Handy-Raub: Gericht plagen viele Zweifel

Ein 28-jähriger Iraker ist nach drei Verhandlungen freigesprochen worden. Ein Zeuge half bei der Wahrheitsfindung nicht.

Aue-Bad Schlema.

Vom Vorwurf des versuchten Raubs in Tateinheit mit Körperverletzung hat das Amtsgericht Aue-Bad Schlema einen 28-jährigen Iraker freigesprochen. Der vorsitzende Richter Hartmut Meyer-Frey folgte in seinem Urteil dem Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft kündigte eine Überprüfung an.

Um die Frage, ob der Angeklagte einem anderen Iraker ein Handy gewaltsam entreißen wollte oder nicht, hatten sich zuvor drei Verhandlungen gedreht. Angesetzt waren laut Richter sieben Termine, vier konnten aus verschiedenen Gründen nicht stattfinden. Zuletzt war ein Zeuge, der beim Geschehen im April 2019 dabei gewesen sein soll, nicht erschienen. Zur vorerst letzten Verhandlung war er dann doch der Ladung nach Aue gefolgt. Auf seine Aussage hatte die Verteidigung bestanden. Wirklich Licht in die Sache brachte auch diese nicht. Also ergaben sich für den Richter "zwei kon-träre Geschehensschilderungen", und "viele Zweifel blieben offen."

Für die Staatsanwaltschaft war indes klar, dass die Angaben des Geschädigten wahrheitsgemäß sind. Demnach soll der Angeklagte mit einem Mittäter das Handy herausgefordert und den Geschädigten in dessen Wohnung geschlagen und getreten haben. Weil der das Handy festhielt und an sich drückte, ließen die beiden von ihm ab.

Dennoch bleibt es für den Vertreter der Staatsanwaltschaft dabei: "Es war versuchter Raub in Tateinheit mit Körperverletzung und Sachbeschädigung, ein brutales Vorgehen ist zu erkennen." Weil der Angeklagte keine Vorstrafen hat, plädierte die Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und zwei Monate Haftstrafe, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre und sechs Monate. Zudem wurde es als angemessen gesehen, dass der Angeklagte dem Geschädigten 500 Euro Schmerzensgeld zahlt. Die Verteidigung zog aus der Beweisaufnahme "ein völlig anderes Bild". Die vom Geschädigten geschilderten Sachverhalte und das Geschehen seien gar "inszeniert, um etwas gegen den Angeklagten in der Hand zu haben". Der Verteidiger forderte den Freispruch seines Mandanten.

Die Differenzen zwischen dem Angeklagten und dem Geschädigten bestanden offenbar schon vor dem Vorfall, der jetzt zur Verhandlung vorm Amtsgericht kam. "Jeder unterstellt dem anderen schlechte Sachen und wirft sie dem anderen vor", fasste es Richter Meyer-Frey zusammen. Objektive Tatsachen könne er nicht erkennen. Welche Aussage glaubwürdig ist oder eben nicht, wollte der Richter nicht beurteilen.

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