Sprachunterricht geht durch den Magen

Ihre ersten Wörter auf Tschechisch haben Knirpse im Bernsbacher "Kinderparadies" gelernt. Das war gar nicht einfach. Umso leichter zerging eine Leckerei auf der Zunge.

Lauter-Bernsbach.

Mit Palatschinken fängt man vielleicht nicht nur hungrige Mäuse, sondern auch gelehrige Sprachschüler. Denn die Leckerei, die dem deutschen Eierkuchen ähnelt, hat den Knirpsen im Bernsbacher "Kinderparadies" ihre erste Tschechisch-Stunde versüßt.

"Hm, schmeckt super", sagt Walther und schleckt den Löffel ab. Gerade hat er Marmelade auf den gebackenen Teig gestrichen und den Palatschinken zusammengerollt - nun heißt es genießen. Das haben sich die 15 Erst- bis Viertklässler verdient. "Tschechisch ist nicht leicht", sagt Hortleiter Tobias Horn. Aber mit Pavlína Kellerová hat es allen Mädchen und Jungen Spaß gemacht.

Die Lautsprache war der Eisbrecher. Wie die Wörter aussehen oder gar korrekt geschrieben werden, ist für Kinder in diesem Alter erst mal unwichtig. Bei der Sprachanimation, die die Euregio Egrensis dies- und jenseits der Grenze frei nach dem Motto "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" anbietet, geht es um erste Erfahrungen mit der Sprache aus dem Nachbarland. "Wir wollen die Angst nehmen und Kinder anregen, sich damit zu befassen", so Kellerova.

Das kommt Tobias Horn und seinem Team super entgegen. So kurbelten das "Kinderparadies" und die Wasserwerke Westerzgebirge mit Sitz in Schwarzenberg über die Euregio Egrensis ein binationales Projekt an, das diese Woche seinen ersten Höhepunkt hat. "Wir erleben im Naturbad in Johanngeorgenstadt gemeinsame Zeit mit Kindern aus Breitenbach, also aus Potůèky", so Horn. Auch Besuche beider Kitas gehören bis Freitag zum Programm. "Wir sind alle schon sehr gespannt, wie das laufen wird." Und ein paar Vokabeln können da nicht schaden.

Gelernt haben die Bernsbacher Hortkinder von Kellerová unter anderem, wie man im Tschechischen die wichtigsten Körperteile - etwa Hände, Ohren, Schultern und Knie - benennt. Das alles verpackt in einen flotten Gesang, bei dem jedes Körperteil beim Aussprechen berührt wird: Das hatten selbst die Jüngsten schnell auf dem Kasten. Ebenso wie Mehl, Milch, Zucker, Ei und Teller - stets wiederholte Kellerová zentrale Vokabeln auch beim Kochen, was Tobias Horn zum heiteren Fazit verleitete: "Also geht auch Sprache durch den Magen."

Mit den leergeschleckten Tellern ist es für die Kinder nicht vorbei. So geht das Projekt mit Potůèky weiter. Anfang 2017 ist ein sechstägiges Camp geplant, in dem Kinder aus beiden Nationen ein Programm proben, das im Juni auf die Bühne kommen soll. Wie das Lernen der Sprache, geht eben auch das Miteinander nicht von jetzt auf gleich. "Aber wer dran bleibt, hat die Chance auf echte Freundschaften", ist Horn sicher.

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