Großvaters Salon bietet bis heute Kulisse für modisches Handwerk

In Lauter-Bernsbach gibt es ein Friseurgeschäft, das vor 90 Jahren gegründet worden ist. Heute gehört es Stephanie Teumer, die gern noch die "100" voll machen würde.

Lauter-Bernsbach.

Brennschere und Lockeneisen sind heute im Friseursalon von Stephanie Teumer in Lauter-Bernsbach nicht mehr in Gebrauch. Sie dienen allerdings als originelle Dekoration im Salon, den die 64-Jährige so erhalten hat, wie ihn ihre Großeltern einrichteten, als sie vor 90 Jahren an gleicher Stelle ihr Geschäft eröffneten. Mit vielen Bildern, Urkunden und historischen Utensilien macht die Friseurmeisterin auf das Jubiläum am 13. Dezember aufmerksam, das mit einer Festwoche gefeiert wird.

Gern erklärt Stephanie Teumer, wie die altertümlichen Geräte funktionierten. Wer weiß zum Beispiel, was Tressieren ist? Mit dieser Technik stellten die Friseure früher Perücken selbst her. Auf dem Gestell dafür kann die 64-Jährige das heute noch vorführen. "Ich hänge an den alten Sachen", sagt sie.

Paula und Fritz Hecker gründeten das Friseurgeschäft und bildeten später Tochter Ingeborg aus. Als Fritz Hecker 1942 zum Militärdienst eingezogen wurde, führten es die beiden Frauen allein weiter. Der Friseurkoffer, den der Großvater mit an die Front nahm, steht heute noch im Salon. 1954 kehrte der Vater aus Gefangenschaft zurück, verstarb aber bald darauf. Tochter Ingeborg übernahm 1957 nach der Meisterausbildung das Unternehmen. Ihr zuliebe schulte ihr Mann, Heinz Rolle, vom Elektriker zum Friseur um. Bis 1995 bildete Ingeborg Rolle viele Lehrlinge aus, darunter ihre beiden Töchter und Enkelin Therese. "Für uns gab es nichts anderes. Schon als kleine Kinder waren wir ständig im Salon, mit zwei Jahren hatten wir schon unseren eigenen kleinen Berufsmantel", erklärt Stephanie Teumer. Sie lernte den Friseurberuf und arbeitete im Salon ihrer Eltern, auch in den Jahren, als sie erst in Karl-Marx-Stadt und dann in Bad Schlema wohnte. 1992 schloss sie die Meisterausbildung ab und übernahm 1996 nach dem Tod ihres Vaters das Geschäft.

Seit vier Jahren arbeitet sie allein im Salon. Zu 80 Prozent bedient sie Stammkunden, viele von ihnen können davon erzählen, dass sie schon als Kind auf den Frisierstühlen gesessen haben, die jetzt noch im Laden stehen. Zu den Stammkunden gehört der 82-jährige Karl Förster. "Ich habe es bequem, weil ich gleich in der Nachbarschaft wohne. Wir verstehen uns gut und die Qualität stimmt", begründet er, warum er nie über einen Wechsel nachgedacht hat. Zu Stephanie Teumer kann man ohne Vorbestellung kommen. "Das finden vor allem die älteren Kunden gut, weil sie dann kommen, wenn es ihnen passt", erklärt die Friseurmeisterin. Die meisten bringen Zeit mit, wie Sylvia Pfüller, die im Unterdorf von Lauter wohnt und gern die halbe Stunde Fußweg zum Friseur auf sich nimmt.

Stephanie Teumer will weiter machen, so lange es die Gesundheit zulässt. Von ihrem Beruf ist sie begeistert, weil er dem ständigem Wandel des Zeitgeschmacks unterliegt und man immer dazu lernen müsse, was neue Techniken und Materialien betrifft. "Da gibt es keinen Stillstand", sagt sie. Außerdem liebt sie den Umgang mit den Menschen. "Wir reden über alles: das Wetter, die Wehwehchen, die jeder so hat, übers Essen und die Pfunde im Alter", lässt die 64-Jährige wissen. Sie hofft, bis zum "100." selbst noch den Salon weiterführen zu können und meint damit das nächste runde Firmenjubiläum. Ob ihn jemand aus der Familie übernimmt, ist vage. Die beiden Söhne sind Berufskraftfahrer. "Schön wäre es, wenn eine der Enkelinnen die Tradition weiterführt."

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