Stadt verkauft ehemalige Pestalozzi-Schule

Für das alte Schulgebäude in Johanngeorgenstadt sucht die Kommune schon seit Jahren nach einer Lösung. Nun gibt es einen neuen Eigentümer.

Johanngeorgenstadt.

Gerüchte gab es schon eine Weile. Am Donnerstagabend machten die Stadträte von Johanngeorgenstadt Nägel mit Köpfen. Mit einer Enthaltung stimmten sie für den Verkauf der ehemaligen Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule an der Schwarzenberger Straße. Der Preis wurde nicht genannt. Neuer Eigentümer wird die Testa Motari Immobilien GmbH aus Johanngeorgenstadt. Sie will die Räume, wohl für Testa Motari Automotive, für Produktion, Ausstellungen und Büros nutzen. Die Firma, die es seit 2005 gibt, fertigt Baugruppen für den Fahrzeuginnenraum und hat laut Firmenwebseite 40 Mitarbeiter. Geschäftsführer ist Martin Fenzl, der den Räten dankte und sich über die Entscheidung freute. Kurzfristig war er im Nachgang nicht erreichbar.

In einer Vorabanfrage durch die Stadtverwaltung hatte das Landratsamt des Erzgebirgskreises keine Bedenken wegen des Verkaufs geäußert, so Bürgermeister Holger Hascheck. Der Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts ist teilweise denkmalgeschützt. Vertraglich wurde vereinbart, dass die Aula mit Parkett, Holzverkleidung und Stuckdecken nach vorheriger Vereinbarung für Veranstaltungen genutzt werden kann. In eben dieser Aula tagten am Donnerstag die Stadträte, um wegen der Corona-Epidemie ausreichend Platz zu haben. "Aber es ist wahrscheinlich die letzte Sitzung hier für lange Zeit", vermutete der Bürgermeister. Ein im Haus aufgestelltes riesiges Glasbild des Künstlers Carl-Heinz Westenburger bleibt als Dauerleihgabe der Stadt im Gebäude. Mit dem Verkauf verbunden sei die Verpflichtung für Investitionen durch den Käufer. Außerdem gelten Rückübertragungs- und Vorkaufsrechte für die Stadt. Die hatte schon lange nach einer Lösung für den seit 2013 weitgehend leerstehenden Klinkerbau gesucht.

Im Jahr 2007 war der Schulbetrieb eingestellt worden. Danach gab es immer mal Projekte vor Ort sowie Ausstellungen. Auch als Wahllokal diente ein Raum im Haus. Zuletzt verursachte die alte Schule aber vor allem Kosten - 20.000 Euro jährlich, um sie frostfrei und einigermaßen sicher zu halten. Außerdem sei seit Jahren fast nichts investiert worden. Es gebe Spuren von Verfall, so Hascheck.

Laut Holger Hascheck haben sich die Stadträte die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber: "Das Gebäude war lange auf dem Markt. Es gab einige Besichtigungen." In der Vergangenheit habe man Kaufanfragen abgelehnt, "weil es kein nachhaltiges Konzept für die Nutzung gab." Man habe auch verhindern wollen, dass die Ex-Schule an ausländische Investoren gehe, die sie dann verfallen lassen. "Dafür sehen wir in Johanngeorgenstadt schon genügend Beispiele", sagte Hascheck. Die jetzige Lösung stimmt ihn zuversichtlich. "Wir haben nun einen Unternehmer aus der Stadt, der das Haus wirklich nutzen will." Die Produktion sei nicht sehr geräuschintensiv. Deswegen habe man keine Bedenken, auch wenn es einige Wohnhäuser in der Nähe gebe.

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