Von Räubern, Hexen und rappenden Nachwuchsmimen

In Schönheide wird jetzt schon neugierig gefragt, was die Theatergruppe der Kita Hammerschulzwerge in diesem Jahr auf die Bühne bringt. Bis vor kurzem war sich darüber die Autorin selbst nicht klar.

Schönheide.

Claudia Wendler war ein halbes Jahr lang leer. Sagt sie und meint damit, dass sie nicht in der Lage war, ein neues Stück für ihre Theatergruppe zu schreiben. Dann löste sich die Blockade, und es brauchte nur ein Wochenende, bis die Geschichte fertig war. Allerdings nur im Kopf der 44-jährigen Schönheiderin. Jetzt ist sie dabei, die Rollen für die Darsteller aufzuschreiben, jetzt beginnt die Arbeit. Ziel: eine erfolgreiche Aufführung am Dienstag vorm Buß- und Bettag in Schönheide und eine weitere am Freitag danach in Eibenstock.

Claudia Wendler schreibt seit acht Jahren die Geschichten für die Aufführungen, bei denen ausschließlich Frauen auf der Bühne stehen. Es sind Schönheiderinnen, deren Kinder in die Kita "Hammerschulzwerge" im Ort gehen oder gegangen sind. Und damit begann eigentlich auch die Geschichte, denn die große Tochter der Familie Wendler, Juliane, heute 10, ist auch in diesen Kindergarten gegangen. "In unserem Kindergarten war es nicht anders als in anderen, dass die Kinder ein Stück in der Weihnachtszeit für die Eltern aufführen. Wir hatten die Idee, als Eltern für Kinder eine Art Weihnachtsstück einzustudieren", erzählt Claudia Wendler. "Ich habe sofort Leute gefunden, die dabei sein wollten."Das erste Stück hieß "Frau Holle macht Urlaub". Dieses wie folgende, so "Auf der Suche nach Schneewittchen", orientierten sich noch sehr an klassischen Märchen. Seit einigen Jahren schreibt die Schönheiderin allerdings völlig eigene Geschichten, im vergangenen Jahr hieß sie "Die Räuber sind los".


"Meine Geschichten sollen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen lehrhaft sein", sagt die Autorin. Wie sie selber zu den Aufführungen bemerkt, "lachen Kinder an anderen Stellen als Erwachsene und sind Kinder von anderen Szenen berührt als Erwachsene".

Claudia Wendler schreibt ihre Texte auf die Darsteller, wenn sie fertig sind, werden sie verteilt, und dann gibt es eine Vorbesprechung. Dabei erklärt die Autorin, was sie mit dem Stück erreichen will, was als Hauptbotschaft vermittelt werden soll. Die eigentlichen Proben beginnen Ende August, Anfang September. Geprobt wird an einem Abend in der Woche, dann auch schon mal drei bis vier Stunden am Stück. "Ich denke, wir werden dieses Jahr wohl ein bisschen eher anfangen, weil sich die Sache zu einem Riesenprojekt entwickelt hat", sagt die 44-Jährige. Mittlerweile machen 17 Darsteller mit, ein komplettes Bühnenbild wird aufgebaut, eigene Licht- und Tontechnik kommen zum Einsatz. In diesem Jahr sollen auch die jüngsten Darsteller mehr Szenen im Stück bekommen. Zu den Kindern, die mitmachen, gehört auch ihre Tochter Juliane. Die hatte im vergangenen Jahr einen coolen Auftritt mit einem gerappten Text. Wenn zum Schluss die Zeit knapp wird, wird auch zweimal in der Woche geprobt. Fast normal ist die Panik bei allen, es - wieder einmal - nie schaffen zu können. "Das alles ist schon ein ziemlicher Aufwand, deshalb wäre es überlegenswert, das Stück noch an anderen Orten aufzuführen, aber dazu fehlt den Mitwirkenden einfach die Zeit", erklärt Claudia Wendler. Schon jetzt wird sie immer wieder gefragt, was denn dieses Jahr auf die Bühne kommt. Sie verrät: eine Rittergeschichte. Ein Mädchen, Rosalinde, soll Burgfräulein werden. Das will sie aber nicht, sondern lieber Ritter sein. Mit manchen Irrungen und Wirrungen gelingt es ihr schließlich, ihre eigene Entscheidung zu treffen. Schräge Hexen, die dem Mädchen Schnaps als Zaubertrank unterjubeln, kommen auch vor.

Claudia Wendler meint, dass die Sache mit den Theateraufführungen so lange weiter gehen wird, wie sie Ideen für Stücke hat. Alle im Team, so ist sie überzeugt, wollen weiter machen. Zwischendurch habe es allerdings auch schon mal danach ausgesehen, dass man sich trennt. "Es gab Knatsch, einige waren nicht mit meiner Art der Leitung einverstanden. Ich bin ziemlich streng, wenn wir unser Ziel schaffen wollen, kann ich nicht groß Rücksicht nehmen auf Befindlichkeiten, bei mir darf zum Beispiel während der Proben nicht gequatscht werden", erklärt die Schönheiderin. Nach einer Aussprache stand fest: Alle wollen weiter machen.

Claudia Wendler ist in Jena aufgewachsen und von Beruf Lehrerin für Deutsch und Englisch. Den hat sie an den Nagel gehängt, als Tochter Juliane und später die Zwillinge Josephine und Karoline geboren wurden. Heute managt die 44-Jährige die Arztpraxis ihres Mannes in Schönheide. Bis vor einem Jahr hat sie noch für den Klett-Verlag Texte für Schulbücher geschrieben. Ein Projekt liegt bei ihr noch in der Schublade: Ein Kinderbuch. Das will sie auf der Grundlage von der Geschichte "Die Räuber sind los" schreiben.

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