Mit Kanister, Butt und einer Bemmbüchs'

Das Erzgebirge ist einzigartig - auch wegen seiner Sprache. Und die setzt dem regionalen Essen liebevoll noch ein Sahnehäubchen obenauf. Heute zu Besuch: bei Ex-Bergmann Gerhard Stops.

Oelsnitz.

Gerhard Stops zählt zur Gilde der gestandenen Bergleute, die einst im Lugau-Oelsnitzer Revier unter Tage Steinkohle förderten. "1956 bin ich erstmals eingefahren, die Bergbaustadt war meine erste Berufsstation", erinnert sich der 80-Jährige. "Mit elf weiteren Berufsanfängern hatte ich damals meine Ausbildung in Mücheln-Geiseltal aufgenommen, zum Ende hin war ich der einzige, der durchgehalten hatte", weiß Gerhard Stops von dem harten Arbeitsalltag zu berichten. Als Sachsen-Anhaltiner wechselte er aber ins Erzgebirge. "Im Kupferschiefer quasi vor der Haustür wollte ich nicht anfangen, vielmehr lockte mich der Ruf, unter Neuoelsnitz Steinkohle abzubauen."

Und so gehörte Stops zu denen, die ihr Quartier in einer der Baracken in der seinerzeit errichteten Jugendstadt aufschlugen. Hier wurde im Drei-Schicht-Rhythmus gearbeitet. Er war in der Gewinnung, gehörte zu jenem Kollektiv, das entweder die Früh- oder Mittagsschicht leistete, erzählt der Bergmann. Sie brachen die Steinkohle, während die Nachtschicht für freie Gassen und das Umsetzen der Fördergeräte gesorgt habe, damit am nächsten Morgen wieder vorangetrieben werden konnte. Jeweils 6 und 14 Uhr sei für die Kumpel die Seilfahrt gewesen. "Da wurde auf der Hängebank die persönliche Fahrmarke abgenommen und los ging es."

Zumeist leicht bekleidet ging es für die Männer nach unten. "Die Verpflegung war am Kumpel", erklärt Gerhard Stops. Auch er habe die sogenannte Kaffebutt um den Hals gebunden gehabt. Das war ein Zwei-Liter-Behältnis, in dem sich Malzkaffee befand, erklärt der 80-Jährige. "An der Seite hatte ich den Brotsack hängen, in dem waren die in Zeitungspapier gewickelten Schnitten." Die waren von den Küchenbediensteten der Kantine in der Jugendstadt geschmiert worden. Stops: "Manche besaßen auch eine Bemmbüchs'." Gerade die Verpflegung sei damals ein entscheidendes Argument gewesen, Bergmann zu werden. "Wir bekamen in Zeiten der Lebensmittelmarken ausreichend Butter, Wurst und Käse."

Eingefahren gab es an der Gezähkammer das Werkzeug. "Da zählten der Kaukamm dazu, der Weiberarsch und die Säge." Der Kaukamm war ein bergmännisches Beil, der Weiberarsch eine große Schaufel.

Auf dem Schacht seien 500-Liter-Fässer aufgestellt gewesen, an denen Zapfhähne angebracht waren. "Da war Malzkaffee, bei anderen auch Tee drin." In 250 Metern Tiefe sei es warm gewesen, 30 Grad Celsius, da habe man regelmäßig trinken müssen, sagt der Oelsnitzer und erinnert sich, dass man auch "Riso" getrunken habe, ein Punschgetränk aus dem Hause Riedel & Sohn. Es sei üblich gewesen, dass 10 Uhr eine Frühstückspause eingelegt wurde. "War die Brotbüchse leer, nutzte mancher das Behältnis, um das eine oder andere Stücke Kohle für den heimischen Ofen drin zu verstecken." Unentbehrlich sei genauso eine Schnuppdus gewesen. Denn man habe "kollegial Tabak geschnupft".

Zudem gehörte für die Hauer eine Uhr zur Ausrüstung. "Man brauchte die zeitliche Orientierung, um das Tagespensum zu schaffen. Denn nur dann ging es auch wieder pünktlich nach oben." Seinerzeit seien pro Kumpel fünf Kubikmeter gebrochenes Gestein gefordert gewesen. "Wer die Norm erfüllte, bekam im Monat zwei Liter akzisefreien Trinkbranntwein." Für jene, die mehr schafften, gab es einen höheren Anteil vom legendären Bergarbeiter-Fusel. Nach der Mittagsschicht sei es oft gleich in eine Gaststätte gegangen, wo das Getränk aus Tonfässern mit einem speziellen Maß geschöpft wurde. Noch heute können Besucher des Oelsnitzer Bergbaumuseums einige dieser Utensilien der Bergleute anschauen. Gerhard Stops zählt zu jenen Knappschaftsmitgliedern und Freunden des Museums, die bildhaft vom damals Erlebten berichten können.


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