Streit ums Wildschwein: "Der Bauer ist der Dumme"

Was tun gegen eine große Wildschwein- Population in der Region? Diese Frage hat jetzt in Zschorlau die Gemüter erhitzt. Vor allem die Landwirte sehen Risiken.

Zschorlau.

Die Schwarzkittel sind jetzt im Haus der Vereine in Zschorlau zentrales Streitthema bei einer Diskussion zum Thema Wald gewesen. Denn nach Ansicht der Landwirte gibt es bei der Reduzierung der Bestände Defizite. Folge sind Wildschäden auf den Feldern.

"Wir kämpfen immer noch um eine Abschussprämie", versicherte Referent Torsten Müller vom Veterinäramt des Erzgebirgskreises. Speziell wegen des naturnahen Umbaus der Wälder befürchten Landwirte jedoch eine Verschärfung des Problems, weil das Wild sich im Unterholz besser verstecken kann. Und so wurde auch die Jagd mit Nachtsicht- und Nachtzielgeräten gefordert.

Dem stehen derzeit nicht nur die hohen Kosten für Jäger entgegen. Nach dem Jagdrecht wäre die Nutzung von Nachtsichtgeräten zwar möglich, waffenrechtlich sind sie jedoch verboten. "Bis jetzt ist immer der Bauer der Dumme", beklagte eine Frau aus dem Publikum.

Dem unbürokratischen Vorschlag, unabhängig vom Verbot einfach mal ein Nachtsichtgerät zu kaufen, stellte sich Stephan Schusser dennoch entgegen. Der Leiter des Forstbezirkes Eibenstock sagte: "Es gibt immer noch demokratische Regeln." Stattdessen sollten die Bauern über die Bauernverbände aktiv werden: "Die großen Verbände haben große Macht. Wir als kleine Staatsdiener können es nicht richten."

Zuvor hatte Torsten Müller vom Veterinäramt in der Diskussionsrunde neue Informationen zur Afrikanischen Schweinepest und zu vorbeugenden Maßnahmen gegen die Seuche gegeben. Auf den Menschen wird der 2017 in Tschechien und 2018 in Belgien aufgetretene Virus zwar nicht übertragen, allerdings ist bei seinem Auftreten mit enormen ökonomischen Schäden in Hausschweinbeständen zu rechnen. Zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gehören die präventive Ausdünnung der Schwarzwildbestände und die Früherkennung durch Labortests an tot aufgefundenen Wildschweinen.

Eine große Rolle spielte bei dem Treffen auch das Thema Waldumbau. Forstbezirksleiter Stephan Schusser sprach knapp eine Stunde lang über Notwendigkeit und Motivation für den Waldumbau sowie die Fortschritte, die der Staatsbetrieb Sachsenforst dabei gemacht hat. Vor etwa 40 Besuchern spannte er einen weiten Bogen, beginnend bei dem durch den Bergbau bedingten, starken Holzbedarf und die darauf folgende Holznot im 17. Jahrhundert. "Der Bergbau hat im Prinzip alles aufgefressen." Um die Industrie am Leben zu halten, wurden in der Folge viele Fichten gepflanzt.

Was damals unumgänglich war, hat sich inzwischen allerdings zum Problem entwickelt. Schusser: "Mit der Fichte kam eine Katastrophe nach der anderen. Wir sehen heute, dass diese strukturarmen Nadelholzforste ihren Eigentümern und der Gesellschaft nicht mehr gerecht werden." Kurz gesagt, sieht der Forstmann für Waldbesitzer nur eine Möglichkeit, mit Klimawandel und regelmäßig sprunghafter Vermehrung der Borkenkäfer fertig zu werden: "Ein bunter Wald mit verschiedensten Baumarten, so wie der Miriquidi im 16. Jahrhundert."

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