OB-Kandidat Kohl will für Sanierung der alten Loge kämpfen

Wahlen 2019: Heinrich Kohl leitet seit 20 Jahren die Geschicke von Aue. Zeit für eine Pause? Nein, sagt der CDU-Politiker. Denn in der neuen Stadt gibt es viele Baustellen.

Aue-Bad Schlema.

Als Kümmerer. So will sich Heinrich Kohl bei der alten Freimaurerloge an der Schneeberger Straße in Aue verstanden wissen. Nach Kritik aus dem Stadtrat, dass die Sanierung für das bauhistorisch bedeutsame Gebäude nicht vorankommt, sagt er: "Ich will kein Versprechen abgeben, aber ich werde mich der Sache annehmen."

Die Fertigstellung? Sei in schon drei bis fünf Jahren möglich, erklärt er. Vorausgesetzt natürlich, die Bürger wählen ihn am 26.Mai zum neuen Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema.


Bereits seit 1999, also mittlerweile seit 20 Jahren, sitzt Kohl im Auer Rathaus. Erst als Bürgermeister, später als OB. Nächste Station: OB von Aue-Bad Schlema? Lust hätte er jedenfalls, sagt er. "Ich könnte jetzt etwas von einem Beruf als Berufung erzählen", erklärt er und muss lachen. In erster Linie gehe es ihm darum, das Geschaffene weiterzuführen. Sein "Erbe sichern" würden es andere vielleicht nennen.

Denn in der neuen Stadt, die nun sogar mehr Einwohner zählt als Annaberg-Buchholz, warten viele Herausforderungen. Zum Beispiel den ersten gemeinsamen Haushalt aufzustellen. Oder die Bürger zu versöhnen, die die Fusion in Gegner und Befürworter geteilt hatte. Heinrich Kohl erklärt dazu: "Der Lotse muss jetzt an Bord bleiben." Es gelte, die Zukunft gemeinsam zu meistern. Die Fusion von Aue und Bad Schlema sei eine Chance. Dass man sie genutzt hat, sei richtig.

Doch wohin soll "das Schiff" Aue-Bad Schlema in den nächsten sieben Jahren steuern? Der CDU-Politiker hat dazu eine ziemlich klare Vorstellung. Auf seiner Prioritätenliste ganz oben steht, den Ärztemangel zu bekämpfen. Helfen soll dabei etwa ein städtisches Stipendium. Viele und gut ausgebildete Mediziner zu halten- das sei in Zukunft ein Standortvorteil, erklärt er.

Einsetzen will sich der Auer auch für mehr Sicherheit auf öffentlichen Plätzen. Nachdem zuletzt bereits die Anzahl der Ordnungshüter aufgestockt worden sei, könne man künftig auf "technische Überwachungsmittel" setzen. Heißt konkret: Kohl ist für Überwachungskameras auf dem Postplatz. "Mir schwebt aber nicht das chinesische Beispiel vor." Statt Dauerüberwachung soll mit Hilfe der Kameras lediglich das Geschehen auf dem Platz dokumentiert und nach kurzer Zeit automatisch gelöscht werden. Nur wenn es zu einem Vorfall kommt, erhalten Ermittler Zugriff auf die Daten. "Als Konservativer sage ich dazu ja." Ein weiterer Punkt auf seinem Fahrplan: den Personennahverkehr stärken und in Zukunft viele Buslinien in die Stadtteile anbieten.

Fragt man Kohl, was in den vergangenen Jahren seiner Amtszeit weniger gut lief, muss er lange überlegen, um schließlich zu erklären: "Da fällt mir jetzt nichts ein." Einen Moment später sagt er dann aber: "Außer doch, eins vielleicht: dass wir den Kreissitz an Annaberg verloren haben."

Seinen politischen Kontrahenten fällt deutlich mehr ein. Beatrice Meichßner, die Fraktionschefin der Freien Wähler, sagt etwa: "Er ist mehr Verwalter als Visionär." Bei der Frage, wie die sanierte Wellner-Fabrik künftig gefüllt werden soll, vermisse sie beispielsweise ein klares Konzept, in das auch der Stadtrat eingebunden wird. "Er lässt die Ideen häufig zu sich kommen und bewertet dann, wie sie für ihn passen." Für die Sitzungen des Stadtrates fordert die Politikerin aussagekräftigere Beschlussvorlagen. Manches Mal fühle sie sich unzureichend informiert. Zudem sollten öfter gemeinsam Ideen gesammelt und Diskussionen geführt werden, so zur Innenstadtentwicklung. "Herr Kohl will aber immer eine Vorlage, und wir sollen dann zustimmen."

Positiv hebt sie hervor, dass Kohl für die Fusion mit Bad Schlema den richtigen Zeitpunkt erwischt habe, um bilateral Gespräche zu führen. Eine größere Silberberg-Kommune hätte sich Meichßner aber schon deutlich früher gewünscht.

Uwe Kaettniß, der Kreischef der Grünen im Erzgebirge und Kohls früherer Kontrahent um den Stadtchef-Posten, sagt über ihn: "Er hat einige Dinge zum Positiven bewegt." Als Beispiel nennt Kaettniß die Sanierung von Wellner und den Bau des Sport- und Freizeitzentrums. Er sieht jedoch die Gefahr, dass die Stadt durch die vielen Investitionen an den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit kommt. Auch in der Stadtentwicklung erkennt er Defizite. "Wie will man in Zukunft dem demografischen Wandel begegnen?", fragt er. Einige Stadtteile wie der Eichert, Alberoda und die Neustadt seien zudem vernachlässigt worden. Positiv wiederum sei, dass die Loge vor dem Abriss bewahrt wurde. "Ein guter Entschluss, auch wenn er bis heute Stückwerk ist."

Mit dem Ziel, Letzteres zu ändern, geht Kohl nun also ins Rennen um den OB-Posten. Nutzen ließe sich das Gebäude künftig etwa für Trauungen und für Büroräume, sagt er. Ein Problem sei allerdings noch die Finanzierung. Ein Drittel der auf 2,4 Millionen Euro geschätzten Kosten werde die Stadt wohl selbst aufbringen müssen. "Und die Eigenmittel sind nicht unbegrenzt." So steht in Bad Schlema in den nächsten Jahren eine millionenschwere Sanierung des Kurbads Action bevor. Ein Projekt, das Kohl auch unterstützt.


Zur Person

Geboren am 19. November 1956 in Frankfurt/Main hat Franz Heinrich Kohl nach dem Abitur Rechtswissenschaften studiert. Ab 1986 war er als Rechtsamtsleiter in der Kurstadt Bad Soden/Taunus tätig, später als Baubürgermeister von Limbach-Oberfrohna. 1999 wurde er zum Bürgermeister von Aue gewählt. Die Wiederwahlen erfolgten 2006 und 2013.

Der Politiker ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er ist etwa Mitglied im Auer Schützenverein und engagiert sich im Rotary-Club, im Historischen Bergbauverein Aue und im Museums- und Geschichtsverein Aue.


Aus dem Wahlprogramm

Kampf gegen Ärztemangel: Ein städtisches Stipendium soll junge Mediziner in die Region locken. Ein Standortvorteil, sagt Heinrich Kohl.

Mehr öffentliche Sicherheit: Auf öffentlichen Plätzen und in Parks soll mehr für das Sicherheitsgefühl der Bürger getan werden, etwa mit Hilfe von Überwachungskameras.

Guter Nahverkehr: Ausbau des Personennahverkehrs, ergänzt um mehr E-Mobilitätsangebote.

Digitalisierung: Mehr digitaler Service im Rathaus für Bürger.

Kurort-Entwicklung: Modernisierung des Kurbades, Fremdenverkehr und Tagungswesen stärken.

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