Musiker feiern im Stillen

Der Posaunenchor der evangelisch-methodistischen Kirchgemeinde in Schneeberg ist 60 Jahre alt geworden. Aktuell spielt aber jeder für sich - und doch für alle.

Schneeberg.

Es war eine der Aktionen in Corona-Zeiten, um den Menschen Mut zu machen: Musiker treten auf den Balkon oder spielen aus dem offenen Fenster heraus. Daran beteiligt haben sich auch die Mitglieder des Posaunenchors der evangelisch-methodistischen Kirchgemeinde in Schneeberg. Immer abends griffen sie zu ihrem Instrument. Ein anderer Plan der Männer fiel wegen der Kontaktsperren aus: das Konzert zum 60-jährigen Bestehen des Ensembles. Es sollte im Mai erklingen.

Gemeinsam mit befreundeten Musikern aus Nürnberg wollten die Erzgebirger feiern und musizieren. Nun müssen sie das Konzert verschieben. Die lange Tradition schmälert das nicht. Einen ersten Posaunenchor der Methodisten gab es schon um 1900, vornehmlich in Neustädtel. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs fand noch 1939 in der St.-Wolfgangskirche in Schneeberg ein Landesposaunenfest mit 350 Bläsern statt. Wenige Jahre später, im April 1945, wurde der Bergmannsdom Opfer der Flammen. Die Menschen brauchten Zeit, um sich nach den Kriegswirren zu sammeln. 1958 begann Horst Pätzold mit dem Aufbau eines Posaunenchors. Burkhard Röder, Martin Bretschneider, Walther Wagner, Manfred Wallner und Christoph Georgi gewann er für diese Idee, die nach vielen Proben am Ostermorgen 1960 um Punkt 6 Uhr im Kirchengarten an der Ringstraße erstmals öffentlich musizierten. Ziel des Ensembles heute wie damals: Die christliche Botschaft verbreiten, den Menschen mit Musik Freude machen - und selbst Freude daran haben. Das Repertoire ist vielseitig. Es reicht von Chorälen und Kirchenmusik zur Begleitung der Gemeinde über Volkslieder bis hin zu modernen Titeln aus Rock und Pop sowie Filmmusiken.

Gründungsvater Horst Pätzold bildete lange Zeit auch Nachwuchsmusiker aus. 1975, in den 1980er-Jahren und 1999 war Schneeberg erneut Gastgeber für Landesposaunenfeste. Den Staffelstab übergab Pätzold im Jahr 2000 an Jens Bretschneider, dessen Vater zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Weil Bretschneider sich auf die Arbeit mit dem Musikkorps der Bergstadt Schneeberg konzentrierte, übernahm 2012 Ulrich Anger die Geschicke des Posaunenchors. Im Gottesdienst, in Pflegeheimen, auf dem Friedhof und bei geselligen Anlässen treten die aktuell zehn Männer auf. Jugendliche und Musikerinnen werden vermisst und sind als Verstärkung jederzeit willkommen. So wächst die Hoffnung, dass mit den Lockerungen der Corona-Einschränkungen gemeinsame Proben wieder regelmäßig möglich sind. Und vielleicht auch bald das Geburtstagskonzert nachgeholt werden kann.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.