wunden zu bewältigen wie die vielen Söhne , die im Krieg geblieben sind , sicherlich auch im Westen
    Diese gesamten Selbsthilfegruppen und Psychologen gibt es sicherlich erst in letzter Zeit , wie auch Schwangerschaftsgruppen und danach mit Kinderwagen …
    Sicherlich auch , weil es kaum noch andere Arbeiten gibt ....

  • 5
    0
    Edelsachse
    14.05.2019

    Ein solches Angebot für Kinder ist sehr wichtig. Mein Vater starb als ich knapp 10 Jahre alt war. Meine Mutter 4 Jahre später. Niemals wurde damals über meine Trauer gesprochen, nicht in der Familie, in der Schule oder anderswo. 30, 40 Jahre später begann ich selbst, diesem Verlust aufzuarbeiten. Natürlich immer noch ohne äußere Unterstützung. Das ist sehr schwer und hat mit auch ein Leben lang begleitet und geprägt.



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