Großküchen seit Wochen auf Sparflamme

Dort, wo sonst Hunderte Portionen für Kindergärten und Grundschulen zubereitet werden, blieben seit Dezember die meisten Herde kalt. Seit einer Woche wird wieder gekocht, wenn auch nicht überall in vollem Umfang.

Aue/Schwarzenberg.

Hinter Sibylle Zeise, der Geschäftsführerin der Menüküche Heide, und ihrem Team liegen schwierige Wochen. Zwar hatte das Unternehmen auch während des Lockdowns zu tun, doch an Wirtschaftlichkeit war seit Mitte Dezember nicht zu denken. Das Unternehmen stellte die Versorgung der Kinder in Notbetreuung sicher. "Wir sind für ein bis zwei Essen pro Einrichtung gefahren", sagt Zeise. Natürlich hätte ihr Team das ablehnen können, doch das wollten die Schwarzenberger nicht. "Die Eltern arbeiten ja beispielsweise für uns in den Krankenhäusern. Dass ihre Kinder nur aus der Brotbüchse essen, kam für uns nicht in Frage."

Zu den besonderen Momenten in den harten Wochen gehörte ein Weihnachtsgruß am 22. Dezember. Ein Junge - von seinem Vater gebracht - stand mit einem selbst gebastelten Geschenk vor der Tür und bedankte sich bei den Mitarbeitern der Menüküche. Obwohl in der vergangenen Woche keiner so recht wusste, wie groß der Bedarf beim Re-Start ist, lief nahezu alles reibungslos ab. "Das Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern, Lieferanten und Einrichtungen funktionierte perfekt", so Sibylle Zeise.

Aufatmen konnte auch Wolfgang Weigelt, Betriebsleiter bei Huse Catering Bad Schlema. Durch den Lockdown war das Unternehmen ausgebremst. Mitte Dezember habe man letztmalig im großen Stil gekocht, erst Anfang Februar wurden die riesigen Kessel wieder aufgeheizt. "Lediglich im Bereich der Business- und Industriekunden haben wir während des Lockdowns produziert", so Weigelt. Es war ein kleiner Trost, denn das Hauptgeschäft sind für Huse Catering die Kindertagesstätten und Schulspeisungen. Die Mitarbeiter, die für hunderte Mädchen und Jungen täglich frisches Essen kochen, mussten deshalb die Wochen in Kurzarbeit über die Bühne bringen. "Wir haben bis zum 13. Februar nur etwa 100 Portionen zubereitet", sagt Weigelt. Wirtschaftlich habe er in dieser Zeit nicht arbeiten können. "Wir haben ja aber einen Versorgungsauftrag zu erfüllen", so der Betriebsleiter. Seit Montag werden die großen Töpfe und Kessel wieder benötigt. Etwa 1000 Portionen gingen von Bad Schlema aus in Kindertagesstätten und Grundschulen. "Damit liegen wir immer noch deutlich unter den Zahlen vor Corona." Die liegen bei 1400 Portionen pro Tag. Derzeit fehlen die Oberschulen noch. Vor allem die Fünft-, Sechst- und Siebtklässler nutzen die Schulspeisung. "Auch die Grundschulen sind noch nicht komplett - das merken wir schon." Aufgrund der kurzfristigen Entscheidung war es nicht möglich, alle Waren zu beschaffen, denn auch die Lieferanten haben Schwierigkeiten. "Wenn man so will, hatten wir in dieser Woche einen Notspeiseplan", sagt Weigelt. Die Kinder dürften das kaum gemerkt haben, weil das Speisenangebot dennoch abwechslungsreich war.

Die Erfahrungen der zurückliegenden Wochen ähneln sich überall. Doreen Hollenbach, Geschäftsführerin von Tischlein deck dich, sagt: "Wir haben glücklicherweise den Lockdown überstanden." Ihr Team hat selbst dann gekocht und geliefert, wenn nur zwei, drei Kinder in einer Einrichtung betreut wurden. Nur auf die Wahlmöglichkeit wurde dann verzichtet. Vor der Pandemie haben bis zu 4500 Portionen die Küche verlassen. Etwa zwei Drittel davon wurden in der vergangenen Woche benötigt. Das Handling sei schwierig gewesen. "Wir hatten viel Telefondienst und auch per E-Mail kamen Nachfragen", so Doreen Hollenbach.

Bei der Volkssolidarität Westerzgebirge wird eine kleinere Anzahl an Portionen gekocht, etwa 1000 für Kindergarten- und Schulkinder täglich. Noch immer ruht die Belieferung des Bertolt-Brecht-Gymnasiums. Die meisten Schüler befinden sich nach wie vor in Lernzeit. Béla Ullmann, Geschäftsführer der Volkssolidarität, erklärt: "Etwa 70 Prozent machen bei uns Kitas und Schulen aus. Der andere Teil ist Essen auf Rädern, da gab es keinen Abbruch. Das lief ganz normal weiter."

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