Schwerhörigkeit ist kein Makel

30 Jahre gibt es ihn jetzt, den Verein, bei dem sich Menschen mit Hörbehinderung Rat holen können. Und obwohl es unzählige Betroffene gibt, kämpft der Verein gegen Vorurteile.

Aue/Schwarzenberg.

Es ist keineswegs nur eine Alterserscheinung, wenn das Gehör nachlässt. "Schwerhörigkeit ist sehr weit verbreitet, aber noch immer ein Tabu", sagt Katrin Schwenke, die seit 2014 Vorsitzende des Schwerhörigenvereins im Erzgebirgskreis ist.

Sie hat vor vier Jahren den Vorsitz des Vereins von ihrem Mann Rüdiger übernommen, der seit 2008 selbst Betroffener ist und früher von Beruf Hörgeräteakustiker war. Daher weiß sie sehr wohl um die Probleme, die Menschen mit Hörbehinderungen haben. Im Verein ist ihr Mann nach wie vor und hat gestern eine kleine, interessante Ausstellung im Saal vom "Kaiserhof" in Markersbach aufgebaut, mit welch einfachen technischen Mitteln einst und heute Betroffenen geholfen werden kann. Heute begeht der Verein in Markersbach mit einer Festveranstaltung und einem öffentlichen Begegnungstag sein bereits 30-jähriges Bestehen.

Er wurde 1988 als Selbsthilfegruppe gegründet und vertritt seither die allgemeinen und sehr spezifischen Interessen von Menschen mit Hörbehinderungen. "14,8 Millionen Menschen in Deutschland sind aktuell davon betroffen", sagt Matthias Müller vom Landesverband. Die Dunkelziffer sei weitaus höher. Doch Schwerhörigkeit oder gar Hörbehinderung sei kein Makel, sehr wohl aber eine Form der Behinderung, der man heutzutage leicht Abhilfe schaffen kann.

Man bedenke: Wer nicht alles versteht, fühlt sich oft missverstanden, ausgegrenzt und isoliert sich. "Doch es gibt so viele, die sich scheuen, unsere Hilfe anzunehmen", sagt Müller. Natürlich gebe es das Internet, könne man heute überall Hörgeräte kaufen, aber sind diese in jedem Fall auch die richtigen für den individuellen Bedarf? Da steht die Frage: Geht es um Hilfen, um weiterhin den Beruf auszuüben oder um einen Senior im Pflegeheim? "Da gibt es erhebliche Unterschiede", so Müller, der darauf verweist, dass der Landesverband, bei dem er tätig ist, eine von 500 Stellen für ergänzende, unabhängige Teilhabeberatung ist.

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