Löst sich die Trabi-Familie allmählich auf?

Zwei Jahrzehnte sind ein guter Grund für ein Fest. Das haben die Fans des Zweitakters gefeiert - aber eine Fortsetzung ist offen.

Beierfeld.

Es ist Samstagabend gegen 22.30 Uhr. Ein kleiner Wald, der sich hinter dem alten Sportplatz an der Waschleither Straße in Beierfeld befindet, wird plötzlich zur Projektionsfläche für eine Lasershow. Allerdings tanzen die bunten Lichter nicht nur über den Bäumen, sondern erzählen eine Geschichte.

Es ist die Geschichte des "Zerp" - einer "Zwickauer Edelrennpappe". Der alte Trabi wurde komplett in seine Bestandteile zerlegt und als Pickup neu aufgebaut. Durch seinen "Boss" lernt er viele Trabifreunde kennen und feiert mit ihnen alljährlich über Pfingsten ein tolles Treffen, das heute sein Domizil in Beierfeld gefunden hat. Seine Premiere erlebte das Treffen in Geyer, dann zog man mit den Zweitaktern nach Langenberg zur Landfarm und schließlich vor elf Jahren nach Beierfeld.


In diesem Jahr feierte das Trabi-, Ifa- und Oldtimertreffen seine 20. Auflage. Grund genug für die Organisatoren des Trabiteams Westerzgebirge, eine Kuh fliegen zu lassen, wie sie sagen. Mit den "Erbschleichern" gab es im rammelvollen Festzelt am Samstagabend Live-Musik und zu vorgerückter Stunde die erwähnte Lasershow. Zudem gab es Wettbewerbe rund um den Trabant. So mussten Vergaser und Benzinhahn repariert werden. "Wer einen Trabi fährt, sollte das können", meint Jürgen Lisse, Vizepräsident im Trabiteam Westerzgebirge. Technisches Grundverständnis helfe, viel Geld zu sparen.

Mehr als 200 Fahrzeuge haben das Erzgebirge angesteuert. Die weiteste Anreise hatte Alexander Baitz aus Bern. Er war mit einem 500er Trabant dabei. Das älteste Schmuckstück war ein Motorrad, eine Zündapp Baujahr 1935. 70 Prozent der Teilnehmer sind Stammgäste. Einzelne hätten kein Treffen verpasst. Jens Schulze aus Zeitz gehört zu den treuen: "Ich bin bestimmt schon zum 15. Mal hier", sagt Schulze, dessen orangefarbener Trabi 103 die Blicke auf sich zog. "Er ist ganz sicher alltagstauglich, aber für jeden Tag wäre mir das Auto einfach zu schade", gibt er zu. An den Treffen schätze er die familiäre Atmosphäre. Selbst Neulinge finden sehr schnell Kontakte. "Das funktioniert ganz unkompliziert", meint Schulze. Für Robin Brunner vom Trabiteam Highlife war die Ankündigung, dass es das letzte Treffen des Trabiteams Westerzgebirge gewesen sein könnte, ein emotionaler Schlag: "Es ist das schönste Treffen überhaupt, weil man hier immer Bekannte trifft. Wir sind eine große Familie geworden", so Brunner, der sagt: "Wenn sie Hilfe brauchen, müssen sie es nur sagen, wir packen mit an."


Wie es weitergeht

Hermann Langer ist der Vorsitzende vom Trabiteam Westerzgebirge. Mit ihm sprach am Rande des 20. Treffens Reporterin Katja Lippmann-Wagner.

"Freie Presse": Welches der 20 Treffen war das schwierigste, hat die meisten Nerven gekostet?

Hermann Langer: Das war das 13. Treffen. Damals ist vieles zusammengekommen. Das war so schlimm, dass ich gesagt habe, ich will nicht mehr.

Woran lag das?

Das war ein Fehler in der Struktur. Gemeinsam mit Martina Neudecker-Franke hatte ich das Ganze organisiert. Wir waren aufeinander eingespielt. Sie klärte die Formalitäten, ich war der praktische Macher. Der Rest des Teams hatte wenig Chancen, sich einzubringen. Danach haben wir das aber rigoros geändert, sind als Team richtig zusammengewachsen.

Nun heißt es wieder: Das 20. Treffen könnte das letzte sein. Warum?

Geht es nach mir, ist es nicht das letzte. Es hängt von der Manpower ab. Aktuell sind wir noch elf Mitglieder. Das geht ganz schön an die Kräfte. Wir machen ja alles selbst. Deshalb sind wir auf externe Hilfe angewiesen. Ohne die zusätzlichen zehn Helfer könnten wir es kaum stemmen. klin

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...