Junge Truppe sorgt für frischen Wind

Die Königsberg Brass Band aus Russland hat beim Blasmusikfestival eine gelungene Premiere gefeiert. Insgesamt waren in Bad Schlema rund 700 Musiker aus elf Nationen dabei.

Bad Schlema.

Von Freitag bis Sonntag hat Bad Schlema seinem Ruf als Blasmusik-Hauptstadt Europas wieder alle Ehre gemacht. Unter den 13 Orchestern aus elf Nationen, die beim 22. Europäischen Blasmusikfestival und beim 28. Internationalen Musikfest aufgetreten sind, war die Königsberg Brass Band. Das Ensemble aus Russland, das erstmals in Bad Schlema aufspielte, zog das Publikum im bestens besuchten Festzelt mit einer ganz neuen Art von Blechbläsermusik in seinen Bann.

Die jungen Leute experimentieren mit Einflüssen aus Techno, Disco und Ska, einem Stil, der in den späten 1950er- Jahren auf Jamaika entstand. Und das kommt offenbar gut an. In Bad Schlema stand die Königsberg Brass Band am Freitag, am Samstag und am Sonntag jeweils zu später Stunde auf der Bühne des 4000 Leute fassenden Festzelts in der Kurpassage - und die junge Truppe sorgte ordentlich für Stimmung. Die Ensemblemitglieder haben alle an der Moskauer Musikakademie studiert und nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt Kaliningrad eine moderne Brass-Band gegründet, die zunächst mit Jazz, Funk und Rock Erfolge feierte und dann angefangen hat, eigene Stücke zu komponieren. Damit gewannen die Musiker Wettbewerbe in Russland und auf internationaler Ebene.

Max Heinz war total begeistert. Der 23-Jährige gehört zur Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Carlsfeld. "Wir waren voriges Jahr als Orchester beim Festival dabei und sind diesmal Zuhörer." Heinz kann also bestens nachvollziehen, wie es auf der Bühne ist. "Was die Brass-Band spielt, ist schon anspruchsvoll, auch die Choreografie dazu. Die Musiker sind mit Herzblut und Leidenschaft dabei. Uns gefällt es sehr gut." Petra Roch fand den Auftritt der Russen ebenfalls klasse. "Die Band macht Musik, die etwas anders ist, aber sehr gut." Thomas Schaumberger, Präsident des gastgebenden Bergmannsblasorchesters Kurbad Schlema, war bereits im Vorfeld klar, dass diese Musik etwas moderner ist. Sie sollte eher die jüngere Generation ansprechen. Doch es stellte sich schnell heraus, dass die Königsberg Brass Band die Menschen über Generationen hinweg begeistert.

Generell hatte Rico Reinwarth, der neue Geschäftsführer des Bergmannsblasorchesters Grund zur Freude. "Es fühlt sich sehr gut an. Das Festival war gut besucht, und alles ist reibungslos gelaufen." Neben Russland ist Norwegen erstmals vertreten gewesen - das Orchester Molde Janitsjar hat in Bad Schlema sein 90-jähriges Bestehen gefeiert. Sein Debüt im Kurbad erlebte zudem My Orchestra Or Yehuda aus Israel. "Es gibt eine Weltsprache, und das ist die Musik", sagt Sven Schremmer, Orchesterleiter der Gastgeber, die natürlich ebenfalls aufspielten.


"Es ist ganz viel an Basis da, und darauf bauen wir einfach auf"

Anke Dolling ist die neue Eventmanagerin des Bergmannsblasorchesters Kurbad Schlema. Mit der 33-Jährigen aus Bernsbach sprach Ralf Wendland.

Wie sehen Sie als neue Eventma nagerin das Blasmusikfestival?

Das Festival ist sehr gut durchorganisiert, weil es stets der gleiche Ablauf ist - und das seit fast 30 Jahren. Stefan Richter, dem ehemaligen Geschäftsführer des Bergmannsblas orchesters Kurbad Schlema und Gründer des Festivals haben wir sehr viel zu verdanken. Es ist ganz viel an Basis da, und darauf bauen wir einfach auf. In diesem Jahr sind aber auch einige Neuheiten dazugekommen, ob das Ticket-System, die Festival-Website oder die Festival-App.

Andere Länder, andere Sitten, heißt es. Wir gehen Sie damit um?

Ich bin gern mit Leuten aus verschiedenen Kulturen zusammen. Natürlich gibt es Spezifisches, und jeder hat so seine Eigenheiten.

Erstmals vertreten ist Israel - ein Orchester mit 1000 Fragen?

Es ist tatsächlich so, dass die Israelis ein ganz liebes Orchester sind und ganz sympathische Leute, doch die Musiker brauchen viel Aufmerksamkeit. Da merkt man den Kulturunterschied besonders. Das Festival in Bad Schlema ist für die Musiker aufregend, vielleicht auch deshalb, weil das Orchester noch nicht oft in Europa gereist ist. Ernährungsspezifisch war es eine Hürde, das ist richtig. Erst denkt man, auch du Schreck, aber dann geht fast alles. Die Musiker sind gar nicht so sehr auf koscheres Essen fixiert gewesen.

Was war für Sie die größte Herausforderung beim Festival?

Vorher hat man alles auf dem Papier, hat die Zeit, darüber nachzudenken - und es lässt sich alles regeln. Die Herausforderung im laufenden Betrieb ist, alles zu der Zeit zu schaffen, für die es geplant ist. Und es kommen Anrufe rein, mit ungeplanten Sachen. Es sind viele kleine Dinge, die man sich im Vorfeld nicht vorstellen kann, für die man eine Lösung finden muss.

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