VORSICHT SATIRE: RÜCKBLICK AUF DIE WOCHE: Wenn Johnnie dem Nachtwächter begegnet

In langen Winternächten verwandeln die Erzgebirger Wasser zu Whisky und polieren ihr Erbe auf.

Der Tag geht, der Nachtwächter kommt. Dieser Spruch bekommt in Zwönitz eine ganz neue Bedeutung. Denn die Bergstadt hat jetzt auch ihren ersten Whisky. Und was würde besser zum Ort passen, als der Bezug zu den bekannten Nachtwächtern, die nachts durch die Gassen des verschlafenen Städtchens laufen. Echte "Night Walker" eben, so wie auch der Name des Whiskys. Nach den ersten Gläschen dürfte es wohl niemanden mehr stören, dass Nachtwächter auf Englisch "night watchman" heißt. Nach weiteren Schlucken wird man dann eben selbst zum Nachtwandler. Und dann passt es wieder.

Mit nachtwandlerischer Sicherheit wurde auch die neue Menora für Israel in der Kunstgusswerkstatt von Claus Döhler im Sosaer Ortsteil Blauenthal gegossen. Denn neben dem Brennen von Hochprozentigem kennen sich die Erzgebirger bestens mit Kunsthandwerk aus. Der Beweis wird jährlich angetreten, wenn im Dezember die Dachböden leer geräumt und die Wohnzimmer vollgestellt werden. Es ist die Zeit des Lichts, und mancher Fremde, der nachts durchs hell erleuchtete Gebirge fährt, würde die Region am Tage nicht wiedererkennen.

Deshalb muss das Welterbe aufpoliert werden. Denn die Touristen sollen nicht nur durch düstere Bergwerke wandeln, sondern auch in Besucherzentren mit "Glück auf!" begrüßt werden. Bei Kosten von 70Millionen Euro sind auch ein paar Wegweiser drin. Schließlich soll sich niemand verlaufen, der in Zwönitz dem Nachtwächter begegnet ist, auch wenn er Johnnie heißt.

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