Kopfnoten-Debatte: Was Lehrer dazu sagen

Nach einem Urteil des Dresdner Verwaltungsgerichtes steht die Frage im Raum, ob Zensuren für Ordnung, Fleiß und Betragen abgeschafft werden sollen. Schulleiter in der Region haben dazu eine klare Meinung.

Aue/Schwarzenberg.

Kopfnoten müssen sein - darin ist man sich an den Schulen im Raum Aue-Schwarzenberg einig. Verwiesen wird darauf, dass die Einrichtungen laut Gesetz einen Bildungs- und Erziehungsauftrag haben. Zwei Schüler urteilen etwas differenzierter.

Oberschule: "Zum Schulabschluss gehören nicht nur das Fachwissen, sondern auch Kompetenzen", sagt Grit Hofmann, Leiterin der Oberschule Breitenbrunn. Die Schule arbeite viel mit Firmen zusammen, dort seien Kopfnoten ein wichtiger Punkt für die Auswahl von Bewerbern um Lehrstellen. Wichtig sei, die Eltern bei Problemen ihrer Kinder rechtzeitig zu informieren. Für die Information nutzt man in Breitenbrunn ein schuleigenes Hausaufgabenheft. Erklärt werde sowohl Eltern als auch Schülern, was konkret bewertet wird. "Wir stempeln keinen Schüler mit einer 4 oder 5 ab, sondern arbeiten mit ihnen, bevor eine solche Kopfnote auf dem Zeugnis steht", sagt die Schulleiterin.

Grundschule: "In unserer Schule sind wir uns einig: Die Kopfnoten müssen bleiben", sagt Katrin Hahn, Leiterin der Albrecht-Dürer-Grundschule Aue. Der Ansicht, die Benotung in diesem Bereich sei willkürlich, hält sie entgegen, dass in der Zensurenkonferenz alle Lehrer beraten und sich darauf einigen, welche Kopfnoten der Schüler bekommt.

Gymnasium: "Ich bin nicht für eine Abschaffung der Kopfnoten, denn sie sind wichtig als Hintergrundinformation für Arbeitgeber zum Verhalten der Bewerber um einen Job", sagt Mike Wolter, Leiter des Clemens-Winkler-Gymnasiums Aue. Durchaus gebe es auch mal Diskussionen mit Eltern, "weil die nur davon ausgehen können, was sie zu Hause von ihren Kindern hören und nicht live in der Schule dabei sind", so Wolter. Die Zensurenvergabe erfolge sehr gewissenhaft.

Niklas Riedel, Elftklässler am Auer Gymnasium, würde der Benotung eine Beurteilung in Textform vorziehen. Er meint, es sei auch nicht zu viel verlangt von einem Klassenlehrer, sich dazu einmal im Jahr zu 20Schülern Gedanken zu machen. Die Schülersprecherin Stephanie Schieck, ebenfalls Klasse 11, sagt, Kopfnoten seien "sehr subjektiv". Aber jeder Schüler sollte sich um gute Noten auch in diesem Bereich bemühen, "denn sie sagen viel über Verhalten und Charakter und damit über die Eignung für einen Beruf aus", erklärt sie.

Freie Schule: "Es wäre der falsche Weg, Kopfnoten abzuschaffen", sagt Angela Schubert, Leiterin der Oberschule Westsachsen in Bad Schlema. "Dieses Instrument sollte man den Lehrern nicht nehmen." Mit den Kopfnoten könne man Eltern Signale zum Verhalten ihrer Kinder geben. "Da dürfte bei keinem erst in Klasse 9 die Alarmglocke schrillen." In die Situation von Ausbildungsbetrieben versetzt, fragt sie, wie sie die Bewerber richtig beurteilen sollen ohne Zensuren für Betragen, Mitarbeit, Fleiß und Ordnung?

Förderschule: "Ich bin grundsätzlich dafür, dass Kopfnoten vergeben werden", sagt auch Jana Barnitzke, Leiterin der Lernförderschule am Förderzentrum Schwarzenberg. An dieser Schule haben alle Kinder einen Förderplan, in dem die Entwicklungsziele festgelegt sind. Auf dem Abschlusszeugnis dieser Schulart gibt es allerdings keine Kopfnoten. Das liege daran, dass sich die Schulabgänger nicht bewerben müssen, sondern wegen ihrer anerkannten Lernbehinderung eine besondere Förderung erhalten und vom Arbeitsamt vermittelt werden. Trotzdem sieht die Schulleiterin in den Kopfnoten ein wichtiges Indiz für die Eltern, um das Verhalten ihrer Kinder einschätzen zu können.


Gericht: Kopfnoten sind Eingriff in Recht auf Arbeit

Den Anstoß für die Debatte lieferte die Klage eines Oberschülers, der sich aufgrund mäßiger Kopfnoten bei der Bewerbung um eine Ausbildung benachteiligt fühlte und ein Zeugnis ohne Kopfnoten beantragt hatte. Das Verwaltungsgericht entschied, dass Kopfnoten ein Eingriff in das Recht auf Arbeit sind und eine gesetzliche Regelung in Sachsen bisher fehlt. Der Richterspruch ist noch nicht rechtskräftig, die Landesregierung geht dagegen vor. Parallel hat der Sächsische Lehrerverband eine Online-Petition für die Beibehaltung von Kopfnoten gestartet. (seho/tz)

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