Neues Zuhause entfacht neue Lebenslust

Fünf Millionen Euro hat die Volkssolidarität Westerzgebirge investiert, um in Schwarzenberg-Sonnenleithe ein neues Haus zu errichten. Zur offiziellen Einweihung am Dienstag blieb nur eine Frage offen.

Schwarzenberg.

Es ist mittlerweile selten geworden, dass ein Neubau sowohl im Kostenrahmen bleibt als auch im geplanten Zeitraum entsteht. Die Volkssolidarität (VS) Westerzgebirge hat genau das geschafft. Am Dienstag wurde das für fünf Millionen Euro neu gebaute Wohnhaus im Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe seiner Bestimmung übergeben. Die ersten Mieter hätten schon Ende Oktober mit den Umzugswagen vor der Tür gestanden, erzählt Béla Ullmann, der Geschäftsführer der VS Westerzgebirge. "Da haben wir die ersten Wohnungsschlüssel übergeben", so Ullmann. 32 barrierefreie Wohnungen von unterschiedlicher Größe und Zuschnitt sind in dem U-förmig angelegten Neubau entstanden.

Ingrid Meißner ist eine der ersten Mieterinnen, die ihre Wohnung im Erdgeschoss bezogen hat. "Ich bin überglücklich", sagt die 78-Jährige und gerät ins Schwärmen. 28 Jahre lang war sie die Pensionschefin des Georgenthaler Hofs in Erlabrunn. Mittlerweile hat sie die Pension ihrem Sohn übergeben. Sie selbst sei vor zwei Jahren schwer krank geworden, erzählt sie: "Die Ärzte meinten schon damals, ich würde Weihnachten nicht mehr erleben." Doch sie hat das Ruder noch mal herumgerissen. "Meine Tochter sowie mein Sohn und die Schwiegertochter haben mir sehr über diese Zeit hinweggeholfen. Nun hab' ich diese schicke, kleine Wohnung und jederzeit jemand, der mir hilft. Was will ich mehr", sagt sie und versprüht heute pure Lebenslust. Dreimal pro Tag würden "die Mädels" vom Pflegedienst bei ihr klopfen, Medikamente reichen und spritzen. Ansonsten schmeißt die 78-Jährige ihren Haushalt selbst. Und schon jetzt freut sie sich darauf, dass es bald ein erstes Treffen aller Bewohner gibt. Denn Geselligkeit liegt ihr. "Da geh' ich natürlich hin. Und will ich mal alleine sein, dann mach' ich meine Tür hinter mir zu."

Jede Wohnung hat entweder einen Balkon oder wie bei Ingrid Meißner eine Terrasse. Der Blick auf die Stadt ist traumhaft. Mit Sonnenbad, Bushaltestelle, Einkaufsmarkt, Ärztehaus und Apotheke in unmittelbarer Nähe ist das Umfeld für die Mieter optimal. Vorm Haus sind bereits junge Bäume gepflanzt, die in ein paar Jahren im weitläufigen Innenhof Schatten spenden sollen.

"Nur noch eine der 32 Wohnungen ist frei", so der Geschäftsführer. Für ihn geht damit die anstrengende Zeit als Bauherr zu Ende. "Das ist schon 'ne Schippe mehr, was da von allen zu leisten ist", sagt Ullmann und spricht im Zuge dessen vor allem dem Team vom Pflegedienst und den Hausmeistern seinen Dank aus. Denn die finale Reinigung des Objekts habe man aus eigenen Kräften gestemmt. Jeden Samstag im Oktober wurde geputzt oder Bauschaum von den Scheiben gekratzt.

Der Bau selbst ist nach dem anfänglich entstandenen leichten Bauverzug von vier Wochen, bedingt durch Schwierigkeiten mit dem Baugrund, fast problemlos gelaufen. Insgesamt 21 Unternehmen aus der Region haben mitgewirkt. "Zwei leichtere Verletzungen von Bauleuten gab es in der Rohbauphase, und zweimal mussten Handwerker vom Gerüst, weil im Sommer die Hitze unerträglich wurde", so Ullmann. Auch von größeren Diebstählen blieb die VS als Bauherr verschont, von kleineren Sachbeschädigungen und zwei abgeschnittenen Kabeln abgesehen, wie er sagt.

Die neuen Mieter kommen zumeist aus dem unmittelbaren Umfeld von Schwarzenberg, Aue und Lauter-Bernsbach. "Aber auch ein Herr, der mehr als 40 Jahre in Hamburg gelebt hat, jedoch seine Wurzeln hier hat, wird im Januar einziehen. Und ein Berliner kehrt zurück", verrät Ullmann.

Ebenfalls im Januar 2020 startet das Angebot der Tagespflege. 15 Plätze sind verfügbar. Nur eine Frage blieb lange offen: "Wird auch dieses Haus wie andere Gebäude in Sonnenleithe einen sonnigen Namen tragen?" Klare Antwort des Geschäftsführers: "Nein, es bleibt bei ,Wohnanlage der Volkssolidarität'."

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