Japanerin glänzt mit Musik einesrussischen Erlösers

Die Pianistin Mizuka Kano hat im Kulturhaus in Aue ein Klavierkonzert des Exzentrikers Alexander Skrjabin sensibel gespielt. Auch die Philharmoniker zeigten sich in Hochform.

Aue.

Dieses Konzertprogramm hätte Wladimir Putin wahrscheinlich gefallen: großmächtige russische Opernmusik über den Herrscher "Fürst Igor", ein russisches Klavierkonzert des russischen "Messias" Alexander Skrjabin, und eine wuchtige russische Sinfonie, leider nicht im Moskauer Bolschoi-Theater, sondern "nur" im Auer Kulturhaus.

Die Erzgebirgische Philharmonie unter ihrem Chef Naoshi Takahashi begann am Sonnabend ihr grandioses Konzert mit den "Polowetzer Tänzen" aus der Oper "Fürst Igor" von Alexander Borodin. Die Orchesterfassung dieses exotischen Tanzfestes gestalteten die Philharmoniker zu einer rauschenden Orgie. Den "Chor der Sklavinnen" des Khans der Türken spielte das Orchester mit der nötigen Weite der Phrasierung, der "Tanz der Krieger" ließ nichts an Aggressivität zu wünschen übrig. Am Ende des 2. Aktes der Oper erklingen die berühmten Polowetzer Tänze, eine der großartigen Volksszenen der Oper. Den wuchtigen Triumphgesang sämtlicher tanzwütiger Türken spielte das Orchester großartig. Im scharfen Rhythmus eines wilden Rittes stampften sich die Steppenbewohner orchestral in Ekstase.

Die in Berlin lebende japanische Pianistin Mizuka Kano spielte das Konzert für Klavier und Orchester fis-moll op. 20 von Alexander Skrjabin (1872-1915). Das Ganze ist das Frühwerk eines unverwüstlichen Optimisten, der sich als Kunst-Gott und Welt-Erlöser sah. Mizuka Kanos flüssiges Spiel wurde im 1. Satz stellenweise von den hohen Streichern unhörbar gemacht. Der stillen Einleitung des 2. Satzes durchs Streichorchester folgte eine vom Klavier sensibel gezeichnete melancholische Szenerie. Mit fingerschnellen blitzenden Läufen von metallischem Glanz endete das Klavierkonzert. Begeisterter Beifall, und als Zugabe erklang eine stille Etüde Alexander Skrjabins. Der berühmte Pianist Skrjabin war ein Synästhet, sah bei entsprechenden Klängen Farben, entwickelte ein Farbenklavier, wollte die Menschheit durch Kunst erlösen, war zu Weihnachten geboren, sah sich als Erlöser, als messianische Figur.

Sergej Rachmaninows Sinfonie Nr. 1 d-moll op. 13 (Jugendsinfonie) wird selten gespielt, dessen mächtig dahinströmende 2. Sinfonie e-moll op. 27 hat ihr den Rang abgelaufen. Die Uraufführung der eigenwilligen Ersten 1897 in St. Petersburg war eine Katastrophe. Der Beginn des Werkes erinnerte an das wuchtige Kopfthema von Borodins "Heldensinfonie" (Nr. 2 h-moll). Naoshi Takahashi und die Erzgebirgische Philharmonie lieferten eine hochdramatische Wiedergabe, die manche hoch dotierte Einspielung in den Schatten stellt. Es war dank der Philharmoniker unüberhörbar: Rachmaninows Erste wird unterschätzt.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...