In ehemaligem Krankenhaus startet neue Poliklinik Bergstadt

Nach dem Ende des Bergarbeiter-Krankenhauses in Schneeberg wird eine ambulante medizinische Versorgung angeboten. Von diesem in Sachsen einmaligen Projekt sollen die Bürger profitieren.

Schneeberg.

Für Thomas Hohlfeld war die Schließung des stationären Betriebes des Bergarbeiter-Krankenhauses der richtige Schritt. "Jetzt wollen wir mit der Poliklinik ein bedarfsorientiertes medizinisches Angebot schaffen", erklärt der Geschäftsführer der Poliklinik gGmbH Chemnitz. Ab Montag wird die neue Poliklinik Bergstadt Schneeberg täglich bis 18 Uhr für Patienten zu Verfügung stehen. "Mit dem Angebot für Schneeberg und die Region sollen nicht nur die bestehenden, sehr guten medizinischen Voraussetzungen erhalten bleiben, sondern wir wollen perspektivisch weitere Leistungen in Schneeberg anbieten", sagt Hohlfeld. Er sieht in der neuen Poliklinik ein Pilotprojekt in Sachsen. Denn statt ein kleines Krankenhaus zuzusperren, wie es die Politik wünsche, werde in der Bergstadt eine "ökonomisch tragfähige Alternative" geschaffen.

Zum neuen Team der Poliklinik Bergstadt Schneeberg gehören zwei Allgemeinmediziner, drei Augenärzte, zwei Chirurgen und ein Neurochirurg. Dazu kommen weitere 15 medizinische Mitarbeiter. "Das gesamte Team ist hoch motiviert", sagt Mario Hühne. Der Allgemeinmediziner ist der neue Chef der Poliklinik. Bereits vorher hat er im Bergarbeiter-Krankenhaus auf der Station gearbeitet und zudem im Medizinischen Versorgungszentrum eine Sprechstunde für ambulante Patienten angeboten. Für ihn ist der Umbau des Bergarbeiter-Krankenhauses (BAK) zur Poliklinik die richtige Entscheidung. "In den vergangenen Jahren hat sich die Operationstechnik sehr verbessert. Die Eingriffe sind heute viel schonender", sagt Hühne. Daher könnten mehr Operationen ambulant durchgeführt werden. Eine stationäre Aufnahme sei häufig nicht nötig und auch die Patienten würden die eigenen Wände dem Krankenhaus vorziehen. "Trotzdem geht die Sicherheit immer vor. Wenn es nötig ist, wird der Patient nicht nach Hause geschickt, sondern kann in der Poliklinik bleiben", erläutert der Mediziner. Perspektivisch soll das BAK daher zusätzlich zur neuen Poliklinik neben einer Pflegeeinrichtung auch einsogenanntes Patienten-Hotelerhalten. Dort könne man sich einmieten, falls man vor oder nach Operationen nicht nach Hause fahren möchte. Langfristig ist der Ausbau zu einem ambulanten Operationszentrum geplant. Damit könnten auch die Kliniken der Region entlastet werden.

"Die ersten Operationen hatten wir bereits in dieser Woche", sagte Hühne am gestrigen Freitag. Trotz der logistischen Herausforderungen, die das vorzeitige Ende des stationären Betriebes gebracht hätte, sei man in der Lage, die Poliklinik in Betrieb zu nehmen. Ursprünglich sollte das BAK erst im Sommer seinen Betrieb einstellen. Damit wäre für den Start der neuen Poliklinik mehr Zeit gewesen. Doch die ambulante Versorgung werde gebraucht. So sind die Sprechstunden der Augenärzte sehr gefragt. "Wir würden gern diesen Bereich weiter aufstocken", sagt Thomas Hohlfeld. Allerdings hänge dies auch von den offenen Stellen ab, die die Kassenärztliche Vereinigung vorsieht. Auch mit einer guten Nachfrage bei den Sprechstunden der Allgemeinmediziner rechnet Hohlfeld. Die Hausarztversorgung in der Region ist angespannt und aufgrund der Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte werde dies nicht besser. Deshalb gehöre der Poliklinik die Zukunft.

Für den Schneeberger Bürgermeister Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika) ist die weitere medizinische Versorgung in der Bergstadt die wichtigste Aufgabe nach der Schließung des BAK: "Wir stehen voll hinter der Poliklinik, nicht umsonst heißt sie Bergstadt. Wenn nicht die Poliklinik Chemnitz dies übernommen hätte, dann hätte die Stadt sie betreiben müssen." Bürgermeister und Thomas Hohlfeld hoffen auf die finanzielle Unterstützung des Freistaats beim Umbau des BAK. "Die Poliklinik ist nicht in der Lage, diese Investition zu stemmen", sagt Hohlfeld. Denn während BAK-Altbau und Funktionsanbau für die Poliklinik genutzt werden sollen, ist für das Bettenhaus der Umbau zur Pflegeeinrichtung geplant. Dazu soll es kommende Woche ein Gespräch im sächsischen Sozialministerium geben. Kommt die millionenschwere Förderung, könnte das BAK innerhalb von drei Jahren umgebaut werden. Und noch einen Wunsch hat der Bürgermeister: "Die Schneeberger müssen das Angebot annehmen, damit der Standort auch eine Zukunft hat."

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    kapi
    05.02.2020

    Ich bin sehr erstaunt über die Entwicklungen beim BAK. Die jahrelange angespannte Personalsituation unter einer sehr inkompletten wirtschaftlichen Führung zu diesem Fiasko geführt. Nun wird alles schön geredet, wie sehr aber die Pflegemitarbeiter in den letzten Monaten unter zusätzlichen Stress standen um sich neu zu orientieren scheint hier absolut nicht bedacht zu werden. Aber genau diese Mitarbeiter haben in den letzten Jahren außerordentliches Engagement gezeigt und versuchten der Schließung entgegen zu wirken. Ich verstehe, dass das Vertrauen in Spitalführungen auf dem Nullpunkt angekommen. Aber letztlich sind auch die Entscheidungen aus Berlin (Spahn) für den Niedergang des BAK verantwortlich.



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