Pianist reizt die Karte voll aus

Vier Vollblutmusiker lassen im Schlosskeller die wilde Rock 'n' Roll-Zeiten lebendig werden. Sogar ein Helm ist dringend geraten.

Schwarzenberg.

Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Mikrofone und vier Vollblutmusiker - das alles passte am Freitag auf die Mini-Bühne im Schlosskeller Schwarzenberg. Ray Allen and his Band haben damit den Reigen der Konzert "Live im Keller" für 2019 eröffnet.

Der musikalische Auftakt der Konzertreihe des Kulturbetriebs war schon seit Wochen restlos ausverkauft. Bis Ende des Jahres wird es insgesamt sechs Konzerte in diesem Rahmen geben. Und weil der Abend mit Tino Standhaft, der Songs von Neil Young und Eric Clapton bietet, am 18. Oktober ebenfalls in Windeseile ausverkauft war, wird es tags zuvor ein Zusatzkonzert geben.

Doch zurück zum Freitagabend, an dem der Funke zum Publikum sofort übersprang. Schnell wurde deutlich: Da treffen sich Menschen, die nicht nur die Töne des Rockabilly lieben, sondern auch diese Zeit verinnerlicht haben. Die Enge im Keller hielt die Gäste nicht davon ab, die Füße im Takt zu bewegen, die Hüften zu schwingen oder auch eine kurze Tanzeinlage hinzulegen.

Die Band, die letztmalig 2015 in Schwarzenberg zu Gast war, begeisterte erneut in jeder Hinsicht. Weitgeschnittene Bundfaltenhosen, helle Schuhe, Jacketts aus einem anderen Jahrzehnt und dazu perfekt gegelte Haare. Sie waren schon eine richtige Augenweide. Hinzu kommen natürlich die musikalischen Höhenflüge. Markante, durch den Bass geprägte Arrangements. Dazu viel Flippigkeit auf der Bühne - immer wieder gab es wegen diverser Wortwitze und Spielereien für die Gäste des Abends Grund zum Lachen. Vor allem Pianist Jan J. Dillard gab dem berühmten Affen gehörig Zucker, stellte Gelenkigkeit unter Beweis: Er sprang auf die Bank, reckte Füße in die Höhe oder ließ lässig ein Bein auf dem Piano liegen. Seine fast schon akrobatischen Einlagen kamen an und sorgten immer wieder für Zwischenapplaus. Allerdings machten sich vor allem die Besucher in den ersten Reihen so ihre Gedanken, denn sein Stuhl stand stets auf schnapp ab. Es hätte nicht viel gefehlt und der Pianist wäre rücklings nach unten gekracht. Doch Dillard kommentierte den Balanceakt mit einem Lächeln und den Worten: "Ich lebe gern am Abgrund." Außerdem gab er zu, dass es nicht sein erster Bühnenunfall wäre. Selbst seine Nase hätte er sich schon einmal gebrochen, was die Bandkollegen dazu veranlasst hätte, ihm zum Helm zu raten. Zudem flirtete er mit dem Publikum, was das Zeug hielt, kokettierte mit seinem Singledasein und erfüllte damit sämtliche Klischees, die man mit Rock 'n' Roll in Verbindung bringt. Es war eben nicht nur ein Konzert, sondern eine Lebenseinstellung, die die Band im Schlosskeller zur Schau stellte.

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