Vom irdischen Inferno jubilierend in den Himmel

Bachpreisträger István Ella hat die Orgel-Konzertreihe in St. Wolfgang eröffnet

Schneeberg.

Ohne die große Jehmlich-Orgel hätte kaum jemals einer der renommierten Organisten den Weg nach Schneeberg gefunden. So aber lockt die internationale Orgelkonzertreihe Männer wie István Ella an, der am Sonnabend den diesjäh-rigen Auftakt bestritt.

Das tat der Ungar mit Felix Mendelssohn Bartholdys 2. Sonate c-moll op. 65. Die eignet sich als fest- licher Einstand besonders wegen ihres eingängigen Scherzo-Satzes, der an motorische Energien Beethovens erinnerte. In der Mitte des Abends präsentierte István Ella einen großen Bach-Block aus dem 3. Teil der sogenannten "Clavierübung". Klavierschülern sind diese anspruchsvollen "Übungen" jedoch nicht zugänglich. Die kleinteilige Abfolge aus zehn Stücken, die Ella bot, ragte auch durch dessen Kunst der Orgel-Registrierung heraus. Neben feingliedrigem Flötenspiel auf den ein- und zwei Fuß großen Pfeifen der Orgel schien stellenweise ein ganzes Trompetenensemble zu erklingen.


Das vom Organisten aus Budapest als Finalmusik gewählte und inspirierend gespielte Stück "Jesus Christus unser Heiland" BWV 688, schien schon vorauszuweisen auf Anton Bruckners so wuchtige wie oft skurrile Scherzo-Sätze seiner monumentalen Sinfonien. Hervorgehoben seien noch "Kyrie, Gott heiliger Geist" BWV 674 und "Dies sind die heiligen zehen Gebot " BWV 679.

Dr. Albert Schweitzer, Organist und Urwaldarzt von Lambarene (Gabun), sah das Bach-Werk als "Orgelmesse". Darauf wies auch Kantor Alexander Ploß in seiner Rede an die Zuhörer hin. Er sagte, dass die aktuelle Konzertreihe der 21. Jahrgang ist, in welchem die Orgel erklingt.

Den Abschluss bildete ein Schwergewicht der Orgelliteratur, Max Regers Fantasie über den Choral "Wie schön leucht' uns der Morgenstern" op. 40. Die Schneeberger Zuhörer mussten unmittelbar nach dem klanglich milderen Bach umschalten auf die grelle Darstellung einer gottlosen Welt, die der Erlösung harrt. Einem Aufschrei der Orgel folgten in schärfstem Kontrast sogleich ferne, sanfte Streicherklänge. Alles ging zuletzt gut aus: Über den virtuos gespielten jubilierenden Pedalbässen erhob sich strahlend der Choral. Auf viel Beifall der zahlreichen Zuhörer folgte ein Wiegenlied als Zugabe.

Das nächste Orgelkonzert in der internationalen Reihe im Bergmannsdom spielt am 6. Juli Silbermann-Preisträger Johannes Krahl aus Leipzig.

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