Singen nimmt die Prüfungsangst

Zwei Mitglieder des Blema-Chors halten ihm seit 40 Jahren die Treue. Am Samstag eröffnete das Ensemble seinen Reigen der Adventskonzerte.

Aue.

Bammel vor der Russischprüfung und keine Lust zum Lernen. So ging es Andrea Oeser und Ines Wenzel wirklich. Und zwar vor 40 Jahren. Ihr Rezept damals? Ab in den Auer Blema-Chor, um beim Singen den Kopf frei zu kriegen. "Es hat funktioniert", sagt Andrea Oeser und lacht. Die Prüfung haben beide bestanden - und halten der Sängerschar bis heute die Treue.

Geschichten wie diese könnten viele Chormitglieder erzählen. "Das macht uns aus", sagt Oeser. Längst sei der Chor eine zweite Familie und die eigene wundere sich, wenn sie das Haus mal nicht zu den Probenzeiten verlassen. "Wir können nicht mehr ohne", meint Wenzel. Die eigenen Familien wurden groß damit und hielten ihnen den Rücken frei.

Altstimme Oeser hat es grob überschlagen. "In 40 Jahren komme ich mit Proben, Auftritten und Ausfahrten auf rund zwei Jahre Lebenszeit", so die dreifache Mutter. Dabei geht das Engagement übers Singen hinaus. Oeser arbeitet im erweiterten Vorstand und kümmert sich um kranke Mitglieder. Sopran-Stimme Wenzel betreut Statistiken und die Internetseite mit. Musikalisch mögen beide peppige Sachen. Dass die Mischung im Repertoire stimmt, ist der Verdienst von Heidemarie Korb.

Auch ihre Geschichte ist eine besondere. In den Chor eingetreten, war sie vor 35 Jahren, im Oktober 1984, um mitzusingen. "Ich wollte nicht davor stehen, sagt sie. Es kam anders. 1994 war ihr Vorgänger und Chorgründer Gerhard Hirsch bereits schwer krank. Sie übernahm vorübergehend die Leitung. Dem Vorstand gab sie ein Jahr Zeit, um Ersatz zu finden. Nur fand sich keiner. "So reihte sich Jahr an Jahr", sagt Korb. In ihrem Amt als Chorleiterin feiert sie inzwischen Silberhochzeit. Mit jeder Probe drückte sie der Sängerschar ein bisschen mehr ihren Stempel auf. "Sie hat den Chor geprägt, ihn weit nach vorn gebracht", sagt Vorsitzende Grit Wolf. Die Jubilare Oeser und Wenzel bestätigen das: "Wir waren noch nie so gut."

"Einfach ist das bei so vielen Leuten aber nicht, weil jeder seinen eigenen Kopf hat", sagt Korb. Doch sie setzte sich durch und haderte nicht, als der Chor altersbedingt immer mehr Männer verlor. Mit Siegfried Müller, dem Vater zweier Mitglieder, schrieb sie Sätze der Lieder um, damit es klanglich wieder passte. Das Auswendiglernen nimmt sie keinem ab. "Ohne Liederbuch singt es sich freier und kräftiger. Das ist unser Markenzeichen", ist die Chefin überzeugt, die 2003 den Kammerchor aus der Taufe hob, um auch modernere Titel wie Gospels einzustudieren. Der Respekt der Sängerschar ist ihr sicher. Auch Oeser und Wenzel haben nur einen Wunsch: "Dass immer genug Sänger da sind und Heidi gesund bleibt."

Am Samstag startete der Blema-Chor vor rund 400 Zuhörern mit seinem Weihnachtskonzert im Kulturhaus Aue in die Adventszeit. Es folgen noch viele Auftritte in Pflegeheimen und auf Märkten der Region.

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