Nach Brandserie in Schneeberg: Prozessauftakt am Amtsgericht

Innerhalb weniger Tage waren in der Stadt im vergangenen Jahr elf Brände gelegt worden. Der mutmaßliche Verursacher steht ab dem heutigen Dienstag vor Gericht. Von der Verhandlung selbst wird die Öffentlichkeit aber nichts erfahren.

Schneeberg.

Am Ende war es wohl auch Kommissar Zufall, der mitgeholfen hat, einen der spannendsten Kriminalfälle der Region aufzuklären: die Brandserie im Herbst vergangenen Jahres in Schneeberg.

Bei ihrer nächtlichen Streife hatten Polizeibeamte entdeckt, wie ein junger Mann von einem brennenden Auto an der Bruno-Dost-Straße wegrannte - und direkt nach Hause lief. Bei einer Kontrolle fanden die Beamten später dann offenbar noch Kaminanzünder bei ihm. Mit einem solchen, leicht entzündlichen Stoff sollen mehrere Brände in der Stadt gelegt worden sein.

Ab dem heutigen Dienstag muss sich der junge Mann - ein 14-Jähriger - nun vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Chemnitz verantworten. Er soll für die vielen Brände verantwortlich sein, die im vergangenen Oktober die Stadt erschütterten.

Innerhalb weniger Tage waren elf Feuer rund um die Bruno-Dost-Straße ausgebrochen (siehe Grafik). Dabei wurden fünf Müllcontainer, eine Papierpresse und drei Autos Opfer der Flammen. Vier weitere Fahrzeuge sind durch die gewaltige Hitzeeinwirkung beschädigt worden. Der Gesamtschaden laut Staatsanwaltschaft: circa 40.000 Euro.

Von "Terror" hatte zuletzt Schneebergers Bürgermeister Ingo Seifert gesprochen. Groß war deshalb die Erleichterung, als schließlich die Meldung die Runde machte, dass ein Tatverdächtiger gefasst ist. Seifert erklärte damals: "Jetzt können wir erst einmal durchatmen."

Wie die Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart berichtet, werden dem jungen Mann insgesamt zehn Brände zur Last gelegt, einige gelten als Sachbeschädigung, andere als eine Brandstiftung. "Der Beschuldigte hat die Taten zwischenzeitlich vollumfänglich eingeräumt", sagt sie. Bei einem elften Brand, der sich am 21.Oktober in der Ruine Waldesruh ereignet hatte, sei hingegen kein Tatnachweis möglich, das Verfahren deshalb eingestellt worden.

Burghart bestätigt, dass in jener Nacht, als der 14-Jährige ergriffen wurde, eine Person vom Tatort wegrannte - in das Hausgrundstück der Mutter des Angeklagten. "Der Beschuldigte wurde dort angetroffen und wies eindeutige Spuren auf. Ferner gibt es eine Reihe objektiver Beweise und Spuren", sagt sie. Welche das sind, will die Oberstaatsanwältin vor der Hauptverhandlung aber nicht verraten.

Vom heutigen Prozess selbst wird die Öffentlichkeit allerdings nichts erfahren. Die Staatsanwaltschaft weist auf das junge Alter des Beschuldigten hin. Laut Jugendgerichtsgesetz wird deshalb nicht öffentlich verhandelt - das Urteil aber später veröffentlicht.

Seit seiner Ermittlung im Oktober 2018 ist der Jugendliche in einer Jugendeinrichtung untergebracht. Daran habe sich nichts geändert, sagt die Oberstaatsanwältin.

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