Schneeberg als Modellbau-Mekka: Mini-Flieger drehen ihre Runden

In der Bergstadt treffen sich Hobbypiloten seit Jahren mit ihren Flugzeug- repliken. Manche können mit bis zu Tempo 200 durch die Lüfte sausen. Eine angekündigte Spende für den Verein erwies sich allerdings als Luftnummer.

Schneeberg.

Als Hannes Meusel vor einiger Zeit mit seiner Frau spazieren ging, entdeckte der 35-Jährige eine neue Leidenschaft. Zufällig war er auf den Flugplatz an der Goldenen Höhe in Schneeberg gestoßen, auf dem Modellflugzeuge in der Luft ihre Runden drehten. "Ich fand es spannend zu sehen, welche Kunststücke mit den Modellen möglich sind", sagt der Schneeberger. Daraufhin trat er vor rund einem Monat dem zugehörigen Verein bei und ist nun das neueste Mitglied des ersten Modellfliegerclubs Schneeberg-Griesbach.

Gegründet wurde der Club vor 42 Jahren. 16 Mitglieder besitzt der Verein aktuell, darunter ist auch René Leonhardt. Er ist Fluglehrer und berichtet: "Damals befand sich der Flugplatz auf dem früheren Armeegelände in Zschorlau." Nach der politischen Wende sei dann der Umzug auf die Goldene Höhe erfolgt.

Trotz langjähriger Geschichte: Vor Kurzem erlebte der Verein eine Premiere der unschönen Art. Eine Frau hatte sich über das soziale Netzwerk Facebook bei Leonhardt gemeldet und nach seinen Angaben erklärt, sie beziehungsweise ihr Arbeitgeber wolle die Schneeberger Modellflieger finanziell unterstützen. Von einer Geldspende und sogar einem fünfjährigen Sponsorenvertrag war die Rede.

Doch bei einem geplanten Termin vor wenigen Tagen tauchte die Frau nicht auf. Leonhardt sagt dazu: "Ich denke, es war ein Fake." Anzeige erstatten wolle er aber nicht. "Ich belasse es dabei und ziehe meine Lehren daraus, denn Schaden hatte keiner."

Doch wie war die Frau überhaupt auf den Verein aufmerksam geworden? "Der Hintergrund war, dass ich zwei Schwibbögen für das Schneeberger Rathaus nachgebaut habe. Die Originale waren Anfang des Jahres gestohlen worden", so Leonhardt. Das habe die Frau bei Facebook mitbekommen. "Sie fragte mich, ob ich für sie ebenfalls einen Schwibbogen machen könnte." Im Gegenzug wollte Leonhardt wissen, ob sie und ihr Arbeitgeber sich vorstellen könnten, den Verein finanziell zu unterstützen. Doch daraus wurde am Ende nichts.

Als Dankeschön für die Schwibbögen kümmert sich die Stadt nun dafür darum, dass die Zufahrt zum Modellflugplatz begradigt wird, erklärt René Leonhardt. Dort lässt ein Großteil der Mitglieder übrigens gekaufte Fluggeräte in die Lüfte steigen. Es gibt allerdings auch einige wenige, die ihre Modelle komplett selbst bauen. "Die Größe der Modelle variiert dabei zwischen einem Meter und drei Metern. Angetrieben werden sie durch einen Elektro- oder einen Verbrennungsmotor von 24 bis 111 Kubikzentimeter. Damit wird eine Leistung zwischen 3 und 16 PS erreicht, und es sind Spitzengeschwindigkeiten bis zu 200 km/h möglich", so Leonhardt. Bei schönem Wetter wird der Platz fast täglich zum Training genutzt. An drei Tagen im Jahr duellieren sich die Mitglieder zudem auch untereinander in einem Clubwettkampf.

Neuling Hannes Meusel hat sich zum Auftakt ein Einsteigermodell zugelegt. Kostenpunkt: rund 550 Euro. "Ich habe bereits sechs Flüge unter Anleitung von René Leonhardt absolviert", berichtet er. Weil es ihm an Erfahrung fehlt, müssen Starts und Landungen noch vom Fluglehrer vorgenommen werden, aber Hannes Meusel durfte derweil schon einmal das Gefühl für die Steuerung des Flugzeugs in der Luft bekommen. "Mit der Steuerung einer Spielekonsole ist es nicht vergleichbar", scherzt er. "Gegen Ende des Jahres, nach 10 bis 20 weiteren Flügen, hoffe ich, selbstständig Starts und Landungen durchführen zu können."

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